Braunschweig. Aktion für Obdachlose in Braunschweig: „Kältetod verhindern“, heißt die aktuelle Devise der Straßensozialarbeit der Diakonie. Denn Minustemperaturen, Nässe und Windchill können ohne Bewegung und mit Vorerkrankungen aktuell binnen nur weniger Stunden den Tod bedeuten, so Sandra Brünger, Regionalleitung Braunschweig und Wolfsburg von der Diakonie Wohnen und Beraten (DWB) unter Berufung auf Medizinexperten der Straßenambulanzen.
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Zwei Dutzend harte Fälle in Braunschweig
Rund 400 Menschen sind in der Stadt ohne eigene Wohnung. Viele leben in den städtischen Unterkünften und Notschlafstellen. Und verbringen bei den aktuellen Witterungsbedingungen die meiste Zeit im Tagestreff IGLU an. „Unser Tagestreff ist aktuell berstend voll“, so Brünger. Auch übers Wochenende habe er geöffnet.
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Einige Obdachlose aber – Straßensozialarbeiter schätzen die Zahl auf zwei Dutzend – machen regelmäßig „Platte“, wie das Schlafen unter Brücken und in Hauseingängen in der Szene genannt wird. Auch bei den aktuellen Temperaturen. Weil sie psychisch krank und verängstigt sind, die großen Notschlafstellen nicht ertragen, oder weil sie schlicht keine Anbindung ans Hilfesystem gefunden haben. Häufig Menschen mit Suchtverhalten aus Osteuropa.
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„Wir werden versuchen, die härtesten Fälle über das Wochenende in Pensionen unterzubringen, denn auf der Straße droht aktuell der Tod“, sagt Brünger. Das aber gestalte sich nicht einfach. Gegen ihren Willen können Menschen nicht von der Straße geholt werden, zumindest so lange nicht, wie sie nicht andere gefährden und ansprechbar sind. „Wir haben zwei Pensionen angemietet, rund 20 Menschen könnten wir dort unterbringen. Und wir hoffen, dass wir viele von den Menschen überzeugen können.“
Die Stadt selbst hält Noträume „An der Horst“ für obdachlose Männer und in der Bertramstraße für Frauen, Paare und Familien vor. Insgesamt stehen dort 306 Plätze in 243 Wohneinheiten zur Verfügung. Die Auslastung liege bei rund 79 Prozent, so ein Stadtsprecher. Üblicherweise kann man in den Notschlafstellen nur schlafen. Stadtsprecher Adrian Foitzik versichert auf Nachfrage, dass aktuell niemand auch tagsüber abgewiesen werde, wenn er bei den Temperaturen nicht länger draußen sein kann.
Die Braunschweiger Unterkunftsverwaltung ist grundsätzlich 24/7 besetzt. Die Telefonnummer 0531/86 21 24. Über das Funktionspostfach wohnungslos@braunschweig.de ist auch eine anonyme Beratung möglich.