• Der 75-jährige Peter Boldt schläft trotz Schneesturm „Elli“ und Kälte freiwillig im Zelt auf dem Bremer Campingplatz Camp 28 und nutzt tagsüber beheizte Gemeinschaftsräume.
  • Die Betreiber und Dauercamper von Camp 28 unterstützen Boldt, indem sie ihn beobachten und ihm Zelt sowie Schlafsack schenken; Probleme gab es zuletzt mit defektem Zelt und Schlafsack.
  • Boldt wünscht sich eine feste Wohnung, kann wegen Schulden und fehlender Kaution nicht umziehen; Austausch mit der Gewoba läuft, doch eine Wohnung wird erst in wenigen Monaten erwartet.

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Schneesturm „Elli“ hatte Bremen am Freitag fest im Griff. Während Schnee und Kälte für viele den Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen beschwerlich oder gar unmöglich gemacht haben, gab es für die meisten Bremer jedoch die Gewissheit, abends in ein warmes Bett steigen zu können. Für Peter Boldt war das anders. Der 75-Jährige hat auch in den vergangenen Nächten ohne Heizung in einem kleinen Zelt auf dem Bremer Campingplatz geschlafen – aus freier Entscheidung.

Das Waschhaus dient zum Aufwärmen

Bereits im Juni hatte der WESER-KURIER über Peter Boldt berichtet, einen älteren Herrn, der inzwischen seit mehreren Jahren minimalistisch auf dem Campingplatz am Unisee lebt, der seit dem Betreiberwechsel Anfang des Jahres Camp 28 heißt. Tagsüber wärmt sich Boldt, der Zeit seines Lebens viel Camping gemacht hat, im Waschhaus auf und bereitet sich warme Speisen zu.

Im Waschhaus des Campingplatzes wärmt sich Peter Boldt tagsüber auf.

Im Waschhaus des Campingplatzes wärmt sich Peter Boldt tagsüber auf.

Foto:
Frank Thomas Koch

Dafür nutzt er die dort vorhandene beheizte Küche. Zudem ist er den Tag über oft im großen Gemeinschaftsraum anzutreffen. Die Campingplatzbetreiber akzeptieren Boldts Entscheidung, auch bei den aktuell kalten Bedingungen im Zelt zu übernachten. Unbeobachtet lassen wollen sie ihn aber nicht. „Wir haben ein Auge auf die Situation“, sagt Christoph Widenhorn von Camp 28.

Unterstützung von anderen Dauercampern

Auch Dauercamper haben Boldt bereits unterstützt. Der Nachbar direkt gegenüber habe ihm vor fünf Tagen sein Dreimannzelt geschenkt, sagt Boldt. An seinem eigenen Zelt, einem grünen Zweimannzelt, hatte er zuvor Probleme mit einem klemmenden Reißverschluss. Beim Versuch, ihn zu öffnen, riss der Stoff, wodurch das Zelt nicht mehr dicht war, wie Boldt erzählt.

Mit seinem Schlafsack gab es zudem erst kürzlich Schwierigkeiten. Das Band vom Kopfteil ist abgerissen, weswegen ihm der Nachbar auch mit einem Schlafsack aushalf, sodass Boldt nun dessen Kapuze nutzen kann. Obwohl sein eigener Schlafsack, der vom Discounter stammt, nur bis minus 5 Grad Celsius freigegeben ist, will Boldt nach eigenen Angaben auch am Wochenende, wenn das Thermometer unter diese Marke sinken soll, darin schlafen.

Die Waschmittelflasche wird zur Pipiflasche

Was die Situation temperaturtechnisch für den Senior erschwert: Da Peter Boldt kaum Beschäftigung hat, geht er bereits um 18 Uhr schlafen, wie er sagt. „Dann ist es dunkel, was soll ich sonst machen?“ Lesen komme für ihn nicht in Frage, das verhindere allein schon sein Grauer Star. Aufgrund der selbst gewählten frühen Ruhezeit verbringt Boldt bis zum morgendlichen Aufstehen gegen 6 Uhr also rund zwölf Stunden in der Kälte im Zelt. „Oben am Schlafsack ist nur ein kleiner Schlitz, um Luft zum Atmen zu bekommen“, beschreibt er seinen eingemummelten Look für die Nacht.

In den Nachtstunden raus muss Boldt indes nicht. Schon im Dezember hatte er seine Lösung für nächtlichen Harndrang erklärt: Eine ausrangierte Flüssigwaschmittelflasche mit großer Öffnung sorgt dafür, dass er nicht zum Waschhaus muss. In dessen geheizten Räumen zu schlafen, kommt für ihn aber nicht in Frage: „Das macht man nicht, dafür hat man beim Camping sein Zelt“.

Eine Wohnung bleibt das Ziel

Im Juni hatte Peter Boldt gesagt, er habe eigentlich keine Lust mehr auf Camping und würde gern in eine feste Wohnung wechseln, gern in Findorff, wo er soziale Kontakte hat. Dieser Wunsch existiert weiterhin. Was dagegen steht: Er habe etwa 1500 Euro Schulden, sagt der 75-Jährige. Eine Kaution für eine Wohnung könne er aktuell nicht bezahlen. Von seiner Rente von 950 Euro könne er auf dem Campingplatz leben und Geld für eine kleine Wohnung und deren Einrichtung ansparen – das war Boldts ursprüngliche Vorstellung. Ein anderer Weg, zu Geld zu kommen, hat nicht geklappt. „Bis zum 31. Dezember habe ich regelmäßig Lotto gespielt.“ Doch der große Gewinn blieb aus.

Sein Zelt musste der Senior am Freitag mehrfach freifegen.

Sein Zelt musste der Senior am Freitag mehrfach freifegen.

Foto:
Frank Thomas Koch

Inzwischen möchte Boldt aber gern möglichst schnell in feste vier Wände umziehen. Wenn er eine Wohnung in Aussicht hat, will er finanzielle Unterstützung beantragen. Mit der Gewoba stehe er für eine neue Bleibe in Kontakt, sagt er. Doch bis er eine Wohnung bekomme, könne es noch ein paar Monate dauern, habe ihm das Unternehmen mitgeteilt.

Einen weiteren Winter will Boldt jedenfalls nicht auf dem Campingplatz verbringen, die Gesundheit macht ihm inzwischen zu schaffen. Anders als noch vor einem halben Jahr, kommt er inzwischen nicht mehr ohne Unterstützung in das Zelt und wieder hinaus. „Um runter auf die Knie zu kommen, muss ich mich auf einem Plastikstuhl abstützen.“ Das Verlassen des Zelts funktioniert in umgekehrter Reihenfolge. Für Boldt steht in puncto Camping inzwischen fest: „Irgendwann ist es genug.“

Wie organisieren ältere und allein lebende Menschen das Leben auf Campingplätzen in Bremen, besonders bei widrigen Wetterlagen und gesundheitlichen Einschränkungen?

Ältere und allein lebende Menschen auf Campingplätzen in Bremen organisieren ihren Alltag, indem sie auf barrierefreie und gepflegte Infrastruktur wie saubere Sanitäranlagen, Wasser- und Stromversorgung sowie möglichst zugängliche Einrichtungen Wert legen, die auch bei gesundheitlichen Einschränkungen nutzbar sind (Artikel 3). Bei widrigen Wetterlagen wird geraten, sich im Vorfeld gut vorzubereiten und erfahrene Camper um Rat zu fragen, wobei Empfehlungen und Unterstützungsangebote von Landesverbänden und Vereinen genutzt werden können (Artikel 3). Gemeinschaft und soziale Kontakte spielen eine wichtige Rolle: Aktivitäten, kleine Treffen und gegenseitige Unterstützung helfen, Isolation und aufkommende Probleme – wie sie etwa durch die Corona-Zeit oder schlechte Witterung entstehen – zu bewältigen (Artikel 1 und 3).

Quellen

Diese Fragen und Antworten wurden mit KI basierend auf unseren Artikeln erstellt.

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