Berlin – Als sie zur Welt kam, war sie winzig. Ein Frühchen, viel zu leicht, viel zu schwach. Ihre Mutter hatte wochenlang nur liegend verbringen dürfen, kämpfte sich durch die Schwangerschaft. Und als Ronja Forcher dann endlich da war, war sie das größte Geschenk, das sich ihre Eltern je machen konnten. Ein absolutes Wunschkind. Und diese Liebe, mit der sie von der ersten Sekunde an überschüttet wurde, trägt sie bis heute in sich.
„Ich bin so dankbar, dass meine Eltern sich entschieden haben, mich zu bekommen – und zu behalten. Sie haben sich so zurückgenommen, damit ich leben darf“, sagt sie strahlend zu BILD. Die Schauspielerin, die Millionen alias Lilli Gruber aus der ZDF-Erfolgsserie „Der Bergdoktor“ kennen, ist mit diesem Leben, das ihr so früh schon geschenkt wurde, unendlich behutsam umgegangen. Vielleicht auch, weil sie so wusste, wie schnell es vorbei sein kann.

Seit 2008 spielt sie neben Hans Sigl (56) die Lilli Gruber in der ZDF-Erfolgsserie, ist im Fernsehen praktisch erwachsen geworden
Foto: ZDF und Erika Hauri
„Für viele Menschen bin ich Lilli“
Mit sechs Jahren stand sie zum ersten Mal vor der Kamera. Heute ist sie fast 30, und zwei Drittel ihres Lebens hat sie mit dem Bergdoktor-Team verbracht. „Für viele Menschen bin ich Lilli. Und das ist okay. Die kennen mich, seit ich ein kleines Kind war. Für sie bin ich fast wie eine Bekannte. Das hat eine Tiefe, die ich lange nicht verstanden habe.“ Aber Ronja hat verstanden, wer sie wirklich ist. Auch dank der Menschen, die sie im echten Leben geprägt haben.
An allererster Stelle: ihre Oma Heidi. Eine Powerfrau, 87 Jahre alt, die noch immer auf Berge wandert und mit der Enkelin den Jakobsweg gegangen ist. „Sie war wie eine zweite Mama für mich. Sie hat mich zu den Dreharbeiten begleitet, war immer da. Sie hat mal gesagt, dass ich sie gerettet habe. Weil sie so ein schweres Leben hatte. Wenig Geld, viel Verantwortung. Und dann kam ich. Die kleine Ronja. Und wir sind zusammen durch die Welt gereist.“ Für Ronja ist diese Beziehung unantastbar. „Ich rede mit meiner Oma über alles. Sie ist katholisch, ich bin es nicht. Aber wir diskutieren über Gott, übers Leben. Selbst über queere Ehen. Und sie hört mir zu.“
„Mit Sarah ist meine Kindheit zu Ende gegangen“
Überhaupt: die Frauen in ihrem Leben. Ihre beste Freundin Sarah war erst 13, als sie an einer seltenen Krankheit starb. Ronja war elf. „Mit Sarah ist meine Kindheit zu Ende gegangen. Ich war danach nicht mehr dieselbe. Ich habe mich verloren. Und es hat Jahre gedauert, bis ich wieder zu mir gefunden habe.“ Heute sagt sie, dass dieser Verlust sie stark gemacht hat. „Natürlich wünsche ich mir, dass sie noch leben würde. Aber ich bin, wer ich bin, wegen Sarah.“

Sarah, Ronja Forchers beste Freundin, starb im Alter von nur 13 Jahren. Durch ihre Progerie-Erkrankung alterte sie im Zeitraffertempo
Foto: privat
Mut hat sie gebraucht, um ihre Geschichte zu erzählen. In einem Buch im Frühjahr 2025 hat sie Sarah ein Denkmal gesetzt. „Ich hatte Angst, dass die Leute mir übelnehmen, dass ich so lange geschwiegen habe. Aber ich musste erst selbst verstehen, was das alles mit mir gemacht hat.“ Bei der Lesung in Innsbruck saß Sarahs Mutter in der ersten Reihe. „Sie hat geweint. Und ich auch. Es war nicht nur Trauer. Es war auch, als hätte sie ihre Tochter noch einmal sehen dürfen. Durch meine Worte. Das hat uns beide noch einmal überwältigt. “

Ihre Fans kennen sie meist strahlend und glücklich, aber Ronja Forcher hat auch schwere Tage hinter sich
Foto: Ralf Günther/BILD
Ronja sieht ihren Mann Felix als Geschenk
Etwa zehn Jahre nach Sarahs Tod kam Felix in Ronjas Leben. Ihr Mann. Seit zehn Jahren sind sie ein Paar, seit fünf verheiratet. Ronja strahlt, wenn sie von Felix erzählt. „Ich habe drei große Geschenke im Leben bekommen: meine Karriere, Sarah und Felix. Er ist wie Sarah. Ihr Humor, ihre Sicht auf Menschen. Er hätte von ihr geschickt worden sein können.“

Ronja Forcher und Felix Briegel sind seit 2022 verheiratet
Foto: WireImage
Dass ihre Liebe hält, ist kein Zufall. „Wir sehen uns selten, sind oft getrennt. Aber wir telefonieren jeden Tag. Und wenn wir uns wiedersehen, dann leuchten wir. Es ist eine Entscheidung füreinander. Jeden Tag aufs Neue.“ Sie ist stolz auf diese Beziehung. „Felix und ich sind gemeinsam erwachsen geworden.“
Schauspielerin Ronja Forcher: „Zwei Drittel meines Lebens bin ich schon beim Bergdoktor“
Quelle: BILD10.01.2026
Ronja liebt ihren kleinen Bruder
Familie ist für Ronja alles. Auch ihr kleiner Bruder Mika, acht Jahre jünger, ist ein wichtiger Teil ihres Lebens. „Früher war ich wie eine zweite Mutter für ihn. Jetzt lernen wir uns als Erwachsene kennen. Ich bin so stolz auf ihn. Er ist lustig, liebevoll, will Landschaftsarchitekt werden und arbeitet mit Pflanzen, mit Erde.“ Die beiden teilten sich zwölf Jahre ein Zimmer in der elterlichen Wohnung. „Ich schlief im Bett oben, er unten. Wir beteten jeden Abend. Ich habe ihn gesegnet.“

Ronja Forcher mit BILD-Unterhaltungschefin Tanja May
Foto: Ralf Günther/BILD
Diese Nähe, diese Liebe – sie zieht sich durch ihr ganzes Leben. Auch beim Bergdoktor hat Ronja sie gefunden. Die Rolle der Lilli hat sie nicht ausgesucht. Aber sie ist ein Teil von ihr geworden. „Ich sehe Lilli als dritte Person. Sie hat mein Gesicht, meine Stimme. Aber sie ist nicht ich.“ Trotzdem hilft ihr diese Figur, ihre Werte zu transportieren. „Familie, Gerechtigkeit, Natürlichkeit, das ist Ronja und Lilli wichtig.“
„Ich freue mich auf meinen 30. Geburtstag“
Wenn Ronja über das Älterwerden spricht, tut sie das mit einer Begeisterung, die selten ist. „Ich freue mich auf meinen 30. Geburtstag am siebten Juni. Meine Schwiegermutter sagt, die Dreißiger seien die besten Jahre. Man weiß mehr, was man will, kann besser Grenzen setzen. Ich merke das jetzt schon.“ Sie will groß feiern. „Mit Freunden, Familie, irgendwo zwischen Tirol und Berlin. Auf einem Weingut. Ob ich’s wirklich mache, weiß ich noch nicht. Aber der Plan ist da.“
Sind Kinder ein Thema? „Natürlich lieben wir Kinder. Aber das ist etwas, was wir ganz für uns behalten. Es ist so magisch, das wollen wir nicht teilen, sondern für uns privat behalten. Aber derzeit sind wir glücklich, wie es ist.“
Ronja schauspielert, singt, schreibt und moderiert
Angst, dass sie als Schauspielerin auf die Lilli Gruber reduziert wird, hat sie keine. „Ich will gar nicht nur Schauspielerin sein. Ich bin Mensch in der Öffentlichkeit. Ich darf singen, schreiben, moderieren. Das hätte ich ohne den Bergdoktor nie gekonnt.“ Ronja lächelt. „Ich bin dankbar und liebe meinen Beruf. Aber er ist nicht das Wichtigste in meinem Leben. Ich fühle mich manchmal wie ein Kind auf einem Spielplatz, das vieles ausprobieren darf.“

Die Schauspielerin behält sich ihr inneres Kind bis heute
Foto: Ralf Günther/BILD
Ronja posierte für den „Playboy“
Dazu gehört auch, sich nackt zu zeigen. 2017 posierte Ronja für den „Playboy“. „Ich habe lange gezögert. Ein Jahr. Ich hatte so viele Glaubenssätze in mir. Über meinen Körper. Über Weiblichkeit. Ich bin nicht schlank genug, nicht schön genug. Aber ich wollte das abstreifen. Und ich habe es getan. Heute sage ich: Ich musste das machen. Es war wichtig für mich.“ Ihr Mann war stolz auf sie. „Er hat mich unterstützt. Das war am Anfang unserer Beziehung. Und es hat mir gezeigt, dass er das aushält neben mir. Mein Leben und meine Öffentlichkeit.“

Ronja Forcher war im April 2017 auf der Titelseite des „Playboy“
Foto: Sacha Höchstetter für Playboy April 2017
„Ich glaube, dass gute Menschen Gutes erfahren“
Ronja Forcher ist keine Frau, die sich versteckt. Sie liebt Menschen, den Austausch. „Ich brauche das. Ich könnte nie allein in einem Büro sitzen.“ Auf ihrer Musik-Tournee als Sängerin hat sie das gespürt. Eine alte Dame erzählte ihr vom kürzlich verstorbenen Ehemann. Der Platz neben ihr in der ersten Reihe blieb leer. „Ich bin zu der Frau hingegangen und habe gefragt: Erzählen Sie mir von Günther. Wir feiern ihren Mann jetzt gemeinsam.“ Es sind diese Momente, die zählen.

Ronja Forcher war zu Gast im Promi-Vodcast „MayWay“ von BILD-Vize Tanja May
Foto: Ralf Günther/BILD
Und sie glaubt an etwas. Nicht an einen Gott mit Bart. Aber an das Gute. „Ich glaube, dass gute Menschen Gutes erfahren. Dass alles einen Grund hat. Dieses Leben ist ein Wunder.“ Und vielleicht steht ihr Lebensweg schon in ihrem Namen. Sie sagt: „Ich heiße Ronja, Allegra, Una. Allegra ist die Glückliche und Una ist die Einzige oder die Einzigartige. Und irgendwie scheint mein Name auch so meinen Weg zu bestimmen.“ Ein schöner Gedanke.