
Sieht das nach Schmuddellektüre aus? Bild: imago images / imagebroker
USA
Konservative wollen den Lehrplan von US-Universitäten frei von Ausführungen über Geschlecht und „Rasse“ machen. Dafür werden selbst klassische Autor:innen verbannt.
10.01.2026, 16:0510.01.2026, 16:05

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Menschen, die zur Uni gegangen sind, zitieren gerne andere schlaue Menschen. Vor allem unter Alumni der Geisteswissenschaften vergeht somit kaum eine Kneipenrunde ohne ein Gespräch über Sokrates, Marx oder Bell Hooks.
Was aber, wenn man von diesen Menschen noch nie etwas gehört hat, obwohl man studiert hat? Dieses Schicksal könnte so manchen US-Student:innen nun tatsächlich drohen. Das hängt aber nicht mit ihrem schlechten Gedächtnis zusammen, sondern mit dem Lehrplan.
USA: Philosophie-Lehrplan wird geändert
Wie mehrere US-Medien berichten, musste Martin Peterson, Philosophieprofessor an der Texas A&M University, den Lektüreplan in seinem Seminar ändern. Die Fachbereichsleitung hatte ihn dazu aufgefordert, bestimmte Werke aus dem Kurs „Contemporary Moral Issues“ zu streichen. Mit dabei war demnach auch Platons „Symposion“.
In dem Klassiker aus dem vierten Jahrhundert vor Christus lässt der Autor verschiedene Persönlichkeiten über den Sinn der Liebe philosophieren. Der bekannteste Teil des Werks ist der Mythos der Kugelmenschen, laut dem Menschen seit einer vermeintlichen Teilung nach ihrer „anderen Hälfte“ und deshalb nach Liebe suchen.
Laut offiziellen Vorgaben der Universität müssen alle Lehrveranstaltungen, die Themen wie Rasse, Geschlecht, sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität behandeln, vorab genehmigt werden. Die zuständige Verwaltung hatte bei der entsprechenden Prüfung Teile vom „Symposion“ gestrichen.
Zensur an US-Universitäten nimmt zu
„Ein Philosophieprofessor, dem es verboten ist, Platon zu unterrichten? Was ist das für eine Universität?“, ärgerte sich Peterson im Gespräch mit der „New York Times“. Er selbst arbeitet seit 2014 an der Texas A&M University. Die Verwaltung argumentiert unterdessen, dass in anderen Kursen sehr wohl auf Platon eingegangen würde – nur eben abseits der Themen Rasse, Geschlecht und sexuelle Orientierung.
Dr. Peterson stellte man wiederum vor die Wahl, den Kurs abzuändern oder ein komplett anderes Fach für dieses Semester zugewiesen zu bekommen. Widerwillig passte er bestimmte Kursinhalte an.
Seine Haltung bleibt hingegen unverändert. „Wir können nicht nur eine Perspektive im Hörsaal zulassen, dann gibt es nichts zu diskutieren und nichts zu lernen. Das ist Indoktrinierung. Das ist Bildung nach sowjetischem Vorbild“, erklärte er.
Immer wieder wurden in den vergangenen Monaten Vorfälle öffentlich, in denen Universitätslehrkräfte zur Entfernung bestimmter Kursinhalte gezwungen wurden. Hintergrund ist die Argumentation der konservativen US-Regierung, dass der „klassischen Bildung“ mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.
Dafür erwirkte Präsident Donald Trump neben Vorgaben für die Lehrpläne auch finanzielle Streichungen für zahlreiche Universitäten.
Vonseiten zahlreicher Einrichtungen gab es daraufhin viel Kritik, in einem öffentlichen Brief hatten im April mehr als 100 Hochschulen ihre fehlende Unabhängigkeit beklagt. Dennoch sind es am Ende die Studierenden, die von den direkten Konsequenzen betroffen sind.