Der Winterrundgang in den Galerien der Leipziger Spinnerei ist längst nicht so groß wie die traditionellen Rundgänge im Frühjahr und Herbst, doch in den vergangenen Jahren hat er beständig kunstinteressierte Besucherinnen und Besucher in den Leipziger Westen gelockt.

In diesem Jahr wird sogar schon das 20. Jubiläum des Events gefeiert. Das Publikum kann sich am Samstag auf die Eröffnung von 15 Einzelschauen und drei Gruppenausstellungen freuen.

In der Galerie Eigen+Art ist unter dem Titel „Aligned Mirrors“, also „Ausgerichtete Spiegel“, nun die erste Einzelausstellung von Stefan Guggisberg, Meisterschüler von Neo Rauch, zu sehen. In der Galerie empfangen das Publikum dystopische Atmosphären: Vier Gemälde, großformatige Papierarbeiten, offenbaren surreale Landschaften. Tropfen und Schlieren durchziehen die Bilder, dunkle Felsgebilde erscheinen verfremdet. Korallen und Schwämme zeigen sich in Gewässern als amorphe Gebilde. Auch Chemie schien sie geformt zu haben. Reflexe laden die Szene zusätzlich auf. Die fluoreszierende Farbigkeit der Bilder zieht die Blicke auf sich.

Dresdner Künstlerin in Galerie Kleindienst

Die Galerie Kleindienst stellt ab Samstag die Malerin Henriette Grahnert aus. Ihre Bilder verbreiten oft spielerisch Frohsinn: Abstrahierte Elemente, Probestriche, Farb-und Mustertests, Kleckse formen Figuren zu Collagen – in, auf den ersten Blick, harmlosen Interieurs. Es sind Innenansichten, die bei längerem Betrachten Humor und Ironie freisetzen.

So klärt etwa das Gemälde „Sybille und Horst“ eine Paarbeziehung zwischen zwei Stühlen, wie Henriette Grahnert erklärt: „Ich versuche, diesen Gegenständen ein Wesen einzuhauchen, eine Seele. Und hier ist es dünnes Gestänge, es könnte eine Art Spaghetti-Stuhl sein, der ein bisschen in die Jahre gekommen ist, mit seinen Beinen auf einem Holzstuhl kitzelt – und der Holzstuhl hat einen Schatten. Der Metallstuhl nicht.“

Ein Grund zum Feiern: 20 Jahre Winter-Spinnereirundgang in Leipzig

Die Galerie Jochen Hempel wiederum setzt dieses Jahr auf internationale Positionen. Präsentiert werden Malereien der in Chile lebenden Künstlerin Dominique Bradbury sowie Installationen der finnischen Konzeptkünstlerin Elsa Salonen. Leben und Tod sind ihre Themen, Lebenskraft und Vergänglichkeit. In einem alchemistischen Verfahren extrahiert Elsa Salonen etwa Farben aus Blüten und stellt deren Energie in Konzentraten neben den immer noch schönen, aber leblosen, Pflanzenkörpern aus.

Alle Galerien haben sich dieses Jahr ein bisschen mehr Mühe gegeben.

Jochen Hempel, Galerist

Der diesjährige Winterrundgang sei ein besonderer, betont Galerist Jochen Hempel: „Zum einen ist es der 20. Winterrundgang, den wir feiern. Alle Galerien haben sich dieses Jahr ein bisschen mehr Mühe gegeben – ein bisschen mehr Konfetti, ein bisschen mehr Lametta.“ Für ihn sei der gute Mix zwischen dem Nationalen und dem Internationalen das, was die Spinnerei in Leipzig ausmache.

Kunst, die an Caspar David Friedrich erinnert

Die Galerie Reiter präsentiert indessen Bilder des in Dresden studierten Malers Clemens Tremmel, dessen Gemälde in Öl, auf Aluminium oder Messing, auch im Großformat motivische sowie ideelle Bezüge zur romantischen Malerei Caspar David Friedrichs aufweisen. Still stehen die Berge, feinziseliert, pastos und schön. Doch dort, wo es heftig pittoresk zu werden droht, gibt es auch mal Löcher im Bild – oder Kuben, die sich dreidimensional herausschieben.

Clemens Tremmel betont: „Landschaftsmalerei kann schnell in Kitsch abrutschen und ich bin dann irgendwann bei unterschiedlichen Metallplatten gelandet.“ So habe er viel mehr Möglichkeiten, Farbe wieder wegzunehmen oder auch im Nachhinein in das Metall zu kratzen, Arbeiten zu zerstören bzw. zu erweiteren und Flächen auch mal freizulassen.

In die Ausstellungsräume der Halle 14 locken am Samstag Experimente wie Klanginstallationen und ein Angebot für Kinder und Familien. Und es gibt Zuwachs auf dem Spinnerei-Gelände: Zum Winterrundgang öffnet die Galerie Kämper erstmals ihre Türen und startet mit einer Ausstellung der Leipziger Malerin Lena Stühmeier.