Demonstranten in Minneapolis halten Schilder gegen die US-Einwanderungsbehörde ICE in die Höhe

Stand: 10.01.2026 10:29 Uhr

Seit den tödlichen Schüssen der ICE-Agenten auf die 37-jährige Renee Nicole Good steht Minneapolis unter Schock. Neben der Trauer wächst auch die Wut auf die US-Einwanderungsbehörde.


Sarah Schmidt

Sie wollen nicht alleine trauern. Immer wieder stimmen Menschen an der Gedenkstätte für Renee Nicole Good spontan Lieder an. „Dieses Land ist gemacht für uns alle“, singen sie. Zu ihren Füßen liegen Blumensträuße, brennende Kerzen.

Auf dieser Straße in einem Wohngebiet in Minneapolis erschoss ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE die 37-Jährige in ihrem Auto. „Wir sind wütend, wir haben Angst, wir sind verwirrt und traurig“, so beschreibt Anwohnerin Holly Marshall die Gefühle der Menschen hier.

Pfefferspray gegen Demonstrierende

Wut herrscht auf die Razzien der US-Einwanderungsbehörde. Die hat ihren Sitz in einem beige-braunen, mehrstöckigen Gebäude, etwa 15 Minuten Fahrzeit entfernt. Hier ist die Stimmung aufgeheizter. Vor dem großen Parkplatz stehen keine 100 Demonstrierende Bundesbeamten des Heimatschutzministeriums gegenüber.

Die Einsatzkräfte sind bewaffnet und mit Masken vermummt. Mit Plakaten und Megafonen fordern die Demonstrierenden sie auf, aus der Stadt zu verschwinden. Mehrfach haben die Einsatzkräfte hier in den vergangenen Tagen Pfefferspray gegen Demonstrierende eingesetzt.

„Was passiert, ist falsch“

Schnell breitet sich der Reizstoff aus und sorgt für Brennen in Augen, Mund und Hals. So auch bei Kelly Greg, der in der Notaufnahme arbeitet. Vor ihm liegt eine Zwölf-Stunden-Schicht. Trotzdem ist er gekommen, um zu demonstrieren. „Es wäre falsch, wenn ich nichts täte. Ich will keine Gewalt anzetteln. Ich bin hier, um zu sagen, was passiert, ist falsch.“

Vor 40 Jahren war er Elitesoldat – ein Navy Seal. Heute hat er extra seine Militärjacke angezogen. „Wissen Sie, ich wünschte, ich müsste nicht hier sein“, sagt er. Jetzt habe er aber das Gefühl, keine Wahl zu haben. „Ich habe diese Jacke getragen, um die Demokratie zu verteidigen. Nun, jetzt ist es wieder an der Zeit.“

Erinnerungen an die George-Floyd-Proteste

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Gewaltverbrechen Minneapolis in die internationalen Schlagzeilen bringt. Keine fünf Fahrminuten von dem Ort, an dem Renee Nicole Good am Mittwoch erschossen wurde, starb George Floyd durch brutale Polizeigewalt. Ein weißer Polizist hatte sein Knie minutenlang auf Floyds Hals gepresst.

Die 20-jährige Ashlyn Petty wühlt das bis heute auf: „Wir haben hier in den letzten Jahren viel durchgemacht. Es ist wichtig, dass wir füreinander da sind.“ Damals kam es zu Plünderungen und Ausschreitungen. Jetzt sind die Demonstrationen weitgehend friedlich und viel kleiner – kein Vergleich zu den damals weltweiten Protesten.

Ashlyn Petty hofft auf mehr friedlichen Widerstand: „Seit der Amtseinführung fällt diese Regierung katastrophale Entscheidungen, begeht kontinuierlich schreckliche Taten. Und ich glaube, die Menschen haben genug davon.“ Sie will weiterkämpfen. In den kommenden Tagen soll es weitere Demonstrationen geben.