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Julia-Constance Dissel (links) und Fotografin Sandra Mann bei der Vorbereitung der Ausstellung. © Kordula Egenolf
Die Ausstellung „Perspektiven der Fotografie“ präsentiert 60 Exponate. Analoge und digitale Werke verwandeln sich sogar in Skulpturen.
Seligenstadt – In der Galerie des Kunstforums, dem „Alten Haus“ in Seligenstadt, geht es geschäftig zu. Überall wird noch Hand angelegt, damit sich die „Perspektiven der Fotografie“ zur Vernissage am Sonntag den Betrachtern optimal eröffnen. Jedes Bild erhält den Platz, an dem es die größte Wirkung entfaltet und so das Konzept der Ausstellung klar erkennbar wird. Es trägt die Handschrift von Kuratorin Julia-Constance Dissel, für die ästhetische Gesichtspunkte, thematische Zusammengehörigkeit und harmonische Übergänge eine zentrale Rolle spielen.
„Prix Sacrifiés“ aus der Serie „The Cube“ stammt von Marc Peschke. © p/Marc Peschke
Denn die Ausstellung präsentiert drei unterschiedliche Auseinandersetzungen mit dem Medium Fotografie. Analoge Fotografie ist ebenso dabei wie digitale in Varianten, die aus dem klassischen 2-D-Format sogar Skulpturales entstehen lassen. Auch inhaltlich wird ein großer Bogen gespannt: Die Motive reichen von Urbanität und Architektur über Landschaften und Porträts bis hin zu Nachhaltigkeitsthemen im Kontext von Mensch-Umwelt oder Mensch-Tier-Relation.
Drei Künstler, drei Techniken
Die Protagonisten, Simon L. Leo, Sandra Mann und Marc Peschke leben und arbeiten im Rhein-Main-Gebiet und gehören zu den Vertretern zeitgenössischer Fotokunst, die weit über die Grenzen der Region hinaus wirken.
„Ich habe mich bewusst für diese drei entschieden“, sagt die Professorin für Praktische Philosophie und Kulturphilosophie an der Hochschule Darmstadt. Sie kuratiert Ausstellungen im In- und Ausland und publiziert über Themen aus der Kunst- und Designphilosophie. „Nicht nur, weil ich sie und ihre Arbeiten seit Jahren kenne, sondern weil sie mit ihren verschiedenartigen Techniken und Themen einen Einblick in die große Bandbreite fotografischer Möglichkeiten geben. Ihr individueller Blickwinkel gewährt völlig neue Betrachtungsweisen von Bekanntem und teilweise sogar Banalem.“
Der Mensch als Teil des globalen Systems im Fokus
Mit Sandra Mann hat sie eine der renommiertesten Künstlerinnen und Fotografinnen Deutschlands gewonnen, die unter anderem in den USA, Vietnam, Mexiko, Italien, Finnland und der Türkei ausgestellt hat. Die Trägerin der Goetheplakette teilt mit dem großen Dichter die Reiselust, die Naturstudien und die ganzheitliche Sichtweise.
Egal, wohin sie reist, steht bei ihr der Mensch als Teil des globalen Systems im Fokus. Mann analysiert sein Verhalten und seine Beziehung, ob zu anderen Menschen, zur Natur, Umwelt, Tierwelt oder unter Gendergesichtspunkten. Weil das Handy die frühere Einmaligkeit von Situationen in Beliebigkeit vervielfacht, inszeniert sie seit 2012 ihre Motive unter dem Titel Waldlife.
Die fotografischen Arbeiten von Marc Peschke entstehen zumeist auf seinen Reisen. Der Künstler, der ebenfalls auf eine vielseitige Vita verweisen kann, liebt das Spiel mit der Wahrnehmung. Nichts ist bei ihm so, wie es auf den ersten Blick scheint. Er selbst sagt: „Ich mag es, das Auge des Betrachters zu überraschen und neuartige Bilder zu kreieren.“ Das Finden einer ungesehenen Bildsprache gilt für ihn als entscheidendes Qualitätsmerkmal der Kunst.
Simon L. Leo präsentiert im „Alten Haus“ analoge Schwarz-Weiß-Fotografie. © p/Simon L. Leo
Mit Exponaten aus seiner Serie „The Cubes – Liquidacion Total“ gelingt es ihm, Fotografie als plastische Arbeit erlebbar zu machen. Dabei wachsen Objekte scheinbar aus den Wänden und sorgen durch eine perfekte Illusion für Staunen bei den Betrachtern. Seine vermeintlichen Nachtbilder entpuppen sich bei näherem Hinsehen tatsächlich als Negative.
Simon L. Leo, ein junger Künstler, hat schon früh sein Interesse für den Einfluss von Architektur, Textur, Formgebung und Licht für das Erleben der Bühne des Alltags entdeckt. Fasziniert ist er von der Schwarz-Weiß-Fotografie. Seit dem Studium in New York ist die Analogkamera der ständige Begleiter. Seine Bilder, obwohl aktuell aufgenommen, wirken wie Zeugnisse aus einer vergangenen Zeit. Die Entwicklung der analogen Filme bedeutet für ihn gleichzeitig die Entwicklung eines einzigartigen Kunstwerks. Wenn er in einigen seiner Bilder an die formal-ästhetischen Kriterien der Bauhaus-Periode anknüpft, führt er zurück zu den Anfängen der konstruktiven Fotografie.
Ausstellung läuft bis Mitte März
Schon ein erster Blick auf die etwa 60 Exponate spricht für die besondere Qualität, die alle Ausstellungen des Kunstforums auszeichnet und die sich mit „Perspektiven der Fotografie“ in diesem Jahr fortsetzt. Davon können sich Interessierte nicht nur bei der Vernissage am Sonntag, 11. Januar, um 17 Uhr in der Galerie Kunstforum „Altes Haus“ in der Frankfurter Straße 13 überzeugen. Die Ausstellung, die vom Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main unterstützt wird, dauert bis zum 15. März.