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Der Gitarrist wurde aus seiner eigenen Band gedrängt. Nun verarbeitet er die Enttäuschungen in einem Buch über die „geklaute Band“.
Rödermark – Leonore Tamara Danz, 1996 im Alter von 43 Jahren gestorben, war eine der bekanntesten Rocksängerinnen der DDR und erlangte auch international Aufmerksamkeit. Für seine 1978 in Ost-Berlin gegründete Band „Silly“ entdeckte Danz Thomas Fritzsching. Der am 7. Januar 1949 in Leipzig geborene Gitarrist war bis 1994 Leader der Formation, die zu den erfolgreichsten Rockbands des Ostens zählt.
Mit Danz als Sängerin entwickelte sich Silly in den 1980er-Jahren zu einer festen Größe der DDR-Rockszene. Gleichzeitig verschoben sich innerhalb der Band die Kräfteverhältnisse. Fritzsching wurde zunehmend an den Rand gedrängt und musste schließlich vor 32 Jahren seine eigene Band verlassen. Einen der Hauptgründe bringt „City“-Sänger Toni Krahl, seit 2023 Frontmann bei „Silly“, so auf den Punkt: „Nach ihrem Einstieg bei ‚Silly‘ übernahm Tamara mehr und mehr die Band.“ Es kam zu Auseinandersetzungen, Streitigkeiten und mehreren Umbesetzungen.
„Silly“-Gründer lebt inzwischen in Hessen
Gitarrist und „Silly“-Gründer Thomas Fritzsching lebt seit 13 Jahren in Rödermark. © Manfred Meyer
Seit 13 Jahren lebt Fritzsching in Rödermark, wohin es ihn der Liebe wegen verschlug: Er lernte eine Ober-Röderin kennen, mit der er heute dort lebt. Lokal tritt er immer wieder in Erscheinung, etwa 2022 bei einer Mahnwache gegen den Ukraine-Krieg vor der Kulturhalle in Ober-Roden, bei der sein 1983 mit Silly entstandenes Lied „Ein Lied für die Menschen“ gespielt wurde.
Alben, Zensur, Neuanfänge
Die Band wurde zunächst unter dem Namen „Familie Silly“ gegründet, da englische Bandnamen in der DDR-Kultur nicht vorgesehen waren. Früh wurde die Gruppe mit Songs wie „Der letzte Kunde“, „Die wilde Mathilde“ und „Mont Klamott“ bekannt. Wie viele Rockbands in der DDR unterlag auch Silly staatlicher Kontrolle durch Einstufungen, Textprüfungen und Auftrittsgenehmigungen. Das 1985 fertiggestellte Album „Zwischen unbefahrenen Gleisen“ erschien nach Beanstandungen nur in veränderter Form als „Liebeswalzer“. Alben wie „Mont Klamott“ (1983), „Liebeswalzer“ und „Bataillon d’Amour“ (1986) zählen zu den prägenden Veröffentlichungen der Band in den 1980er-Jahren. Nach dem Tod der Sängerin Tamara Danz 1996 setzte Silly ihre Arbeit mit wechselnden Frontpersonen fort: Sängerin Anna Loos, die 2025 verstorbene Rosenstolz-Sängerin Andrea Neuenhofen alias „AnNa R.“ sowie zeitweise der frühere City-Frontmann Toni Krahl. Derzeit ist die Band mit elektroakustischen Programmen und Frontfrau Julia Neigel auf Tour und steuert auf ihr 50-jähriges Bestehen zu.
Das Gefühl, gemobbt worden zu sein und sich nicht gewehrt zu haben, Selbstzweifel und Depressionen, die ihn über mehrere Jahre quälten, sowie der, wie er sagt, „respektlose Umgang mit mir, der selbst bis heute anhält“, ließen in ihm den Wunsch reifen, ein Buch über seine „Silly“-Jahre zu schreiben. Über sein „Baby und Lebenswerk“.
Nach vier Jahren Schreiben veröffentlichte Fritzsching kürzlich sein Buch
Angekündigt hatte er das Buch bereits 2021 als Zuhörer am Rande eines Konzerts im Dinjerhof in Ober-Roden gegenüber unserer Zeitung. Bücherschreiben kann mühselig sein und dauern. Vier Jahre später ist das Werk nun erschienen: 300 Seiten stark, veröffentlicht beim Berliner Musikverlag „Buschfunk“. Bei dem Verlag mit angeschlossenem Independent-Label publizierten einst auch der frühere Nieder-Röder Rio Reiser und seine Band „Ton Steine Scherben“.
Fritzschings Buch „Silly – die geklaute Band“ (Hardcover, 25 Euro) wird vom Verlag als „die wahre Geschichte der Band Silly“ angekündigt. Buschfunk schreibt dazu: „Manches benennt er schonungslos offen, manches zurückgenommen, feinfühlig, sensibel. Die Enttäuschungen sitzen tief. Thomas Fritzsching hat es sich von der Seele geschrieben. Er erzählt seine Geschichte – ohne Groll.“