19 Schnellrotierer – und ein neuer Rekord

Das Ergebnis: Die Astronomen konnten für 75 Asteroiden erstmals genauere Rotationsraten bestimmen. Unter diesen entdeckten sie 19 Brocken, deren Rotationstempo über dem Spin-Limit für Hauptgürtelasteroiden liegt: Diese Asteroiden benötigen trotz mehrerer hundert Meter Größe weniger als 2,2 Stunden für eine Umdrehung. Fünf dieser Brocken haben sogar Rotationsperioden von weniger als 13 Minuten, wie Greenstreet und ihr Team berichten.

Der Rekordhalter ist jedoch der rund 710 Meter große Asteroid 2025 MN45. „Mit einer Rotationsperiode von nur 1,9 Minuten ist er der am schnellsten drehende Asteroid dieser Größenklasse“, schreiben die Astronomen. Er gehört er zu den weniger als einem Dutzend bisher bekannten ultraschnell rotierenden Asteroiden im Sonnensystem.

Den Berechnungen der Astronomen zufolge müssen diese Schnellrotierer-Asteroiden enormen Fliehkräften von mehr als zwölf Kilopascal widerstehen können. „Die ultraschnellen Asteroiden MK41 und MN45 müssen sogar Kohäsionskräfte von rund 900 und 9.000 Kilopascal aufweisen, um einer Fragmentation zu entgehen“, erklären Greenstreet und ihre Kollegen. Die Asteroiden können demnach keine „fliegenden Geröllhaufen“ sein, sondern müssen aus massivem Fels bestehen.

Lücke in den Erklärungsmodellen?

Überraschend ist jedoch, dass schon diese erste Messung mit dem Rubin-Observatorium so viele Schnellrotierer aufgespürt hat, so die Astronomen. „Dies legt nahe, dass wir unser Verständnis der Entstehung und Entwicklung von Asteroiden-Rotationen anpassen müssen“, schreiben sie. Denn bisher galten schnelle Eigendrehungen als seltene Ausnahme und als Folge heftiger Zusammenstöße. „Aber Kollisionen sind möglicherweise nicht der einzige Auslöser für solche ultraschnellen Rotationsperioden“, erklärt das Team.

Die Astronomen hoffen, dass weitere Beobachtungen mit dem Rubin-Observatorium mehr Aufschluss darüber geben, warum mehr Asteroiden als erwartet so schnell rotieren. „Wenn wir ab Anfang 2026 mehr Daten von der Langzeit-Durchmusterung mit diesem Teleskop erhalten, erhöht sich auch die Zahl der vermessenen Asteroiden“, so Greenstreet und ihre Kollegen. „Das könnte dabei helfen, weitere Ursache solcher ultraschneller Rotationen zu finden.“ (The Astrophysical Journal Letters, 2026; doi: 10.3847/2041-8213/ae2a30)

Quelle: Vera C. Rubin Observatory , NOIRLab, Association of Universities for Research in Astronomy (AURA)







9. Januar 2026

– Nadja Podbregar