Auch Maximilian Mittelstädt (links) und Alexander Nübel gehören in Leverkusen zu den Hauptfiguren des VfB Stuttgart. Foto: Baumann/Julia Rahn
Der klare Sieg zum Jahresauftakt in der Bay-Arena verschafft dem Pokalsieger nicht nur Genugtuung, meint unser Sportredakteur Carlos Ubina.
Die Genugtuung ist zu spüren gewesen. Bei Trainer Sebastian Hoeneß, bei Sportvorstand Fabian Wohlgemuth und auch bei den Spielern des VfB Stuttgart. Endlich ist es geschafft. Nach zuletzt sechs meist hochklassigen Anläufen unter Hoeneß ist es dem Fußball-Bundesligisten gelungen, gegen Bayer Leverkusen zu gewinnen. Als stehe die Bay-Arena nicht im Rheinland, sondern im Himalaya. Dieser Gipfel der Gefühle schien unerreichbar für die Weiß-Roten. Egal, wie stark der VfB gegen den Doublesieger von 2024 und Vizemeister von 2025 auftrat. Fast schon, als seien Begegnungen mit der Werkself mit einem Fluch belegt.
Doch nun steht das 4:1 vom Samstagabend. Es ist ein Statement: ein Signal der Stärke, das gleich in zwei Richtungen ausstrahlt. Zunächst an die Konkurrenz, denn mit dem VfB ist im Rennen um die internationalen Ränge in der Liga zu rechnen. In dieser zum Jahresauftakt gezeigten Form gehören die Stuttgarter auch zu den Champions-League-Anwärtern. Aber das Ausrufezeichen, das unter dem Bayer-Kreuz durch die Tore von Jamie Leweling (2), Maximilian Mittelstädt und Deniz Undav bereits vor der Pause gesetzt wurde, wirkt ebenso nach innen. Die Mannschaft strotzt vor Selbstvertrauen. Sie glaubt an die große Chance, in dieser Spielzeit noch viel erreichen zu können. Mit dem schönen Nebeneffekt, dass sich nicht nur Jamie Leweling und Deniz Undav für die deutsche Nationalmannschaft empfohlen haben, sondern ebenso Angelo Stiller, Alexander Nübel und Maximilian Mittelstädt.
Die Profis im Trikot mit dem Brustring formulieren ihre Ambitionen auf einen Titel, die Qualifikation für die Königsklasse oder die WM-Teilnahme im Sommer dabei offensiver als die Verantwortlichen. Der Pokalsieg im vergangenen Mai hat schlichtweg Lust auf mehr gemacht. Und der VfB hat einen Reifeprozess durchlaufen. Die Dauerbelastungen sind Normalität geworden.
Das Team hat in Leverkusen nicht nur eine gute Balance zwischen energischer Defensive und effizienter Offensiver gefunden, sondern sie befindet sich auch im Gleichgewicht zwischen der nötigen Selbstsicherheit, um Erfolge einzufahren und der ebenso nötigen Bodenhaftung, um nicht gleich abzuheben. Diese Haltung zu bewahren, ist nun Aufgabe von Trainer Hoeneß und Sportchef Wohlgemuth – nicht nur vor dem nächsten Spitzenspiel am Dienstagabend gegen Eintracht Frankfurt.