Zunächst ist es, als würde man unter einem Blätterdach liegen: den Kopf in den Nacken gelegt, die Augen nach oben gerichtet. Doch die Besucherinnen und Besucher in der Johanneskirche liegen nicht auf einer Wiese unter Bäumen und schauen nicht gen Himmel, sondern an die Decke der Kirche. Dort lässt ein buntes Farbspiel im Einklang mit der Musik von Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ die Zeit für einen Moment stillstehen und den Geist in eine magische, musikalische Welt eintauchen.

Vivaldi macht die Natur mit seiner Komposition hörbar. Aus allen Ecken der Düsseldorfer Johanneskirche hallen die Töne. Gleichzeitig entsteht eine Symbiose aus Farbmustern und dem Takt, passend zum Rhythmus und den Klängen. „Einlightenment“ heißt diese immersive Show, die das Schweizer Künstlerkollektiv Projektil entwickelt hat. „Es geht um Zeit, um Wandel und um das bewusste Erleben von Übergängen“, sagt der Creative Director von Projektil, Roman Beranek. Mit „Enlightenment“ zeigt das Künstlerkollektiv eine Hommage an den Kreislauf des Lebens, dramaturgisch erzählt in sechs Akten, die aber keiner linearen Erzählung folgen. Vivaldis zeitloses und bildhaftes Werk der „Vier Jahreszeiten“ sei die Inspiration dieser modernen audiovisuellen Meditation gewesen, sagt Beranek. „Eine musikalische Dramaturgie, die Bewegung, Ruhe, Spannung und Wiederkehr in sich trägt. Die Musik ist rhythmisch, emotional und sehr körperlich.“

Alles beginnt mit dem Frühling und seinen leichten, fröhlichen und spielerischen Klängen. Es ist die Phase des Erwachsens, des Aufblühens. Begleitet wird der Frühling mit Farben wie Rosa, Lila, Grün und Blau – das Gebäude wirkt wie eine Blumenwiese, im Hintergrund: Vogelgezwitscher.

Dann bahnt sich der Sommer an – und er ist mächtig. Kraftvoll und fast schon einschüchternd wirkt die Kulisse. Grelles Gelb, Orange- und Rottöne definieren die Jahreszeit, die Sonnenstrahlen, die Hitze – ehe das Wetter plötzlich umschlägt, Wolken sich im Kirchengewölbe aufbauen und ein Gewitter aufzieht, Blitze zischen über die Wände.

Doch mit dem Herbst wird es wieder spielerischer, lebendiger. Der Schock des Sommers verfliegt, saftiges Dunkelrot, Orange und Grün prägen die goldene Jahreszeit. Kurz darauf naht der Winter, und klirrende Kälte macht sich im Raum breit, eisig ist alles in Blau und Weiß gehüllt. Es ist frostig unter den entstehenden Schneeflocken und Eiskristallen, Glas scheint zu klirren.

Die finalen zwei Akte zeigen zunächst Ungewissheit, es herrscht ein Durcheinander, Muster irren herum, bevor sie im letzten Akt zusammenzufinden und harmonischer werden: die Erleuchtung. Es wird ruhig. Und schon bald kann der Kreislauf von Neuem beginnen – und es wird wieder Frühling.

Info Die Show läuft bis zum 25. Februar über mehrere Wochen, Vorstellungen finden an ausgewählten Abenden statt. Tickets gibt es auf der Website des Veranstalters, sie kosten 14,90 für Erwachsene, Kinder zahlen 6,90 Euro.