Es sind die Probleme eines Fußball-Riesen: Bei Dynamo Dresden ist kein Zweitliga-Profi größer, als Vinko Sapina (30). Doch das hat gerade abseits des Platzes nicht nur Vorteile. Im Wintercamp in der Türkei verrät der 1,95-Meter-Hüne, dass seine Körperlänge auch Probleme macht.
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„Kein Bett ist lang genug, meine Füße schauen immer raus. Ich bin aber auch so ein Bauchschläfer, der die Arme geradeaus nach vorne ausstreckt. Ich brauche eigentlich ein 2,40-Meter-Bett oder ich lege mich diagonal hin“, erzählt Sapina. Der Deutsch-Kroate hat sogar ein Einzelzimmer. „Damit ich quer liegen kann“, lacht er.
Aber nicht nur deshalb. „Das habe ich zum ersten Mal. Es hängt damit zusammen, dass ich oft mit meiner Familie einen Videoanruf mache und keinen Kollegen stören will. Weil mein Sohn noch sehr klein ist, mache ich manchmal ein paar wilde Geräusche für ihn. Da will ich nicht, dass jemand drunter leidet.“
Wenn der besonders große Papa am Sonntag nach Hause düst, hat er gleich die nächste organisatorische Hürde. Sapina: „Stefan Kutschke und ich suchen, sobald wir in den Flieger kommen, nach Plätzen an Notausgängen oder in der ersten Reihe. Das hat nichts mit Ego zu tun. Es ist wirklich für uns in den engen Sitzen krass. Wenn man da drei bis vier Stunden reingepresst wird, ist das schon hart.“ Die Beinfreiheit ist auch für die Regeneration nach den Trainingslager-Strapazen sinnvoll.
Bei den Mitspielern wird die Sonderrolle akzeptiert. „Vielleicht kommt mal ein blöder Spruch. Aber wer logisch nachdenkt, zeigt Verständnis“, meint der Kicker.
Auf dem Feld muss Sapina dagegen mittlerweile umso mehr um seine Beinfreiheit kämpfen. Sein Stammplatz bei Dynamo Dresden aus der Aufstiegssaison ging in der Hinserie verloren. Mit dem Tempo in der 2. Liga hatte er teils Schwierigkeiten.

Der Deutsch-Kroate war in der Aufstiegs-Saison gesetzt, muss jetzt um seinen Platz im Team kämpfen
Foto: Olaf Rentsch
„Es war eine ungewohnte Situation für mich, das musste ich akzeptieren. Ich habe eine Erklärung bekommen, was ich bei unserem Trainerteam auch gut finde. Ob man es gleich sieht, ist dann wieder eine andere Sache. Auch da geht es nicht ums Ego. Natürlich war es erstmal anders und komisch für mich, weil ich lange nicht in der Lage war“, gibt der erfahrene Profi, der erstmals im Bundesliga-Unterhaus spielt, Einblicke in seine Gefühlslage.
Zumal sich der Leistungsdruck durch die Wintertransfers verschärft hat. Das nimmt Sapina allerdings locker: „Robert Wagner sehe ich nicht als direkten Konkurrenten. Da muss man schon auch im Mittelfeld-Zentrum unterscheiden. Klar hat jeder seine eigenen Ansprüche, aber ich freue mich über die Neuzugänge. In unserer Situation denkt man wirklich weniger an sich selber, sondern an das große Ganze. Ich hoffe, dass ich helfen kann, den Klassenerhalt zu erreichen. Davon bin ich überzeugt. Trotzdem trifft der Trainer die Entscheidung.“
Samstag gegen Ex-Klub Essen
Doch worin liegt für ihn der Unterschied im Vergleich mit Wagner? „Ich sehe mich als Holding Six. Also jemand, der die Position vor der Abwehrkette selten verlässt und weniger in den gegnerischen Strafraum sprintet. Robert kommt eher über die intensiven Läufe Box-to-Box.“
Dass die vier Neueinkäufe schnell reinfinden, glaubt er schon: „Man wird bei uns keine Masterarbeit brauchen, um etwas zu verstehen.“ Samstag (12 Uhr MEZ, live auf DynamoTV) geht es im zweiten Test zum Abschluss des Wintercamps gegen seinen Ex-Klub Rot-Weiß Essen. Der Drittligist ist dieses Jahr ein heißer Anwärter auf den Aufstieg.
Sapina: „Ich bin mir relativ sicher, dass Essen hochgeht. Ich gönne es ihnen. Im Winter war ich mit zwei aktuellen und zwei ehemaligen Spielern und unseren Frauen drei Tage in Barcelona. Ich bin dort echt im Guten auseinandergegangen.“ Nur die Essen-Fans sahen es damals anders. Aber das ist Schnee von gestern. Eher wird die Beinfreiheit auf dem Platz – und auf dem Rückflug am Sonntag – für Vinko Sapina zum Problem…