„Egal“ heißt dieses neue pointierte, psychologische Kammerspiel von Marius von Mayenburg, mit dem er versiert, aber zugespitzt die angestrebte Gleichberechtigung aufgeklärter Großstadtmenschen beleuchtet, die sich und ihr Lebensmodell als „Avantgarde“ bezeichnen. „Egal“ – das bedeutet hier so viel wie „gleichwertig“. Ist es wirklich „egal“, ob der Mann das große Geld in der Autobranche verdient, und die Frau im prekären Literaturbetrieb arbeitet und auf die Kinder aufpasst – oder umgekehrt? Und was bedeutet die Umkehrung der traditionellen Verhältnisse nun fürs Lebensglück dieser beiden Menschen, die sich zwar als aufgeklärt empfinden, allerdings auch Prototypen einer narzisstischen, individualisierten Gesellschaft sind, in der keiner für den anderen zurückstecken möchte? Selbst, wenn die patriarchalen Strukturen zumindest in der Ehe aufgelöst werden: Die Probleme bleiben ähnlich.

Mayenburgs Trick besteht darin, die Rollen im Verlauf des Stücks wechseln zu lassen.

Mitten im Spiel ist es plötzlich Erik, der von der Geschäftsreise nach Hause kommt, und Simone, die Übersetzerin, die auf ihn gewartet hat. Rollenwechsel folgt auf Rollenwechsel. Sie führen die traditionelle Rollenverteilung vor und ziehen geschickt eine Reflexionsebene ein. Über diese Traditionsfolie wird deutlich: Dieselben Worte, gesprochen vom Mann, dem Großverdiener, schmecken nach Machtgebaren, nach dominantem, altbekanntem Männer-Klischee. Doch nur, weil die Worte, gesprochen von einer Frau, anders klingen, sind die Probleme längst nicht gelöst.

Die Krise des Paares liegt in seinen Ansprüchen, alles besser machen zu wollen. Und im Gesellschaftsproblem, Kinder haben und sich gleichzeitig beruflich verwirklichen zu wollen. Simone und Erik – das sind frustrierte Menschen mit angeknackstem Ego. Sie geben sich redlich Mühe, doch die Kluft zwischen Ansprüchen und Realität ist schier unüberwindbar.