Stand: 11.01.2026 09:35 Uhr
Nach dem Wintereinbruch normalisiert sich der Bahnverkehr im Norden, doch auf wichtigen Fernstrecken gibt es weiter Ausfälle und Verspätungen. Regional- und Nahverkehr sind teilweise ebenfalls noch beeinträchtigt.
Aktuelle News aus den Nordländern:
- Liveticker nach „Elli“ in Hamburg: Fernverkehr läuft langsam wieder an
- Zum Nachlesen: Der Winterblog vom Samstag für Niedersachsen
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Der Bahnverkehr im Norden hat sich heute Morgen nach dem heftigen Wintereinbruch weiter normalisiert. Vor allem im Fernverkehr kommt es aber weiter zu Einschränkungen. Betroffen sind unter anderem die Verbindungen Westerland-Hamburg und Binz/Stralsund/Rostock-Berlin, wie die Deutsche Bahn auf ihrer Webseite mitteilte. Auch im regionalen Bahnverkehr in Norddeutschland gibt es noch Ausfälle und Verspätungen.
Die DB bittet alle Reisenden, sich rechtzeitig vor Fahrtantritt in der App DB Navigator und auf den Internetseiten der Bahn über die aktuelle Verkehrslage zu informieren. Die Bahn hat zudem die kostenfreie Hotline 08000 – 996633 eingerichtet.
„Es gab richtig Streit im Zug“
Bei den Menschen lagen die Nerven in überfüllten Zügen und auf den Bahnsteigen am Samstag zum Teil blank, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete. Ein ICE von Hamburg nach Göttingen sei so voll gewesen, dass er nicht losfahren konnte. „Es gab schon richtig Streit im Zug, weil keiner aussteigen wollte“, berichtete ein Reisender. Er selbst wollte dann ein Taxi nach Göttingen nehmen.
Metronom nimmt Zugverkehr wieder auf
Die Metronom Eisenbahngesellschaft nahm den Betrieb auf vielen Strecken in Norddeutschland am Samstag wieder auf – ein Sprecher machte jedoch am Abend im Gespräch mit dem NDR Niedersachsen deutlich: „Von stabilen Verhältnissen sind wir noch weit entfernt.“ Man müsse sehen, was der andauernde Frost anrichte. Eventuell müssten zunächst Testfahrten erfolgen, bevor der reguläre Verkehr wieder anlaufen könne.
Der Zugverkehr auf den Linien des Regionalbahnbetreibers Erixx in Niedersachsen solle erst heute wieder anlaufen, teilte das Unternehmen mit. Allein die Linie Lüneburg – Dannenberg-Ost (RB32) sei nach einer Erkundungsfahrt ohne Fahrgäste wieder frei. Im Landkreis Lüchow Dannenberg soll der ÖPNV ab heute wieder gemäß des regulären Fahrplans stattfinden.
Im Regionalverkehr in Schleswig-Holstein lief der Verkehr der Nordbahn am Samstag wieder an. Die Züge von erixx auf der Strecke Kiel – Lübeck und weiter nach Lüneburg sollten nach Fahrplan verkehren.
Video:
NDR Info extra: „Wintersturm im Norden“ (25 Min)
Beeinträchtigungen im Nahverkehr
Der öffentliche Nahverkehr im Norden ist ebenfalls weiterhin beeinträchtigt, am stärksten in Niedersachsen. In Hannover wurde der Busverkehr nach komplettem Stillstand am Samstagnachmittag auf einigen Linien wieder aufgenommen. Welche Linien aktuell bedient werden, teilt der Betreiber Üstra auf seiner Webseite mit. Auch in Oldenburg, Braunschweig und Wolfsburg sollte der Busverkehr nach und nach wieder anrollen. In Osnabrück fuhren hingegen den ganzen Samstag über keine Busse.
Die Nahverkehrsgesellschaft des Landes Schleswig-Holstein (NAH.SH) rechnet weiter mit Problemen. Schneeverwehungen und Bäume auf den Gleisen sorgten weiter für starke Einschränkungen und Ausfälle im Nahverkehr, auch ohne Ersatzverkehr. Der Nahverkehrsverbund empfiehlt, wenn möglich, auf Fahrten mit dem ÖPNV zu verzichten. „Wir gehen trotz Beruhigung der Wetterlage davon aus, dass sich die vollständige Wiederherstellung eines verlässlichen Betriebes gegebenenfalls über mehrere Tage hinziehen wird“, teilte NAH.SH-Geschäftsführer Arne Beck mit.
Im Hamburger S-Bahn-Verkehr fahren nach Bahn-Angaben seit Samstagmittag alle S-Bahnlinien mindestens wieder in einem 20-Minuten-Takt. Auch die Verbindung zum Flughafen wird wieder stabil bedient. Jedoch gibt es nach Angaben auf der Webseite der Deutschen Bahn weiterhin Zugausfälle und Verspätungen.
Sturmflut an der Ostsee ohne große Folgen
Die Sturmflut an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins hatte keine größeren Auswirkungen. Die höchsten Wasserstände wurden nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Flensburg und an der Schlei gemessen. Angaben über Schäden gab es nicht. In Mecklenburg-Vorpommern blieb das Hochwasser unter der kritischen Marke von einem Meter über dem Normalstand.

Große Hochwasserschäden wurden in SH nicht gemeldet. Die Pegelstände der Ostsee gingen am Samstagmorgen wieder zurück.
Mecklenburg-Vorpommern bleibt weitgehend verschont
In Mecklenburg-Vorpommern entspannte sich die Lage insgesamt weiter – vor allem im Fährbetrieb. Die Verbindung Rostock-Gedser fährt beispielsweise seit Samstagmorgen wieder nach Plan. Für die Fähren von und nach Hiddensee gilt ein Eisfahrplan. Insgesamt war Mecklenburg-Vorpommern mit Ausnahme des Südwestens weitgehend verschont geblieben.
Ostfriesische Inseln: Fährverkehr wieder angelaufen
Zwischen der Nordseeküste und den Ostfriesischen Inseln sind bereits die ersten Fähren wieder unterwegs. Der Fährverkehr zwischen Wangerooge und dem Festland fällt heute allerdings aus. Grund dafür sei der geringe Wasserstand und zu viel Eisbildung in der Hafenzufahrt in Harlesiel, teilten die Betreiber mit. Auch zwischen Juist und Norddeich werden heute keine Fähren fahren, wie ein Sprecher der Reederei Norden-Frisia sagte.
Auf der Elbe verkehrt wegen Eisgangs seit Samstag die Fähre „Tanja“ zwischen Darchau (Landkreis Lüneburg) und Neu Darchau (Landkreis Lüchow-Dannenberg) nicht mehr. Zuvor hatte bereits die kleine Auto- und Personenfähre „Amt Neuhaus“ zwischen Bleckede und Neu Bleckede (Landkreis Lüneburg) den Betrieb eingestellt. In Mecklenburg-Vorpommern ist das Stettiner Haff nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) inzwischen vollständig mit Eis bedeckt.
DWD-Vorhersage: Luft wird „arktisch kalt“
Schluss mit dem winterlichen Wetter ist nach dem Abzug von Tief „Elli“ noch nicht, das betonte Wetter-Experte Sebastian Wache im NDR Fernsehen. Sowohl in der vergangenen als auch in der kommenden Nacht sei mit extremer Kälte zu rechnen. Unter Einfluss eines neuen Hochdruckgebiets aus Skandinavien können die Temperaturen gebietsweise „runtergehen auf minus 15 bis teilweise sogar minus 20 Grad“, sagte Wache.
Auch der DWD prognostizierte „arktische Kälte“. In der vergangenen Nacht sollten die Temperaturen demnach im Binnenland von Schleswig-Holstein und Niedersachsen auf bis zu minus 10 Grad Celsius fallen. An den Küsten bliebe es mit minus 5 bis minus 3 Grad Celsius etwas wärmer.
Am Montag wird aus Richtung Westen Niederschlag erwartet, der laut DWD mit Schnee beginnt und dann in Regen übergeht. Das sei mit Glatteisgefahr verbunden. Im Laufe des Montags soll bei Plusgraden leichtes Tauwetter einsetzen.
Größtenteils normaler Flugverkehr in Hamburg und Hannover
Nachdem das Sturmtief „Elli“ auch am Hamburger Flughafen für Probleme gesorgt hatte, lief der Betrieb am Samstag wieder größtenteils normal, wie auf der Internetseite des Airports zu lesen war. Auch die Flughäfen in Hannover und Bremen konnten nach eigenen Angaben wieder weitgehend regulär operieren. Einzelne Flüge starteten oder landeten jedoch verspätet oder mussten abgesagt werden.
Lage für Obdachlose kritisch
Angesichts der für die kommenden Tage vorhergesagten eisigen Temperaturen warnen Sozialverbände vor dem Kältetod obdachloser Menschen. „Für Menschen, die auf der Straße leben, wird es mitunter lebensgefährlich“, sagte Elke Ronneberger, Vorständin Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. Städte und Gemeinden seien aufgefordert, mehr warme Orte bereitzustellen und zu finanzieren.
In Hamburg wird die Hilfe ausgeweitet: So bleibt das Winternotprogramm fürs Erste auch tagsüber und somit ganztägig geöffnet. Auch andere Orte in Norddeutschland wollen auf die Wetterlage reagieren.

Die Diakonie erweitert die Öffnungszeiten der Treffpunkte und Beratungsstellen. Kältebusse fahren bei Bedarf zusätzliche Touren.
Warnung vor Betreten von Wäldern und Eisflächen
Die Behörden in Norddeutschland warnen weiterhin vor dem Betreten von Eisflächen. So ist es etwa verboten, den Maschsee in Hannover zu betreten. Auch in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sei das Eis auf den Gewässern noch nicht stabil, betonen die Feuerwehren. Auch in Wäldern und Parks kann es wegen der Schneelast auf den Bäumen gefährlich sein. Behörden reagieren teilweise mit vorübergehenden Sperrungen und Schließungen.

Minus-Grade und zugefrorene Gewässer locken Menschen vielerorts aufs Eis. Doch das ist meist viel zu dünn. Es besteht Lebensgefahr.

Die Feuerwehr Norderstedt wagt sich mit Spezialanzügen auf gefrorene Wasserflächen, um zu zeigen, wie schnell das Eis bricht.
Fast alle Skigebiete im Harz wieder geöffnet
Im Harz sind nach wetterbedingter Pause am Freitag nun fast alle Skigebiete wieder geöffnet, nur in Wernigerode ist Skifahren nicht möglich. Einzelne Lifte bleiben geschlossen, der beliebte Rodellift am Torfhaus läuft nach Angaben des Betreibers aber wieder. Auch ein Großteil der Langlaufloipen im Harz ist gespurt und geöffnet. Wintersportler sollten allerdings auf herabfallende Äste und umknickende Bäume achten, warnte die Polizei. Für die Anreise mit dem Auto sind laut Harzer Tourismusverband Winterreifen Pflicht, zudem könnten Schneeketten ratsam sein.

Auch am Freitagabend ist die Lage in einigen Regionen noch angespannt. Viele Züge stehen still, der Busverkehr in Hannover ist komplett eingestellt.

Es gibt Auswirkungen in ganz Norddeutschland. Hier finden Sie alle wichtigen Infos zu den Auswirkungen in Ihrem Bundesland und jede Menge Tipps.

Starke Schneefälle und vereiste Gleise führen derzeit zu Zugausfällen und Verspätungen. Welche Rechte haben Bahnkunden?

Im Hamburger Hafen geht nicht mehr viel aufgrund des Wintereinbruchs. Derweil sorgen Streusalz und Schlitten für hohe Umsätze.

Einige Krankenhäuser in Niedersachsen melden hohe Patientenzahlen, bei anderen entspannt sich die Situation.

Skifahren geht inzwischen fast überall im Harz. Nur wenige Lifte oder Bahnen sind geschlossen.