Newsblog zum Krieg in der Ukraine
Selenskyj: Russland will Städte ausschalten
Aktualisiert am 10.01.2026 – 05:08 UhrLesedauer: 23 Min.
Beschädigtes Wohnhaus in Kiew: „Die städtischen Dienste arbeiten im Notfallmodus.“ (Quelle: Evgeniy Maloletka)
Nach einem Großangriff sind Tausende Wohnhäuser in Kiew unbewohnbar. Selenskyj kritisiert die russische Taktik. Alle Entwicklungen im Newsblog.
Nach massiven russischen Angriffen auf Kiew kommt der UN-Sicherheitsrat am Montag zu einer Dringlichkeitssitzung zur Ukraine zusammen. „Russland hat mit seinen Angriffen auf Zivilisten und zivile Infrastruktur in der Ukraine ein neues erschreckendes Ausmaß an Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit erreicht“, erklärte der ukrainische UN-Botschafter Andrij Jermak am Freitag in einem Schreiben, in dem er um die Einberufung der Sitzung bittet und das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt.
Bei bis zu 17 Grad Frost wird die Lage in Kiew und anderen ukrainischen Städten wegen der Ausfälle von Heizung, Strom und Wasser noch schwieriger. Russland wolle mit schweren Luftangriffen mitten im Winter die großen Städte unbewohnbar machen, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner Videobotschaft.
„Die Russen nutzen das Wetter – die Kältewelle – und versuchen, so viele unserer Energieanlagen wie möglich zu treffen.“ Zuletzt sei die Hauptstadt beschossen worden, davor Dnipro, Saporischschja und Krywyj Rih, wiederum davor Odessa. „Die Haupttaktik Russlands besteht darin, zu versuchen, Städte vollständig auszuschalten.“ Der Präsident verlangte von allen Stadtverwaltungen, vorbereitet zu sein und die Bürger zu schützen.
Großbritannien hat 200 Millionen Pfund (rund 230 Millionen Euro) zur Vorbereitung eines Einsatzes britischer Truppen in der Ukraine im Falle einer Waffenruhe bereitgestellt. Mit dem Geld sollten die britischen Streitkräfte mit neuer Ausrüstung ausgestattet werden, damit sie im Rahmen einer multinationalen Truppe für die Ukraine einsatzbereit seien, erklärte das britische Verteidigungsministerium am Freitag. Dazu gehörten die Aufrüstung von Fahrzeugen, Kommunikationssysteme und Schutz vor Drohnen.
Großbritannien, Frankreich und die Ukraine hatten in dieser Woche eine Absichtserklärung unterzeichnet, die die Entsendung von Truppen auf ukrainischem Territorium nach einer Waffenruhe vorsieht. Die britischen Abgeordneten sollen über die Anzahl der Truppen, die im Falle einer Waffenruhe entsandt würden, noch debattieren und abstimmen.
Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben aus Kiew zwei Frachtschiffe im Schwarzen Meer angegriffen. Ein Schiff sei auf dem Weg zum südukrainischen Hafen Tschornomorsk gewesen, während das andere nahe des Hafens von Odessa getroffen worden sei, erklärte der ukrainische Wiederaufbauminister Oleksij Kuleba am Freitag im Onlinedienst Telegram. Bei dem Angriff sei ein syrisches Besatzungsmitglied getötet worden.
„Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Russland bewusst zivile Objekte, internationale Schifffahrt und Lebensmittellogistik ins Visier nimmt“, fügte Kuleba hinzu. Das eine Schiff sei für eine Getreideladung vorgesehen gewesen, das andere sei beim Transport von Sojabohnen getroffen worden. Russland hatte in den vergangenen Wochen seine Angriffe auf Odessa verstärkt. Die russische Armee nahm insbesondere Einrichtungen der Logistik und der Energieinfrastruktur ins Visier. Zuletzt waren in der Region Odessa auch unter ausländischer Flagge fahrende zivile Schiffe angegriffen worden.
