Fenster ohne Gardinen, Vorhänge oder Pflanzen, hinter denen nur kahle Wände zu erkennen sind, Briefkästen oder Türklingeln ohne Namensschilder: Häufig sind dies Anzeichen für leerstehende Wohnungen. Wenn sich daran längere Zeit nichts ändert, fragt sich der Nachbar oder Passant in Zeiten akuten Wohnungsmangels unwillkürlich, was der Grund sein könnte. Wie es mit Wohnungsleerstand im Stadtbezirk 4 – Ehrenfeld – aussieht, interessierte auch die Fraktion Die Linke in der Ehrenfelder Bezirksvertretung (BV), sie stellte daher eine entsprechende Anfrage an die Verwaltung.
Laut den Zahlen, die das Amt für Stadtplanung und Statistik nun der BV vorlegte, bewegt sich der Bezirk Ehrenfeld in dieser Frage ziemlich genau im städtischen Mittel: In Köln standen Mitte Mai 2022 – dem Datum der jüngsten Erhebung im Rahmen des Zensus – 2,5 Prozent der stadtweit insgesamt 549.815 Wohnungen leer. In Ehrenfeld waren von den 57.324 Wohnungen des Bezirks 1.369 ungenutzt, also 2,4 Prozent. Zum Vergleich: Nordrhein-Westfalen beklagte zur gleichen Zeit einen Leerstand von 3,3 Prozent, bundesweit waren es sogar 4,3 Prozent.
Chorweiler und Hahnwald haben die höchste Leerstandsquote
Dabei schnitten die einzelnen Stadtteile im Bezirk 4 ganz unterschiedlich ab: Während Ehrenfeld und Vogelsang mit einem Anteil von 2,7 beziehungsweise 2,6 Prozent an ungenutzten Wohnungen schon leicht über dem gesamtstädtischen Durchschnitt lagen, wies Bocklemünd/Mengenich den negativen Spitzenwert von 4,7 Prozent auf. Immerhin befand sich der Stadtteil am Stichtag in guter Gesellschaft: Vor Hahnwald mit seiner Leerstandsquote von 4,5 Prozent und hinter Chorweiler mit seiner Quote von 4,9 Prozent belegte Bocklemünd/Mengenich den zweiten Platz unter Kölns 86 Veedeln.
Unter dem Kölner Durchschnitt liegt der Bezirk Ehrenfeld allerdings, wenn es um die schnelle Verfügbarkeit der ungenutzten Wohnungen geht. Während am Stichtag stadtweit etwa die Hälfte des Leerstands „marktaktiv“ war, also innerhalb der nächsten drei Monate vermietet oder verkauft werden sollte, betraf dies im Bezirk 4 nur 514 der 1.369 aufgeführten Wohnungen. In Bocklemünd/Mengenich gar nur ein knappes Viertel: 58 von 233 leeren Wohnungen.

Auch dieses markante Haus an der Ecke Teichstraße/Subbelrather Straße in Bickendorf steht leer.
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Leider liegen keine nach Stadtteilen oder wenigstens Bezirken aufgeschlüsselten Zahlen für die Gründe des längerfristigen Leerstands vor. Stadtweit aber wurden in etwa 55 Prozent der Fälle „laufende beziehungsweise geplante Baumaßnahmen“ dafür verantwortlich gemacht – der mit Abstand am häufigsten genannte Grund.
Etwa zehn Prozent der Eigentümer hatten den anstehenden Verkauf des Gebäudes oder der Wohnung angegeben, ungefähr ebenso viele den geplanten Abriss. Rund sechs Prozent der Besitzer wollten die Wohnung oder das Haus künftig selbst nutzen, rund 19 Prozent der Eigentümer gaben „sonstige Gründe“ an oder verweigerten die Auskunft.
Bei geplanten Wohnungen liegt der Stadtteil Ehrenfeld vorn
Allgemein lässt sich sagen, dass der Leerstand bei sehr kleinen Wohnungen mit einer Größe von unter 40 Quadratmetern und bei sehr großen Wohnungen mit 200 Quadratmetern und mehr etwas höher war als bei mittelgroßen Wohnungen. Auch die Eigentumsform spielte eine Rolle: Bei Gebäuden, die sich im Besitz privatwirtschaftlicher Unternehmen wie Banken, Versicherungen oder Fonds befanden, war die Leerstandsquote mit 4,4 Prozent besonders hoch. Doch sie war auch – mit 3,5 Prozent – recht ansehnlich, wenn sie der Kommune oder einem kommunalen Wohnungsunternehmen gehörten. Privatpersonen oder privatwirtschaftliche Wohnungsunternehmen als Eigentümer lagen mit 2,5 beziehungsweise 2,3 Prozent im Durchschnitt, während der Leerstand bei Wohnungsgenossenschaften mit 0,6 Prozent seinen niedrigsten Wert erreichte.
Aber auch nach dem sogenannten Bauüberhang hatte die Fraktion Die Linke gefragt, also nach geplanten Wohnungen, für die die Verwaltung bereits eine Baugenehmigung erteilt hat, die aber bislang noch nicht gebaut wurden. Stadtweit waren das 2024 exakt 10.308 Wohnungen, im Bezirk 4 waren es 1.360. Der Stadtteil Ehrenfeld belegt hier mit 702 Wohnungen mit weitem Abstand den ersten Platz. Stadtweit belegt das Veedel Rang 2, mehr Bauüberhang hatte 2024 in Köln nur Marienburg mit 863 Wohnungen.