Fehlen die Technologien – oder der politische Wille?
Teilweise fehlen wettbewerbsfähige Technologien, teilweise fehlt die Absicherung der Anfangsphase. Neue Recyclingverfahren sind zunächst teurer. Ohne Instrumente, die diese Hochlaufphase unterstützen, wird sich daran wenig ändern.
Was wäre aus Ihrer Sicht notwendig?
Zum einen mehr Kapital für Innovationen, etwa über professionelle Fonds. Zum anderen staatlich unterstützte Abnahmeverträge, um die Hochlaufphase abzusichern. Wenn ein Unternehmen weiß, dass es seine Produkte zu einem garantierten Preis absetzen kann, lohnt sich der Aufbau neuer Kapazitäten. Genau so wurden auch die erneuerbaren Energien groß.
China hat zuletzt Exportkontrollen eingeführt, dreht uns das Land den Rohstoff-Hahn ab?
Exportkontrollen bedeuten, dass der Staat festlegt, welche Rohstoffe nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr ins Ausland verkauft werden dürfen. Für Abnehmer heißt das: Lieferungen verzögern sich, werden teurer oder fallen ganz aus – selbst dann, wenn formal kein vollständiges Exportverbot besteht. China hat die Voraussetzungen geschaffen, um seine Marktmacht jederzeit zu nutzen. Wann und wie stark China die Exporte einschränken wird, weiß niemand. Aber ich bin überzeugt, dass das in absehbarer Zeit passiert. Wir können uns garantiert darauf vorbereiten, dass China seine Dominanz nutzen wird, um sich in Verhandlungen einen Vorteil zu verschaffen mit dem Potenzial, die Wirtschaftsleistung anderer Länder massiv zu schädigen.
Was würde das konkret für Europa bedeuten?
Dann stehen Produktionsanlagen still – überall dort, wo Hochleistungsmagnete oder andere kritische Materialien verbaut sind. Das betrifft Automobilindustrie, Maschinenbau, Haushaltsgeräte, Windkraftanlagen. Die Bandbreite ist enorm.
Kann sich Europa dagegen absichern, etwa durch Einlagerung von Rohstoffen?
Lagerhaltung kann kurzfristig helfen, aber sie ist keine langfristige Lösung. Niemand kann Vorräte für Jahre anlegen. Das wäre extrem teuer, und die Mengen sind oft gar nicht verfügbar. Langfristig helfen nur neue Bezugsquellen, Recycling und vor allem die Suche nach Substituten.
Was meinen Sie mit Substituten?
Es geht um die Funktion, nicht um den Rohstoff. Wenn ich Energie speichern will, muss ich nicht zwingend Lithium oder Kobalt verwenden. Es gibt alternative Technologien, die mit anderen Materialien arbeiten oder ganz anders funktionieren. Dort, wo Substitution möglich ist, sollten wir viel aggressiver investieren.