Standdatum: 11. Januar 2026.

Autorinnen und Autoren:
Matthias Röhrs

Frau in dicker Johanniter-Kleidung stellt für Bedürftigen Speise an Tisch zusammen

Seit sieben Jahren ist Karin Stelljes im Kältebus-Team der Johanniter. Hier steht der Bus vor dem Bremer Hauptbahnhof. Mittlerweile ist der Bus auf die Bürgerweide umgezogen.

Bild: dpa | Matthias Dempski

Die Johanniter versorgen arme Menschen in Bremen mit ihrem Kältebus mit warmen Mahlzeiten und Getränken. Schutz vor Kälte bietet der Wärmebus des Vereins für Innere Mission.

Etwa ein Dutzend Gäste wartet schon, als der rot-weiße Kältebus auf die Bürgerweide einbiegt. Schnell bauen die fünf Ehrenamtlichen von den Johannitern alles auf. Auf die Klapptische an der Ausgabe vor dem weiß-roten Transporter stellen sie die Kochtöpfe, das Plastik-Geschirr und Kartons. Am Montag gibt es eine Kartoffel-Gemüsesuppe. Genau das Richtige bei Minusgraden und leichtem Schneefall. Dazu gibt’s heißen Kakao, Kaffee oder Tee – und ein Lunchpaket.

Leiterin Karin Stelljes hat extra frische Brötchen besorgt, außerdem Wasser, Bananen und Schokolade. Ein Mann fragt nach Handschuhen, er bekommt sie. Gegessen wird im Stehen. „Es sind Menschen, die in Armut leben. Darunter Obdachlose, Wohnungslose, viele Rentner, wo das Geld einfach nicht mehr reicht“, beschreibt Stelljes ihre Gäste.

Wir fragen nicht, warum sie da sind. Da ist ein Mensch, der was braucht. Und der bekommt das, was wir ihnen geben können.

Karin Stelljes, Johanniter-Kältehilfe

Der Andrang ist verhalten. In der Regel sind um die 50 Leute da, wenn der Kältebus montags auf der Bürgerweide Station macht. Stelljes ist seit sieben Jahren dabei und kennt die meisten hier. Wo die anderen alle sind? Stelljes kann nur mutmaßen: Vielleicht haben sie sich anderswo versorgt. Vielleicht haben sie einen Platz in einer Unterkunft, den sie nicht verlassen mögen.

Zwei Busse helfen Obdachlosen bei Kälte

Zwei Männer an der Vordertür eines stehenden Busses, davor ein Fahrrad mit der Aufschrift "Streetwork"

Zwei Mitarbeiter des Vereins für Innere Mission besprechen vor dem Wärmebus die aktuelle Lage.

Bild: Radio Bremen | Alexander Schnackenburg

Der Kältebus ist kein Ort zum Aufhalten und Aufwärmen. Das bietet hingegen der Wärmebus des Vereins für Innere Mission, der zurzeit ein paar hundert Meter weiter die Straße herunter steht und täglich geöffnet ist. Trotzdem erfüllt der Kältebus eine wichtige Funktion, sagt Werner Kenner vom Verein Unsichtbar, der sich für Obdachlose engagiert. Kenner stand letzten Winter selbst noch in der Schlange vor dem Kältebus, hat aber einen Weg aus der Obdachlosigkeit gefunden.

„Zum einen ist es ein fester Termin, wo man am Abend etwas Warmes bekommt“, sagt er. Das sei selten in Bremen. Und es ist ein sozialer Treffpunkt: „Wenn man Probleme hat oder Hilfe braucht, sind hier immer Ansprechpartner dafür.“

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Überleben als Lebensinhalt

Im Winter sind die Wohnungslosen im permanenten Überlebensmodus. Von den Gästen möchte an diesem Abend niemand öffentlich sprechen.

Eigentlich verbringt man den ganzen Tag damit, zu organisieren, dass man genug zu essen und zu trinken bekommt. Das ist eigentlich der gesamte Lebensinhalt.

Werner Kenner, Verein Unsichtbar-Bremen

Ein paar hundert Meter weiter steht der Wärmebus der Innere Mission. In einem Linienbus können sich Obdachlose dort tagsüber aufwärmen. Im Schnitt 120 Personen kommen laut Innerer Mission täglich vorbei. Betreut werden sie von Streetworkern und Sozialarbeitern.

Unterkünfte sind nichts für jeden. Angst vor Diebstahl, Drogenverbote, zu viele Menschen – das schreckt manche ab. Aber auch auf der Straße ist der Druck groß. Wo sie unterkommen, würden Obdachlose häufig vertrieben, sagt Werner Kenner. „Im öffentlichen Raum sind sie nirgends gerne gesehen.“

Ellbogengesellschaft unter den Obdachlosen

Das Sozialressort schätzt, dass in Bremen etwa 150 Personen auf der Straße leben. Das Problem Obdachlosigkeit verschärft sich. „Es werden immer mehr Menschen, die von Armut betroffen sind“, sagt Karin Stelljes. „Vielleicht sollte die Politik sich auch mal darüber Gedanken machen, dass sie mit der Verdrängung mal aufhört.“

Jeder habe seine eigenen Mittel gefunden, wie er sich eine Unterkunft außerhalb der Gebäude beschaffen kann. Wissen, das man lieber für sich behält. „Selbst unter den Obdachlosen wird das kaum weitergegeben, wo es günstige Gelegenheiten gibt. Und mittlerweile ist es auch eine Ellbogengesellschaft unter den Obdachlosen geworden und halt auch sehr gewalttätig“, sagt Kenner. 

Johanniter helfen ehrenamtlich

Im Winter sind Wohnungslose auf Hilfe besonders angewiesen. Und so schockierte rund um den Jahreswechsel auch die Brandanschläge auf Kältebusse in Berlin auch die Ehrenamtlichen der Johanniter. Karin Stelljes ist fassungslos. Mut mache dagegen der Rückhalt aus der Gesellschaft.

Allerdings würde sie sich seitens der Politik mehr Aufmerksamkeit für obdachlose Menschen wünschen, auch wenn das Verhältnis grundsätzlich gut sei.

Viele Leute kommen und sagen ‚es ist klasse, was ihr macht. Können wir euch unterstützen?‘

Karin Stelljes, Johanniter-Kältehilfe

Das sagt auch Ute Schneider-Smietana, die Vorstandsprecherin des Vereins für Innere Mission, der den Wärmebus betreibt. „In der Bevölkerung sind wir gut verankert. Wir haben viel Zuspruch durch den Beirat in Findorff, wissen, dass wir mit dem Standort und dem Angebot politisch gewollt sind.“ Auch die Bevölkerung würde viel spenden.

Quelle:
buten un binnen.

Dieses Thema im Programm:
Bremen Zwei, Der Nachmittag, 7. Januar 2026, 16.45 Uhr