Die Datierung des Schotters in den Talräumen von Flüssen könne auch andernorts falsch sein. „Die meisten Flüsse sind von eiszeitlichen, kiesigen Sedimentterrassen flankiert. Diese gelten allerdings meist als hochwasserfrei“, so der Geograph. „An der Ahr lag man hier in der Interpretation während der geologischen Kartierung – welche zeitlich weit vor der Flut 2021 stattfand – teilweise nicht richtig.“ Es könne gut sein, dass die Sedimente auch in anderen Talräumen in Mittelgebirgen falsch eingeordnet wurden. „Das ist aber für die Abschätzung des Hochwasserrisikos durchaus wichtig, wie man jetzt an der Ahr sieht“, schließt Zielhofer.

Gefahrenanalysen möglicherweise auch andernorts ungenau

Der Klimawandel werde das Risiko extremer Hochwasserereignisse in Mitteleuropa weiter erhöhen, so die Autoren der Studie. „Daher kann die Verteilung von Ablagerungen aus Starkregenereignissen in den Auen von Mittelgebirgen wichtige Hinweise auf die zeitliche und räumliche Verteilung extremer hydrologischer Ereignisse in der Vergangenheit und darüber hinaus liefern“, heißt es abschließend in der Untersuchung.

Die Forscher mahnen auch andere Regionen, ihre Hochwassergeschichte weit über die letzten 100 Jahre hinaus zu untersuchen, um nicht von Ereignissen überrascht zu werden, die geologisch gesehen „die Regel und nicht die Ausnahme“ sind. Für viele Mittelgebirgsflüsse, etwa die Mulde, fehlten bisher robuste Daten zu solchen Extremereignissen, da keine langen Zeitreihen auf Basis vergleichbarer Untersuchungen erstellt worden seien.