Rechtsextreme Gewalt

Zehn Jahre nach Überfall auf Connewitz: Demo soll sich auf „Spurensuche“ begeben

Am Sonntag jährt sich zum zehnten Mal der Überfall von Rechtsextremen auf den Leipziger Stadtteil Connewitz. Initiativen kritisieren eine mangelhafte Aufarbeitung und wollen am Montag im Stadtteil demonstrieren.

Leipzig. Zehn Jahre nach dem rechtsextremen Überfall am Abend des 11. Januar 2016 auf den Leipziger Stadtteil Connewitz ist die juristische Aufarbeitung der Vorfälle weitgehend abgeschlossen. Nach der Festnahme von mehr als 200 Beteiligten am Tatort in der Wolfgang-Heinze-Straße gab es einige Haftstrafen. Die meisten Personen erhielten Bewährungsstrafen und mildere Urteile. Dies kritisieren mehrere Initiativen aus dem Stadtteil und rufen am kommenden Montag (12. Januar) zu einer Demonstration auf.

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„Weder wurden die Drahtzieher und Hintergründe des geplanten und koordinierten Angriffs ermittelt, noch gab es ernst zu nehmende Konsequenzen für die Beteiligten“, erklärte Linken-Politikerin Juliane Nagel, die zu den Organisatoren gehört. Darüber hinaus ist unter anderem auch der Connewitzer Sportverein Roter Stern Leipzig an den Vorbereitungen beteiligt.

Auf einer Veranstaltung am Sonntag im UT Connewitz wollen die Initiativen ab 19 Uhr mit Interessierten diskutieren. Am Montag soll es dann ebenfalls ab 19 Uhr zu einer „Spurensuche“ auf die Wolfgang-Heinze-Straße gehen. Laut Stadtverwaltung wurde die Demo mit 300 Personen angemeldet.

Rechtsextreme Schläger zogen durch Leipziger Süden

Am 11. Januar 2016 hatten 200 bis 300 Neonazis und rechte Hooligans im linksalternativ geprägten Stadtteil Connewitz randaliert. Parallel zu einem islamfeindlichen Legida-Protest griffen die schwarzvermummten Schläger Menschen in der Wolfgang-Heinze-Straße an, zerstörten 19 Autos und mehr als 20 Geschäfte. Der Schaden wurde damals auf rund 113.000 Euro beziffert.

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Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sprach in der Folge von „Straßenterror“. Nach Ansicht des Historikers Sascha Lange handelte es sich um den „massivsten Überfall von Rechtsradikalen auf Geschäfte und Wohnhäuser in Leipzig seit dem Novemberpogrom 1938“. Am Tag nach dem Angriff demonstrierten in Leipzig 2000 Menschen gegen rechte Gewalt.

LVZ