Dresden – In Deutschland regieren Eis und Schnee. Der Zugverkehr kommt zum Erliegen, vielerorts sind Schulen dicht, auf den Straßen türmt sich der Schnee. Da überraschte eine Meldung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Dresden.

Der Lobby-Verband fordert nicht etwa seine Mitglieder auf, bei den Witterungsbedingungen das Fahrrad stehenzulassen, sondern beklagt sich über fehlenden Winterdienst auf Radwegen in der Landeshauptstadt von Sachsen.

Räum-Kritik mitten im Schneechaos

„Mit dem erneuten Schneefall, Eis und Minusgraden haben uns viele Rückmeldungen zum Winterdienst erreicht (…)“, schreibt der ADFC Dresden um 8 Uhr bei Facebook. „Darunter auch Hinweise auf Stellen, die laut Stadtverwaltung winterdienstlich betreut werden sollen, aber nicht oder nur unzureichend geräumt waren.“ Und die Lobby-Truppe ergänzt: „Genau daran misst sich das offiziell ausgerufene Ziel der Stadt, Radwege gleichrangig zu den Fahrbahnen zu behandeln.“

Dabei herrscht zeitgleich starkes Schneetreiben, sind auf zahlreichen wichtigen Hauptstraßen nicht geräumt. Eine knappe zehn Zentimeter hohe Schneedecke liegt auch auf Fußwegen. Der Winterdienst ist seit 4 Uhr im Dauereinsatz, kam anfangs mit dem Räumen nicht hinterher. Die Dresdner Verkehrsbetriebe schreiben auf X: „Aufgrund von Schnee und Glatteis kommt es nun im gesamten Verkehrsnetz zu starken Verzögerungen. Wir werden euch über Umleitungen informieren.“

Der Elberadeweg am linken Ufer in Dresden ist zugeschneit, auf der rechten Seite

Der Elberadweg am linken Ufer in Dresden ist zugeschneit, auf der rechten Seite

Foto: Thomas Fischer

ADFC fordert Gleichberechtigung

Unter dem ADFC-Beitrag kommt sofort Kritik auf. „Wer bei solchen Fahrbahn- und Witterungsbedingungen mit einem Balancefahrzeug unterwegs ist, gefährdet wissentlich und mutwillig sich und andere“, schreibt ein Facebook-Nutzer. Die Antwort des ADFC: „Das sehen wir naturgemäß etwas anders; es sollte unserer Meinung nach allen Verkehrsträgern ermöglicht werden, jederzeit gefahrenlos und sicher unterwegs zu sein.“

Der Winterdienst kämpfte stundenlang gegen Schnee und Matsch auf den Straßen in Dresden

Der Winterdienst kämpfte stundenlang gegen Schnee und Matsch auf den Straßen in Dresden

Foto: xcitepress/Finn Becker

Winterdienst hat Räum-Prioritäten

Die Stadt Dresden verweist auf BILD-Anfrage auf den Winterdienstgrundplan: „Als Erstes werden die Bundesstraßen, Busstrecken, Gefälleabschnitte sowie Zufahrten zu Krankenhäusern und Feuerwehren betreut“, so Stadtsprecherin Laura Kirsten.

Der Radclub ADFC schreibt den Fahrradfahrern außerdem bei Facebook. „Bei nicht geräumten oder vereisten Radwegen erlischt die Benutzungspflicht und ihr könnt auf die Fahrbahn ausweichen.“