
AUDIO: CDU-Landeschef Peters tritt als Spitzenkandidat an (4 Min)
Stand: 10.01.2026 16:59 Uhr
Der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Daniel Peters, hat für seine Partei einen Führungsanspruch angemeldet. Peters sagte auf einem Parteitag in Rostock, die Landes-CDU stehe für einen Politikwechsel im Land.
Der Satz stand genau so in seinem Redemanuskript und war kein Ausrutscher: „Ich will Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern werden.“ Mit dieser Aussage beendete Daniel Peters seinen Parteitagsauftritt vor den 150 Delegierten im Saal 2 der Rostocker Stadthalle. Die spendeten danach genau 107 Sekunden begeisterten Applaus. Es war ein Beifall, der klarmachte: Für den Rostocker Peters, der Partei und Fraktion seit April 2024 führt, wird es ein parteiinternes Heimspiel. Am Ende stimmten 142 von 146 Delegierten für den 44-Jährigen. Der Spitzenkandidat freute sich gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor und Generalsekretärin Katy Hoffmeister an seiner Seite über 97,3 Prozent.
Attacken gegen „Linkskoalition“
Den Rückhalt in seinem Landesverband hat Peters also. In den Umfragen allerdings lag die CDU zuletzt deutlich hinter der AfD und auch der regierenden SPD abgeschlagen auf Platz drei, mit gerade einmal 13 Prozent. Peters müsste also eine kräftige Aufholjagd hinlegen, um als Chef in die Staatskanzlei einzuziehen. Und er braucht Partner. In Rostock teilte er allerdings aus – gegen die AfD und die SPD-geführte Landesregierung. Rot-rot verwalte das Land nur, gestalte aber nicht. Statt eines politischen Programms bleibe der „Linkskoalition“, wie Peters das Bündnis immer wieder nennt, nur die Warnung vor der AfD. Nötig sei aber keine Angstverwaltung, sondern die Lösung von Problemen.

Bei einem sogenannten Basislager in Güstrow rief sie dazu auf, geschlossen und selbstbewusst in die kommenden Monate zu gehen.
Keine Koalition mit der AfD
Peters grenzte sich auch klar von der in Teilen rechtsextremen AfD ab. Die fordere mal eine Abschaffung des Sozialstaats und dann wieder einen „Vollkaskoversorgungsstaat“. Mal zeige sie sich als Verfechter einer starken Bundeswehr, mal sei sie gegen die Wehrpflicht. Außerdem pendele sie zwischen freiem Unternehmertum und Staatswirtschaft. „Mit solchen Leuten kann man kein Land regieren“, schlussfolgerte Peters. Er nannte die AfD eine Chaos-Truppe. Mit ihr könne es keine Koalition geben. Auch einer Zusammenarbeit mit der Linken, die sich weiter radikalisiere, erteile Peters eine Absage.
Hoffmeister lobt Mitglieder
Wie Peters parlamentarische Mehrheiten organisieren will angesichts des Durcheinanders bei den Grünen, der kriselnden FPD und der Schwäche des BSW, blieb in Rostock offen. Die Union setzt auf eigene Stärke und sprach sich in Rostock viel Mut zu, als beispielsweise Generalsekretärin Hoffmeister das Engagement der Mitglieder pries. Ihr Vorgänger im Parteiamt, Philipp Amthor, heftete seiner Partei gleich drei Eigenschaften an: bürgerlich, konservativ und liberal. Der Staatssekretär im Digitalministerium in Berlin erklärte seine Partei damit en passant zur Nachlassverwalterin der FDP.

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Amthor sieht CDU in der Mitte
Die CDU, so Amthor, gehöre in die Mitte zwischen den Schlechtrednern der AfD und der Schönfärberei der SPD. Ähnlich hatte es auch Peters formuliert. Der hatte ein besonderes Lob für Amthor parat. Amthor sei einfach unglaublich bekannt – „insbesondere bei Frauen, die mit dir ein Selfie machen wollen, da muss ich ehrlich sagen: Respekt, lieber Philipp“. Dass Peters sich etwas ungeduldig mit den Fortschritten der schwarz-roten Koalition in Berlin zeigte, fiel dabei kaum auf: „So langsam geht es in die richtige Richtung“, sagte Peters und erwähnte die „Migrationswende, die Abschaffung des Bürgergeldes, Investitionen und Bürokratieabbau“.
Eckpunkte für ein Wahlprogramm
Ideen für das Wahlprogramm zur Landtagswahl formulierte Peters in Rostock auch: Zu den Kernpunkten zählt unter anderem eine Unterstützung junger Familien beim Kauf selbstgenutzter Wohnimmobilien. 15.000 Euro soll es dabei pro Kind über einen Zeitraum von zehn Jahren geben. Zudem will die CDU eine zentrale Anlaufstelle für Unternehmen, in der alle wichtigen Behördengänge gebündelt erledigt werden können. Stromkunden sollen entlastet werden, der CDU-Chef peilt außerdem 100 Extrastellen bei Staatsanwaltschaften und Kripo an, er will 100 neue Medizinstudienplätze schaffen. Außerdem will die CDU dafür sorgen, dass soziale Medien für Kinder und Jugendliche erst ab 13 Jahren verfügbar sind und private Handys an Schulen bis zur 10. Klasse verbannt werden.
Drei Frauen unter den Top-Ten
Die Kandidatenliste der CDU brachte wenig Überraschung, vor allem nicht auf den ersten zehn Plätzen. Drei Frauen sind dabei, neben Generalsekretärin Hoffmeister und der Stralsunder Landtagsabgeordneten Ann-Christin von Allwörden ist das die Greifswalderin Jeannette von Busse. Die Kommunalpolitikerin ist das einzig neue Gesicht unter den Top 10. Die übrigen Plätze gehen an die langgedienten männlichen Unionskollegen. Franz-Robert Liskow beispielsweise kandidiert auf Platz drei, gefolgt von Sebastian Ehlers oder Marc Reinhardt. Torsten Renz und Wolfgang Waldmüller sind ebenfalls dabei.
Diener wirft hin
Auch Ex-Wirtschaftsminister Harry Glawe will es noch mal wissen: Er steht auf Listenplatz sechs. Der 72-Jährige wäre damit sicher im nächsten Landtag vertreten – 2021 reichte ein Stimmanteil von 13,3 Prozent für zwölf Landtagssitze. Die Parteitagsregie der CDU-Führung geriet zeitweise etwas durcheinander: Aus Frust zog der Landtagsabgeordnete Thomas Diener aus dem Kreisverband Mecklenburgische Seenplatte seine Listen-Kandidatur zurück. Der Landesvorstand hatte Diener, der für seine Auftritte in Wolfskostümen und seine Dauerfehde mit Agrarminister Till Backhaus (SPD) bekannt ist, auf Listenplatz 14 gesetzt. Diener war das zu wenig, er fühlte sich herabgesetzt und warf hin. Es gibt einige in der CDU, die jetzt befürchten, der gebürtige Schleswig-Holsteiner könnte zur AfD überlaufen.

Die Partei bestimmt auf einem Parteitag in Rostock ihre Listen-Kandidaten. Drei Frauen sind vorn mit dabei.

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