Teheran (Iran) – Seit zwei Wochen bebt das Land. Trotz Angst, Gewalt und Todesdrohungen gehen im Iran Tag für Tag Menschen auf die Straße. Tausende riskieren ihr Leben für Freiheit. Während US-Präsident Donald Trump (79) das Mullah-Regime warnt, keine Gewalt gegen Demonstranten einzusetzen, zeigt die Realität ein anderes Bild: Immer mehr Tote, immer mehr Festnahmen. Und hinter verschlossenen Türen soll Trump sogar über Militärschläge nachdenken.

Das Ausmaß der Gewalt im Iran nimmt weiter zu: Nach Angaben des US-Menschenrechtsnetzwerks HRANA ist die Zahl der Todesopfer bei den seit zwei Wochen andauernden Massenprotesten auf mindestens 116 gestiegen. Mehr als 2.600 Menschen wurden festgenommen.

Immer mehr Menschen gehen im Iran auf die Straße, um zu protestieren

Immer mehr Menschen gehen im Iran auf die Straße, um zu protestieren

Foto: Uncredited/UGC/AP/dpa

Trotz einer nahezu vollständigen Internetsperre gingen die Menschen in 185 Städten auf die Straße – ein landesweiter Aufschrei gegen das Regime. Und das, obwohl den Demonstranten der Tod droht: Der iranische Generalstaatsanwalt Mohammad Movahedi Azad warnte, jeder, der an den Protesten teilnimmt, werde als „Feind Gottes“ betrachtet – ein Vergehen, das mit der Todesstrafe geahndet wird.

Plant Trump einen Militäreinsatz im Iran?

US-Präsident Donald Trump stellte Samstag (Ortszeit) erneut Hilfe in Aussicht und schrieb auf Truth Social: „Der Iran strebt nach FREIHEIT, vielleicht wie nie zuvor. Die USA sind bereit zu helfen!!!“. Unterdessen gibt es in der US-Regierung erste Gespräche über mögliche militärische Optionen gegen den Iran.

Wie die US-Zeitung „The New York Times“ berichtet, soll Trump in den vergangenen Tagen über neue Optionen informiert worden sein. Demnach soll er erwägen, seine Drohung wahrzumachen und das Regime wegen der gewaltsamen Unterdrückung der Demonstranten anzugreifen. Eine Entscheidung darüber liegt bislang jedoch nicht vor, so die US-Zeitung, die sich auf Regierungskreise beruft.

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Auch das „Wall Street Journal“ berichtet, dass US-Beamte erste Gespräche darüber führen, wie ein Angriff auf den Iran durchgeführt werden könnte, sollte dies nötig werden, um Trumps Drohungen umzusetzen. Bereits zuvor hatte Trump Teheran vor der Tötung von Demonstranten gewarnt und gedroht, „sehr hart durchzugreifen“. Er betont, die US-Regierung verfolge die Lage aufmerksam.

Iran: Israel und US-Militär „legitime Ziele“

Mit scharfen Drohungen hat der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Qalibaf am Sonntag auf die Nachricht aus Washington reagiert: Sollte die Islamische Republik von den USA angegriffen werden, wären das US-Militär und Israel aus Teherans Sicht „legitime Ziele“. Damit zog der islamistische Hardliner erstmals wieder auch Israel ausdrücklich in den Kreis potenzieller Angriffsziele hinein. Abgeordnete stürmten danach das Podium und skandierten „Tod für Amerika!“.

Ärzte: Dramatische Zustände in Kliniken

Derweil stehen iranische Krankenhäuser nach den anhaltenden Protesten am Rand des Zusammenbruchs. Ärzte berichten dem Sender BBC gegenüber von überfüllten Notaufnahmen, von Toten, die sich stapeln, und von Verletzten, für die jede Hilfe zu spät kommt.

Ein Sanitäter aus Teheran sagt, es habe „direkte Schüsse auf die Köpfe der jungen Leute gegeben, aber auch auf ihre Herzen“. Zwei weitere Mediziner gaben an, Schussverletzungen durch scharfe Munition und durch Schrotkugeln behandelt zu haben.

Die Proteste im Iran eskalieren, das Regime reagiert mit Gewalt. Mindestens 116 wurden dabei laut Aktivisten getötet

Die Proteste im Iran eskalieren, Gebäude und Fahrzeuge stehen in Flammen, das Regime reagiert mit Gewalt. Mindestens 116 wurden laut Aktivisten bisher getötet

Foto: x.com

Es seien „schreckliche Szenen“, erzählte eine weitere Sanitäterin. Es habe so viele Verletzte gegeben, dass dem Personal keine Zeit für Wiederbelebungsmaßnahmen geblieben sei. Allein am Freitagabend sollen 70 Leichen in das Poursina-Krankenhaus in Rasht gebracht worden sein, wie BBC Persian berichtet. Weil die Leichenhalle bereits überfüllt war, seien die Toten abtransportiert worden. „Die Zahl war so groß, dass im Leichenschauhaus nicht genug Platz war; die Leichen wurden übereinandergestapelt“, sagte die Frau zur BBC. Bei den Toten und Verletzten habe es sich überwiegend um junge Menschen zwischen 20 und 25 Jahren gehandelt, so eine Klinikmitarbeiterin gegenüber BBC.

Die in den USA ansässige Human Rights Activists News Agency (HRANA) meldete am Sonntag 116 Todesopfer bei den andauernden Protesten im Iran und über 2.600 Festnahmen. Die Angaben beruhen auf einem Aktivistennetzwerk im Iran, sind jedoch unabhängig nicht überprüfbar.