
US-Präsident Donald Trump will ein neues Konzert der Mächte etablieren. Europa gehört nicht dazu.
Evan Vucci/AP/dpa (Archivbild)
Für Donald Trump hat die alte Weltordnung ausgedient. Geht es nach ihm, sollen künftig nur noch wenige grosse Mächte das Sagen haben – Europa gehört nicht dazu. Was jetzt zu tun ist, erklärt ein Sicherheitsforscher.
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- In der neuen Weltordnung, wie sie sich Trump vorstellt, spielt Europa keine Rolle.
- Um künftig noch mitreden zu können, ist die EU laut dem Politologen Peter Neumann nicht das geeignete Werkzeug.
- Vielmehr müssten die europäischen Mittelmächte Deutschland, Frankreich und Grossbritannien enger kooperieren.
- Die Schweiz hingegen sei in einer «guten Position», da die Interessen der USA und anderer Grossmächte hierzulande vertreten seien.
Der selbst ernannte Friedenspräsident lässt Maduro verhaften, greift nach Grönland und droht weiteren Staaten. In der neuen US-Sicherheitsstrategie wird zudem klar aufgezeigt, wie sich Donald Trump die künftige Weltordnung vorstellt. Europa hat darin keinen Platz.
«Die alte, regelbasierte Weltordnung zerfällt und es bildet sich etwas Neues», sagt Sicherheitsforscher Peter Neumann, Professor am King’s College London, im Interview mit «CH Media». Es sei «zweifellos so, dass Donald Trump und vielleicht auch wenige andere Grossmächte die Geschicke der Welt bestimmen wollen», erklärt der Politikwissenschaftler.
Trump wolle demnach «wie im 19. Jahrhundert» die Welt mit einigen anderen grossen Mächten in Einflusssphären aufteilen und ein «Konzert der grossen Mächte» schaffen. Das Problem aus europäischer Sicht sei, dass für Donald Trump Europa dort eben nicht mitspielt. «Im schlechtesten Fall sieht er Europa als Gegner oder Verhandlungsmasse für seine Deals mit anderen», sagt Neumann.
Zusammenschluss der Mittelmächte
Was also bleibt für den alten Kontinent? Zunächst brauche es «dringend eine Strategie». Neumann zufolge müssten Europas Mittelmächte viel enger zusammenarbeiten, um Trump die Stirn zu bieten.
Doch die EU sei nicht das Format, das dafür richtig ist, sagt Neumann. «Deswegen ist ein Zusammenschluss der Mittelmächte – Frankreich, Deutschland und Grossbritannien – jetzt notwendig.»
Die Schweiz hingegen sei «nach wie vor in einer relativ guten Position», da Interessen Amerikas und anderer Grossmächte auch hierzulande vertreten seien. «Deswegen tritt man an die Schweiz noch mal anders heran als an andere europäische Staaten», erklärt der Sicherheitsforscher.
Was passiert mit Grönland?
Trump hat zuletzt immer wieder deutlich gemacht, dass er die zu Dänemark gehörende Insel Grönland um jeden Preis haben will. Kommt es also zu einer Annexion? Für Neumann werde es «darauf hinauslaufen, dass sie ein Abkommen mit Grönland unterzeichnen, das den Amerikanern weitgehende Rechte über die Insel gibt».
Europa sollte laut dem Politologen nun auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker pochen. Ein mögliches Abkommen müsse also «von der grönländischen Bevölkerung angenommen werden», so Neumann. Sollte sie dies nicht tun, müsse sich Europa dem entgegenstellen. Und sollte es zu einem militärischen Konflikt kommen, wäre die Nato am Ende.« Es wäre ein Super-GAU sicherheitspolitischer Art», sagt Neumann.
Nach Venezuela hat Donald Trump nun auch andere Staaten ins Visier genommen. «Die treibende Kraft bei dem Ganzen ist nicht unbedingt Trump, sondern sein Aussenminister und nationaler Sicherheitsberater Marco Rubio», sagt Neumann und fügt hinzu: «Ich glaube, der nächste Stopp ist Kuba.» Der Staat sei «im Hinblick auf die Regierung noch kaputter als Venezuela».
Vor allem für Marco Rubio, aber auch für Trump, wäre es eine Art Krönung, dort einen Wechsel herbeizuführen. Schliesslich hätten es mehrere Vorgängerregierungen nicht geschafft, einen Machtwechseln in Kuba zu erzwingen.
«Wenn wir das nicht machen, stehen wir auf der Speisekarte»
Trumps neue Geopolitik hält jedenfalls für Europa «wenig Gutes» bereit. «Wir sehen das Entstehen einer Weltordnung, die weniger westlich, weniger europäisch und weniger demokratisch ist», sagt Neumann. «Wir müssen uns sehr schnell überlegen, wie wir bei der Gestaltung dieser neuen Weltordnung überhaupt noch mitreden können.» Neben den genannten Mittelmächten Deutschland, Frankreich und Grossbritannien müsse Europa auch «mit anderen Mittelmächten wie Kanada, Australien oder Südkorea enger kooperieren».
Für den Forscher sind diese Allianzen essentiell: «Wenn wir das nicht machen, sitzen wir nicht mit den Grossmächten am Tisch, sondern stehen auf der Speisekarte.»