Maike Nadar ist Expertin im Bereich Kinder- und Menschenrechte. Seit mehreren Jahren ist sie enge Kooperationspartnerin der Melanchthon-Akademie in diesem Themenfeld. Dr. Stefan Hößl, Studienleiter bei der Melanchthon-Akademie, führte ein Gespräch mit ihr:
Maike, seit Langem arbeitest Du mit der MAK zusammen im Themenfeld „Menschenrechte“. Zusammen haben wir z. B. einen Fachtag zur Kritik des Antisemitismus gestaltet und im Rahmen der Reihe „Liebe ist politisch!“ hast Du ein menschenrechtlich fundiertes Plädoyer für den Respekt vor unterschiedlichen Formen der Liebe formuliert hast. Viele Menschen aus dem Akademie-Umfeld kennen Dich insofern schon. Für die anderen: Bitte stelle Dich kurz vor.
Maike Nadar: Ich bin Sozialarbeiterin. Seit 2024 baue ich – zusammen mit Anna Bahr – an der Universität Rostock das Transferzentrum Kinderrechte & Kinderschutz auf. Im Zentrum unserer Arbeit stehen Kinder und Jugendliche als Rechtssubjekte und Gestalter*innen unserer Gesellschaft. Wir setzen uns dafür ein, die Menschenrechte von Kindern und Jugendlichen in der Gesellschaft bekannter zu machen und umzusetzen.
Auf Menschenrechte wird immer wieder Bezug genommen. Um was genau geht es da?
Maike Nadar: Menschenrechte sind Rechte, die allen Menschen gleichermaßen allein aufgrund ihres Menschseins zustehen und in der Würde eines jeden Menschen gründen. Wie in der UN-Behindertenrechtskonvention beschrieben, muss es allen Menschen ermöglicht werden, ein Bewusstsein ihrer Menschenwürde zu entwickeln.
Wenn Du auf die aktuellen Entwicklungen blickst – wie nimmst Du diese wahr?
Maike Nadar: Ich ziehe eine sehr nüchterne Bilanz. Es steht sehr ernst um Menschenrechte, Freiheit und Demokratie! Menschenrechte waren nie auch nur halbwegs verwirklicht, aktuell befinden sie sich in einer fundamentalen Krise. Mit Rückschlägen musste immer gerechnet werden. Die Idee der Menschenrechte wurde in der Vergangenheit von einem Glauben an eine langsame, aber stetig positive Entwicklung getragen. Dieser Rückenwind scheint aktuell auszubleiben, wie Heiner Bielefeldt, der von 2010 bis 2016 Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats war, attestiert.
… trotzdem sollte an der Idee der Menschrechte unbedingt festgehalten werden…
Maike Nadar: Ja klar. Es gibt gute Gründe für mehr menschenrechtliches Selbstbewusstsein! Denn Menschenrechte sind plausibel und haben Überzeugungskraft. Wir müssen Menschenrechte ernst nehmen, denn menschenrechtliche Verträge sind mehr als politische Ziele oder ethische Leitlinien. Sie sind in Deutschland bindendes Recht. Menschenrechte leben von Menschen, die von ihrem Sinn überzeugt und bereit sind, politisch dafür einzustehen und deren Plausibilität immer wieder argumentativ darzulegen, gegen Angriffe, Missverständnisse, Verdrehungen und Einwände zu verteidigen. Menschenrechte stellen, mit Waltraut Kerber-Ganse gesprochen, eine Vision und einen Maßstab dar, der schon heute gilt und „der im Hier und Jetzt“ umzusetzen ist. Es geht bei Menschenrechten um Standards, die neben der juristischen und ethischen auch eine politische Dimension besitzen, aus denen gesellschaftliche Konsequenzen resultieren, die nicht vergessen werden dürfen. In der Quintessenz bedeutet das: Menschenrechte machen stark, aber wir müssen uns immer wieder auch für sie stark machen!
Fachtag Menschenrechte. Jetzt erst RECHT!
Mit Prof. Dr. Janieta Bartz,
Prof. Dr. Dr. h.c. Heiner Bielefeldt,
Prof. Dr. Christoph Gille,
Saloua Mohammed,
Maike Nadar &
Prof. Dr. Joachim Söder.
Mi, 29.04. 12-20 (10 UStd)
Dieser Kurs kostet 10 Euro
Nr. 2129H
Haus der Ev. Kirche, Kartäusergasse 9-11
Text: Stefan Hößl
Foto(s): Maike Nadar