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NDR Info extra: „Wintersturm im Norden“ (25 Min)
Stand: 10.01.2026 00:40 Uhr
Sturmtief „Elli“ zieht zwar langsam aus dem Norden ab, doch im Straßen- und Bahnverkehr hakt es noch. Wetter-Experten warnen vor Glätte. Auf den Schienen sollen ab dem Morgen wieder Züge rollen – allerdings sind weiter Ausfälle und Verspätungen möglich.
Liveblogs aus den Nordländern:
Nach den teils ergiebigen Schneefällen im Norden am Freitag tagsüber und teilweise auch noch abends und nachts wird es den Vorhersagen zufolge heute nur noch wenig schneien. Der Deutsche Wetterdienst warnt aber vor allem für den südlichen Bereich von Niedersachsen vor schwierigen Straßenbedingungen. Da die Luft- und Boden-Temperaturen im Minus-Bereich liegen, könne es nach frischen Niederschlägen gefährlich glatt werden, sagte DWD-Meteorologe Andreas Tschapek am späten Freitagabend im Gespräch mit dem NDR. Am Freitag war es bei teils schwierigen Straßenverhältnissen in Norddeutschland zu vielen Glätteunfällen gekommen, die meisten verliefen aber glimpflich.
Für Teile von Niedersachsen und Schleswig-Holstein hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine Unwetterwarnung herausgegeben: Noch bis zum frühen Morgen können demnach in einem Gebiet zwischen Ostfriesland, dem Elbe-Weser-Dreieck, Dithmarschen und der dänischen Grenze starke Sturmböen und dadurch starke Schneeverwehungen auftreten. Für Hamburg und weite Teile von Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gilt keine Unwetterwarnung mehr.
Vorhersage: Auf Schnee folgt bittere Kälte
Schluss mit dem winterlichen Wetter ist mit dem Abzug von Tief „Elli“ aber noch nicht, das betonte Wetter-Experte Sebastian Wache im NDR Fernsehen. In den Nächten zu Sonntag und zu Montag könne es sehr, sehr kalt werden im Norden. Unter Einfluss eines neuen Hochdruckgebiets aus Skandinavien können die Temperaturen gebietsweise „runtergehen auf minus 15 bis teilweise sogar minus 20 Grad“, sagte Wache. Mit ein Grund dafür ist laut DWD-Prognose der oft klare Himmel in den Nächten am Wochenende. Vereinzelt könne es in den kommenden Tagen im Norden aber auch noch etwas schneien.
Bahnverkehr soll heute schrittweise wieder anlaufen
Die Deutsche Bahn (DB) will den wegen des Unwetters am Freitagvormittag eingestellten Fernverkehr in Norddeutschland heute früh schrittweise wieder aufnehmen. Zunächst sei aber bundesweit trotzdem noch mit Einschränkungen und Zugausfällen zu rechnen, teilte die DB mit.
In den betroffenen Regionen hatten vor allem Schneeverwehungen für erhebliche Beeinträchtigungen gesorgt, sodass sich die Bahn zur vorübergehenden Einstellung des Fernverkehrs im Norden gezwungen sah. Die DB bittet alle Reisenden, sich rechtzeitig vor Fahrtantritt in der App DB Navigator und auf den Internetseiten der Bahn über die aktuelle Verkehrslage zu informieren.
Im Zuge der Einstellung des Bahnverkehrs im Norden wurden die Züge an geeigneten Bahnhöfen zurückgehalten. „Gestrandete“ Fahrgäste sollten an den Bahnhöfen versorgt werden, in Hannover und Hamburg wurden Aufenthaltszüge bereitgestellt.

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Nah- und Regionalverkehr: Ausfälle in Niedersachsen und SH
Der Nah- und Regionalverkehr im Norden ist von den Auswirkungen des Sturmtiefs ebenfalls betroffen. So wurde am Freitagabend der Busverkehr in der Stadt und Region Hannover wegen Schnee- und Eisglätte vorläufig komplett eingestellt. Nach Vorfällen mit festgefahrenen und rutschenden Bussen sei die Sicherheit der Fahrgäste nicht mehr gewährleistet, so das zuständige Verkehrsunternehmen Üstra. Auch in Osnabrück fahren vorerst keine Busse mehr, wie die dortige Verkehrsgemeinschaft am Abend mitteilte.
Zuvor hatten im Tagesverlauf bereits die Bahn-Unternehmen Start Niedersachsen, Erixx, Metronom und Enno mitgeteilt, dass keiner ihrer Züge in Niedersachsen mehr fahre. Betroffen waren verschiedene Verbindungen – unter anderem zwischen Hannover, Hildesheim, Braunschweig, der Lüneburger Heide, Hamburg und Bremen. Am Freitagabend gaben die Unternehmen bekannt, dass sie versuchen wollen, den Verkehr ab heute Vormittag schrittweise wieder aufzunehmen.
Stadtbahnen in Hannover entgleist – Zug fährt in SH gegen Baum
Auch die S-Bahn Hannover stellte wegen des Winterwetters den Verkehr fast komplett ein – nur die Linie S5 (Paderborn-Hameln) konnte am Freitag noch im Pendelverkehr bedient werden. Wann der Verkehr auf den anderen Linien wieder aufgenommen werden kann, ist noch nicht bekannt. Am Freitagnachmittag entgleisten in Hannover zwei Stadtbahnen auf schneebedeckten Gleisen – sie waren ohne Passagiere auf dem Weg zum Betriebshof.
Das Eisenbahnunternehmen Nordbahn will heute ebenfalls versuchen, den Zugverkehr auf all seinen Strecken wieder aufzunehmen – am Freitag war der Betrieb teilweise eingestellt. Zunächst sollen am Morgen alle Strecken geprüft werden. Dann wolle man entscheiden, ob und wo wieder Züge rollen können.
In Schleswig-Holstein kommt es im Autokraft-Busverkehr zu Einschränkungen und Ausfällen. In den Kreisen Dithmarschen, Steinburg, Nordfriesland, Stormarn, Herzogtum Lauenburg und Segeberg sowie in Husum, St. Peter-Ording und Hamburg-Bergedorf fuhren am Freitag keine Busse. In den Kreisen Segeberg und Herzogtum Lauenburg sowie im Bereich Hamburg-Bergedorf sollen die Strecken heute wieder befahren werden. Für die anderen Bereiche sind noch keine neuen Informationen bekannt. Hier geht es zur Website des Unternehmens.
Im Kreis Ostholstein fuhr ein Zug des Unternehmens Erixx am Freitag gegen einen umgestürzten Baum. Verletzte gab es nicht. Der betroffene Abschnitt auf der Strecke zwischen Lübeck und Eutin wurde für Bergungsarbeiten vorübergehend gesperrt.

Starke Sturmböen haben in Norddeutschland verbreitet für Schneeverwehungen gesorgt – mit Folgen für den Verkehr auf Straßen und Schienen.
Einschränkungen bei der S-Bahn in Hamburg
Auch der öffentliche Nahverkehr in Hamburg lief am Freitag wegen des Winterwetters nur eingeschränkt – auf einigen S-Bahn-Linien fuhren zwischenzeitlich keine Züge, auf anderen galt ein Sonderfahrplan. Auch heute sind Verzögerungen und Ausfälle möglich. Aktuelle Informationen finden Sie auf der Webseite der S-Bahn-Hamburg. Busse und U-Bahnen waren nach Angaben der Hochbahn trotz des Winterwetters weitgehend pünktlich unterwegs.
Extremwetter behindert Flugverkehr in Hamburg und Hannover
Auch am Hamburger Flughafen sorgte Sturmtief „Elli“ für Probleme, auf die sich die Reisenden einstellen mussten. Mehr als 20 Starts und Abflüge wurden am Freitag gestrichen, wie auf der Internetseite des Airports zu lesen war. „Bitte prüfen Sie laufend Ihren Flugstatus und wenden sich bei Fragen zu Ihrem Flug direkt an die Fluggesellschaft“, so der Flughafen. Auch am Flughafen in Hannover mussten wetterbedingt mehrere Abflüge gestrichen werden.
Bundesliga-Spiele von St. Pauli und Bremen abgesagt
Auf den Profisport hat Sturmtief „Elli“ ebenfalls Auswirkungen. Die Bundesliga-Heimspiele des FC St. Pauli gegen RB Leipzig sowie von Werder Bremen gegen 1899 Hoffenheim am Samstagnachmittag fallen aus, wie die Deutsche Fußball Liga mitteilte.
Basketball-Bundesligist Hamburg Towers hat an diesem Wochenende ebenfalls spielfrei. Das für Sonnabend geplante Duell mit den Gladiators Trier in der Inselpark Arena fällt aus. Grund ist die Schneelast, die auf der Mehrzweckhalle im Stadtteil Wilhelmsburg ruht.

Angesichts der Wetterlage in der Hansestadt ist das für Sonnabend angesetzte Bundesligaspiel abgesagt worden. Auch die Partie Werder – Hoffenheim fällt aus.

Die ursprünglich für Sonnabend angesetzte Bundesliga-Partie muss witterungsbedingt ausfallen. Auch St. Pauli gegen Leipzig fällt aus.
Niedersachsen: Einschränkungen im Fährverkehr
Fahrten auf dem Wasser sind ebenfalls betroffen: Der Fährverkehr von und zu den schneebedeckten Ostfriesischen Inseln fiel am Freitag wegen starken Ostwinds und niedriger Wasserstände weitgehend aus. So waren Langeoog, Spiekeroog, Norderney, Juist und Wangerooge nicht vom Festland zu erreichen. Heute sollen wieder Fähren fahren, es fallen aber erneut auch Verbindungen aus und es kann Fahrplanänderungen geben.
Probleme in den Häfen
Schnee und Sturm haben auch zu Einschränkungen im Hamburger Hafen geführt: Die Hafenbahn hat am Freitag bis auf Weiteres den Betrieb vollständig eingestellt. Damit werden innerhalb des Hafens keine Güterzüge mehr bewegt. Für größere Schiffe gibt es wegen des starken Windes zusätzliche Auflagen, wenn sie den Hafen anlaufen oder wieder verlassen. Das Tiefwasserterminal Cuxport stellte am Freitag den Betrieb im Cuxhavener Hafen ein. Deshalb können unter anderem keine Windanlagenteile oder Autos verladen werden.
Sturmflut an der Ostseeküste
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hatte für Freitagabend eine Sturmflutwarnung für die Ostseeküste herausgegeben. Für die Kieler Bucht waren Wasserstände bis maximal 1,40 Meter erwartet worden, für Lübeck 1,20 Meter und in der Flensburger Förde bis 1,50 Meter über dem Normalwert. Eine NDR Reporterin berichtete am späten Abend von der bereits unter Wasser stehenden Hafenstraße in Flensburg.

Die Sturmflut könnte höher ausfallen als erwartet. Übertretendes Wasser, das gefriert, bildet dann gefährliche Glatteisflächen.
Für die deutsche Nordseeküste hat der Seewetterdienst Hamburg am Freitagabend eine amtliche Sturmwarnung herausgegeben. In Ostfriesland sollte demnach Ostwind mit der Stärke 8 und Böen in Windstärke 10 wehen. Das sind Windgeschwindigkeiten von 62 bis 74 beziehungsweise 89 bis 102 Kilometern in der Stunde. In der Elbmündung müsse mit Windstärke 7 bis 8 und Böen von Windstärke 10 gerechnet werden. Betroffen waren auch das Seegebiet Helgoland (8/Böen von 10), die nordfriesische Küste (7 bis 8, Böen von 10), die Elbe von Cuxhaven bis Hamburg (6 bis 7, Böen von 9).
Kein Unterricht an vielen Schulen im Norden
Das Winterwetter wirkte sich auch auf viele Schulen im Norden aus. Am Freitag blieben in ganz Niedersachsen und in Bremen die Schulen geschlossen. In Hamburg fiel an allen Schulen der Präsenzunterricht aus. In der Hansestadt sind bis einschließlich Montag auch alle Schulsporthallen gesperrt. Auch in Schleswig-Holstein fiel in vielen Kreisen der Unterricht an den allgemein- und berufsbildenden Schulen aus. In Mecklenburg-Vorpommern fand der Unterricht planmäßig statt. Allerdings fiel teilweise der Schulbus-Verkehr aus.

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Lage für Obdachlose kritisch
Angesichts der für die kommenden Tage vorhergesagten eisigen Temperaturen warnen Sozialverbände vor dem Kältetod obdachloser Menschen. „Für Menschen, die auf der Straße leben, wird es mitunter lebensgefährlich“, sagte Elke Ronneberger, Vorständin Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. Städte und Gemeinden seien aufgefordert, mehr warme Orte bereitzustellen und zu finanzieren.
In Hamburg wird die Hilfe ausgeweitet: So bleibt das Winternotprogramm fürs Erste auch tagsüber und somit ganztägig geöffnet. Auch an anderen Orten in Norddeutschland will man auf die aktuelle Lage reagieren, hieß es.

Die Diakonie erweitert die Öffnungszeiten der Treffpunkte und Beratungsstellen. Kältebusse fahren bei Bedarf zusätzliche Touren.
Warnung vor Betreten von Wäldern und Eisflächen
Die Behörden in Norddeutschland warnen weiterhin vor dem Betreten von Eisflächen. So ist es etwa verboten, den Maschsee in Hannover zu betreten. Auch in Mecklenburg-Vorpommern sei das Eis auf den Gewässern noch nicht stabil, betonen die Feuerwehren. Auch in Wäldern und Parks kann es wegen der Schneelast auf den Bäumen gefährlich sein. Behörden reagieren teilweise mit vorübergehenden Sperrungen und Schließungen.

Minus-Grade und zugefrorene Gewässer locken Menschen vielerorts aufs Eis. Doch das ist meist viel zu dünn. Es besteht Lebensgefahr.

Die Feuerwehr Norderstedt wagt sich mit Spezialanzügen auf gefrorene Wasserflächen, um zu zeigen, wie schnell das Eis bricht.
Etliche Ski-Lifte im Harz geschlossen
Im Harz haben einige Skigebiete am Freitag wegen des heftigen Winterwetters geschlossen. So läuft wegen des starken Windes auf dem Wurmberg kein einziger Lift, wie die Betreiber mitteilten. Auch am Sonnenberg in Sankt Andreasberg sowie am Rodellift in Torfhaus wird der Betrieb eingestellt.
Ein Großteil der Langlaufloipen im Harz ist gespurt und geöffnet. Wintersportler sollten allerdings auf herabfallende Äste und umknickende Bäume achten, warnte die Polizei.

Auch am Abend ist die Lage in einigen Regionen noch angespannt. Viele Züge stehen still, der Busverkehr in Hannover ist komplett eingestellt.

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