Gift ist oft wirksamer als die Keule. Das gilt auch für gesellschaftliche Entwicklungen. Noch in den 1990er- und 2000er-Jahren zeigten sich Rechtsextremisten häufig als Glatzköpfe mit Baseballschlägern, die sich mit aggressivem Auftreten selbst ins Jenseits der gesellschaftlichen Akzeptanz schossen. Dorfnazis gab es überall, hin und wieder machten sie Stunk, mieden jedoch zumeist die Öffentlichkeit.

Rechte Szene vernetzt sich auf Social Media

Mit dem Aufschwung der Sozialen Medien hat sich das geändert. Für die rechte Szene ist die digitale Welt ein treffliches Propagandainstrument, um ihre menschenverachtende Kunde zu verbreiten. Außerdem vernetzen sich die einzelnen Dorfnazis zu einer lauten Masse und nehmen den öffentlichen Diskurs unter Beschuss. Anfällig dafür sind Kinder und Jugendliche, die über Tiktok und Konsorten Fremdenfeindliches mundgerecht serviert bekommen, um es später in Schulen zu verteilen.

Dieses Gift sickert gerade auch in die Bildungseinrichtungen im Landkreis Diepholz, die Polizei verzeichnete zuletzt „vermehrt ausländerfeindliche Aussagen im Schulalltag“ an drei Schulen im Kreisgebiet. Dass Schüler aus der sechsten und siebten Jahrgangsstufe in Weyhe mit ihren Füßen ein Hakenkreuz bilden und ins Netz stellen, ist nicht weniger als alarmierend. Mittlerweile habe sich die Lage zwar etwas beruhigt, der Runde Tisch gegen Rechts in Weyhe sieht die Gefahr aber keineswegs als gebannt.

Neben der klaren Ablehnung rechter Umtriebe in der realen Welt bedarf es auch Schutzvorkehrungen im digitalen Raum: Ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige wie in Australien kann dafür ein erster Schritt sein. Hierzulande sind bis dahin gerade für diese Altersklasse die Eltern gefordert, einerseits die digitalen Aktivitäten ihrer Kinder im Auge zu behalten. Andererseits müssen sie konsequent aufklären, wenn das Handy ihrem Nachwuchs Menschenverachtendes injiziert, um die Wirkung des Gifts zu hemmen.

Zur Startseite