Für einige Fans der Eisbären begann der Eishockey-Samstag mit großen Fragezeichen. Aufgrund der Nach- und Nebenwirkungen des Sturmtiefs „Elli“ fand am Berliner Hauptbahnhof ein anhaltendes Züglein-wechsel-dich-Spiel statt. Beständig änderten sich die Auskünfte, welche Bahn wann in Richtung Dresden abfahren soll, wo am Nachmittag das siebte Winter Game der Deutschen Eishockey-Liga DEL über die Bühne ging.

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Und obwohl sich viele Bahnen gar nicht oder mit großer Verspätung durch den Winter kämpften, landeten früher oder später doch fast alle Eishockeyreisenden – auch die in den 14 Eisbären-Fanbussen − im Rudolf-Harbig-Stadion. Und hatten nach einem zähen Match dann doch Grund zur Freude. Bei rund zehn Grad unter Null gewann das Team von Serge Aubin vor 32.248 Zuschauenden bei den Eislöwen mit 3:2 nach Verlängerung (0:0, 1:1, 1:1, 1:0).

„Das war eine großartige Erfahrung“, sagte Eisbären-Trainer Aubin anschließend, „für die Spieler, für die Trainer und alle, die heute hier im Einsatz waren. Die Atmosphäre, die Musik, die Beleuchtung, alles das war besonders für die Jungs.“ Trotz des schwierigen Spiels habe er gespürt, viel Spaß seine Spieler hatten.

Das war eine großartige Erfahrung für die Spieler, für den Trainer und alle, die heute hier im Einsatz waren.

Eisbären-Trainer Serge Aubin

Bei Heimspielen der Zweitliga-Fußballer steht Dresden ganz im Zeichen von Dynamo. Auch am Samstag war das typische Symbol mit dem D auf weinrotem Grund allgegenwärtig. Die Eisbärenfans, die ja auch sonst die Dynamo-Vergangenheit pflegen und hochleben lassen, durften sich rund um das Open-Air-Event heimisch fühlen wie sonst nie bei einem DEL-Auswärtsspiel. Ob in den Zügen, in der Tram zur Arena oder im Stadion. Überall waren Dynamo-Gesänge zu vernehmen.

Einige Winter Games in der Vergangenheit lebten auch von der großen Rivalität der Vereine. Schon zweimal waren sich die rheinischen Rivalen Düsseldorfer EG und die Kölner Haie unter freiem Himmel begegnet. Im vergangenen Jahr waren die Adler nach Frankfurt gereist. Auch diese beiden Klubs mögen sich nicht besonders.

Eislöwen-Ultras boykottieren das Winter Game

Rund um dieses Duell hingegen wurde hingegen stets die gegenseitige Wertschätzung herausgestellt. Maik Walsdorf, Geschäftsführer der Eislöwen, hatte auf der Pressekonferenz am Mittwoch betont, welchen Stellenwert die Eisbären für die Eishockeyfans in Ostdeutschland genießen. Und dass es selbst im Umfeld seines Klubs nicht wenige Fans des Rekordmeisters gibt. Und so verwunderte es dann auch nicht, dass voller Pathos kurz vor dem ersten Bully die Entwicklung der beiden Klubs nachgezeichnet wurde – so unterschiedlich sie auch ist.

Rund 800.000 Euro war den veranstaltenden Eislöwen dieses Event wert. Und obwohl die Show funktionierte und sogar Naturschnee im Stadion lag, sodass die übliche Folie zur Wintersimulation nicht gebraucht wurde, gab es auch Kritik. Die Ultras der Dresdner wollten nicht mitmachen bei diesem Mega-Event mit all seiner Kommerzialisierung.

800.000

Euro kostete das Event für die Gastgeber

Die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Vereinen ruhten dann auch, als der Puck nach dem Auftaktbully fiel. Beide Teams brauchen jeden Punkt. Schlusslicht Dresden vermittelte diesen Eindruck mehr als die Eisbären, die nach drei Vierteln der Hauptrunde aktuell fünf Punkte Rückstand auf Platz sechs haben.

Und die Gastgeber gingen dann auch in Führung durch Tomas Andres (25.). Für einen kurzen Moment waren die Eislöwen-Fans jetzt tonangebend. Ansonsten hatten die Berliner Anhänger aber stimmlich klar die Oberhand. Insbesondere beim 1:1 durch Liam Kirk (34.), der im neunten Spiel in Serie punktete und dabei bereits seinen 14. Treffer in dieser Phase erzielte.

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Nach zwei Dritteln wirkte Jens Baxmann durchaus zufrieden. Der frühere Eisbären-Verteidiger ist seit wenigen Tagen Sportdirektor der Dresdner. Sebastian Elwing, Torwarttrainer der Berliner, wirkte hingegen ziemlich angefressen, als beide zusammen in den Aufzug stiegen, um sich in der zweiten Pause aufzuwärmen.

Danach nahm das Spiel an Fahrt auf. Erst zündelten einige Berliner Fans Pyrotechnik, dann brachte Alec McCrea Dresden erneut in Führung. Doch der Schlussakkord gehörte Berlin. Ty Ronning glich zwei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit aus. Kirk entschied das Spiel nach 14 Sekunden in der Verlängerung. Danach gab es noch ein richtiges Feuerwerk auf dem Eis. Das Winter Game ist eben Eishockey und Show.

Und genau diese Mischung sorgte auch bei Gerry Flemming, der seit Anfang Dezember Cheftrainer in Dresden ist, zu Gefühlswallungen. Er sagte: „Ich bin sehr stolz, Teil dieser Organisation zu sein. Es ist großartig, was hier auf die Beine gestellt wurde.“