Halle. Nach fünf Tagen ohne Strom gingen im Berliner Südwesten am Mittwochmittag so langsam wieder Lichter, Heizungen und Elektrogeräte an. Der längste Stromausfall seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs neigte sich etwa 100 Stunden nach dem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke in Lichterfelde dem Ende entgegen. Eine Belastungsprobe für alle Bürgerinnen und Bürger vor Ort, aber für einige Menschen ging es dabei auch um Leben und Tod.

In dem betroffenen Bereich befinden sich auch fünf Kliniken, die auf solche Situationen vorbereitet sind, zumal es Menschen gibt, die beispielsweise an Beatmungsgeräten angeschlossen sind. Wie aber sehe die Lage in Halle aus, wenn sich ein derartiges Ereignis, das bis dato kaum jemand für möglich gehalten hätte, auch mal in der Lindenstadt ereignen würde? Wie würde der Notfallplan im Haller Klinikum aussehen?

„Wir unterscheiden am Klinikum Halle zwischen dem Stromnetz der Allgemeinversorgung (AV-Netz) und der Sicherheitsversorgung (SV-Netz). Im Normalbetrieb wird das Krankenhaus über das öffentliche Stromnetz versorgt (AV). Alle Bereiche und Geräte sind uneingeschränkt in Betrieb“, erklärt Pressesprecherin Marlene Bauhahn.

Notstromaggregat kann mindestens 72 Stunden überbrücken


Im Altenzentrum Eggeblick wäre man vorbereitet. - © Max Maschmann

Im Altenzentrum Eggeblick wäre man vorbereitet.
| © Max Maschmann

„Im Falle eines Netzausfalls versorgt eine Batterieanlage sowie ein dieselbetriebenes Notstromaggregat praktisch unterbrechungsfrei besonders kritische Systeme wie die OPs, die Intensivstation, das IT- und Kommunikationssystem oder auch die Notbeleuchtungen. Das Notstromaggregat versorgt dauerhaft ausschließlich sicherheitsrelevante Verbraucher und priorisierte Bereiche und ist für einen Betrieb von mindestens 72 Stunden ausgelegt“, teilt Bauhahn mit. Typische sicherheitsrelevante Bereiche seien zum Beispiel Intensivstationen, Operationssäle und die Notaufnahme.

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Etwas anders ist die Lage in Seniorenheimen. „Im Gegensatz zu Krankenhäusern ist in Pflegeeinrichtungen eine Notstromversorgung nicht gesetzlich vorgeschrieben“, sagt Sven Leichner, Stabsabteilungsleiter der Abteilung Altenhilfe im Ev. Johanneswerk, zu dem auch das Altenzentrum Eggeblick in Halle gehört. Man habe aber auch gegenüber Krankenhäusern den Vorteil, dass die Bewohner nicht an lebensnotwendigen Maschinen angeschlossen sind.

Dennoch sei man natürlich vorbereitet, sofern es zu einem Szenario ähnlich dem in Berlin kommen würde. „Wir haben kleine Notstromaggregate, um bis zu 24 Stunden lang Dinge wie die Notstrombeleuchtung, Brandmeldeanlagen oder auch zwei bis drei Computer im Haus am Laufen zu halten.“ Dies sei wichtig, um im Notfall auch auf Dokumentationen, wie etwa Medikamentenpläne, zugreifen zu können.

Im Eggeblick könnte die Küche zehn Tage lang weiterlaufen

„Zudem haben wir stets so viel Essensvorräte im Haus, um mindestens zehn Tage lang autark zu sein“, erklärt Leichner. Zudem habe man den Vorteil, sich in einem Netz aus 38 Einrichtungen zu befinden. Da könne man sich schnell gegenseitig helfen und notfalls auch Bewohner vorübergehend in andere Einrichtung verlegen, so wie es auch während der Corona-Pandemie praktiziert wurde.

„Wir würden das geregelt kriegen“, ist sich Leichner sicher. Gleichwohl gesteht er ein, dass er solche Ausmaße in Berlin bis dahin nicht für möglich gehalten hätte. „Gerade in so einer Millionenstadt hätte ich nicht gedacht, dass der Strom über Tage hinweg ausfallen könnte“, sagt der Johanniswerk-Mitarbeiter.

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Ebenfalls im Fokus standen in Berlin 17 Schulen, die im betroffenen Gebiet liegen. Sie blieben in dieser Woche noch geschlossen. Ob diese auch in Halle notwendig wäre, ist unklar. Die Stadt erwiderte auf eine Anfrage des „Haller Kreisblatts“ nach dem Vorhandensein von Notstromaggregaten in öffentlichen Einrichtungen, dass man diese nicht genau preisgeben möchte. Nur so viel verrät Fachbereichsleiter Alexander Löhner: „Für das Szenario Energiemangellage ist die Stadt Halle sehr gut aufgestellt und flächendeckend hinsichtlich der städtischen Gebäude mit Netzersatzanlagen versorgt.“

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