Immer wieder trifft es den Dänen. Im Januar 2024 hatte Wejse sich mit dem Visier die Nasenspitze amputiert, im Dezember 2025 erlitt er einen Kufenschnitt am Ohr. Und nun traf ihn in Überzahl ein von Pinguins-Kapitän Jan Urbas mit 146,3 km/h abgefeuerter Schlagschuss vor dem Tor knapp unterhalb des Auges im Gesicht.
Immerhin: Dieses Mal gab es kein Blut auf dem Eis. Dennoch ging es für den 27-jährigen, knallharten Stürmer direkt in die Kabine und weiter ins Krankenhaus – mit Verdacht auf Jochbeinbruch. „Er wurde geröntgt, das Ergebnis habe ich aber noch nicht bekommen“, erklärte Trainer Alexander Sulzer nach der Partie.
Der Moment, in dem es passierte: Christian Wejse bekam einen Schlagschuss an den Kopf und verletzte sich. Foto: Masorat
Seine Teamkollegen ließen sich jedoch nicht beirren und fuhren auch für ihn mit einem 3:1 (2:0, 1:0, 0:1)-Erfolg den sechsten Sieg in Folge in der Deutschen Eishockey-Liga. „Wir haben die ersten 35 Minuten wirklich sehr gut und kompakt gespielt, schnell nach vorne und haben Druck gemacht. Dann haben wir ein bisschen nach dem Faden verloren. Es wurde im dritten Drittel wieder besser, dennoch haben wir das ein oder andere zugelassen. Da war Leon Hungerecker in den richtigen Momenten mit zwei, drei Schlüsselsaves da. Über das ganze Spiel gesehen bin ich daher sehr zufrieden.“
„Wir haben die ersten 35 Minuten wirklich sehr gut und kompakt gespielt, schnell nach vorne und haben Druck gemacht.“
Alexander Sulzer, Pinguins-Trainer
Das würden wohl auch die Fans unterstreichen. „Eishockey-Fans, Eishockey-Fans, wir sind alle Eishockey-Fans!“ hallte es aus beiden Fan-Lager vor der Partie von der Tribüne. Sie feierten ihre gemeinsame Liebe zum Sport, die dem Wetter trotzt. So kamen trotz der extremen Wetterlage rund 3.500 Fans in die Eisarena – wenngleich 4.764 Zuschauer durchgesagt wurden, da auch die verkauften, aber nicht genutzten Tickets mitgezählt wurden.
Die Pinguins können sich auf ihre Fans verlassen. Zudem konnten die Bremerhavener auch wieder auf ihren zuletzt erkrankten Stürmer Ross Mauermann zurückgreifen, der für Justin Büsing in den vierten Angriff rückte. Ansonsten ließ Trainer Alexander Sulzer die Aufstellung unverändert.
Gudlevskis im Stadion, Bettahar bringt die Pinguins in Führung
Unter den Augen des nach Bremerhaven zurückgekehrten verletzten Keepers Kristers Gudlevskis, der von der Tribüne zuschaute, übernahmen die Pinguins auch direkt das Zepter, erspielten sich mehrere gute Chancen. Da war das 1:0 durch Rayan Bettahar nur eine Frage der Zeit (6.).
Der Verteidiger entwickelt immer mehr einen Torriecher, nachdem er auch am Dienstag beim 3:2-Sieg in Dresden bereits den ersten Treffer des Duells erzielt hatte – ebenfalls in der sechsten Spielminute. „Das waren jeweils einfach gute gute Pässe von den Mitspielen und dann muss ich nur das Tor treffen. Von daher weiß ich nicht, ob es ein Muster wird“, sagte der 21-Jährige schmunzelnd.
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Zwar fanden nun zunächst die Gäste besser in die Begegnung und hatten ihrerseits dann auch durch DEL-Topscorer Evan Barratt eine hochkarätige Gelegenheit, der knapp vorbei zielte (11.).
Eine Traum-Kombination von Torschütze Jan Urbas und Verteidiger Phillip Bruggisser bescherte den Bremerhavener dann aber direkt das 2:0 (15.). Im Anschluss zeichnete sich dann auch einmal mehr das zuletzt überragende Unterzahlspiel aus, ließ die Nürnberger nicht einmal richtig in die Aufstellung kommen.
Abt erhöht auf 3:0 für die Pinguins
In der 25. Minute folgte dann aber der nächste große Schock rund um Christian Wejse. Seine Teamkollegen wirbelten anschließend weiter wie zuvor der Schneesturm draußen und spielten die Nürnberger schwindelig. Diese Druckphase mündete dann auch im 3:0 (34.) durch Matthew Abt.
Die Führung hätte sogar noch höher ausfallen können. Die Pinguins hatten mehr als doppelt so viele Torschüsse wie die Gäste und waren die klar spielbestimmende Mannschaft.
Pinguins-Kapitän Jan Urbas trifft nach starkem Zusammenspiel mit Phillip Bruggisser zum 2:0. Der Puck ist links im Netz zu sehen. Foto: Masorat
Allein das Überzahlspiel klemmte am Freitagabend und im Schlussdrittel scheiterte Colt Conrad bei einem Alleingang (45.). Dennoch ließen die Bremerhavener nichts mehr anbrennen, brachten den Sieg sicher über die Zeit und belohnten die gekommenen Zuschauer mit einem ungefährdeten sechsten Sieg in Serie.
Bitter nur, dass der Erfolg nicht mit einem Shutout garniert wurde. Dieser wurde den Pinguins von den Schiedsrichtern geklaut. Bei gezogenem Torwart trafen die Ice Tigers zum 3:1 (59.). Trotz Videobeweis gaben die Referees den Treffer, obwohl die Scheibe die Linie wohl nicht vollständig überquert hatte. Selbst Nürnbergs Torwart-Trainer Varian Kirst, 2016/17 einst auch Co-Trainer in Bremerhaven, schaute ungläubig bei der Entscheidung und sah kein gültiges Tor.
Die Statistik
Pinguins – Nürnberg 3:0 (2:0, 1:0, 0:1)
Pinguins: Tor: Hungerecker (Hudacek); Abwehr: Eminger, Byström – Bettahar, Abt – Bruggisser, Hirose – Rausch; Angriff: Verlic, Jeglic, Urbas – Conrad, Miele, Krämmer – Roßmy, Friesen, Kinder – Mauermann, Wejse, Herrmann
Nürnberg: Tor: Fitzpatrick (Treutle); Abwehr: Headrick, Karrer – Haiskanen, Akdag – Jakob Weber, Marcus Weber – Alanov; Angriff: Barratt, Dove-McFalls, Murray – Spezia, Meireles, Ustorf – Gerard, Maier, Heigl – Kechter, Bakos, Eham.
Tore: 1:0 (5:28) Bettahar (Kinder, Roßmy), 2:0 (14:03) Urbas (Bruggisser, Hirose), 3:0 (33:49) Abt (Miele, Krämmer), 3:1 (58:33) Murray (Spezia, Maier/bei 6-5).
Strafzeiten: Pinguins: 4 Min. – Nürnberg: 4 Min.
Schiedsrichter: Marc Iwert, Marian Rohatsch.
Zuschauer: 4764.