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Marcus Rosenmüller (re.) über Unterhaltung, Klischees und Moral. © D. Gottschalk
Der Regisseur spricht über die Kunst der Unterhaltung, Klischees und Moral – und wer ihm bei seinem neuen Film vieles erleichtert hat…
Herr Rosenmüller, nach „Pumuckl“ kommt nun Ihre Komödie „Extrawurst“ ins Kino. Zwei verschiedene Genres?
Es sind schon zwei Genres, aber beide sind sehr unterhaltsam. Was sie eint: Sie sind freundliche, wohlwollende Filme. Beide sehenswert und bei beiden gibt es viel zu lachen. Der Pumuckl ist vielleicht regional in Süddeutschland bekannter, während „Extrawurst“ gut gesamtdeutsch gesehen werden kann.
Der Film spielt mit Klischees. Eine erst harmlose Diskussion darüber, ob wegen eines muslimischen Mitglieds ein separater Grill gebraucht wird, eskaliert. Politisch korrekt?
Der Film ist hundertprozentig politisch korrekt. Die Frage ist ja: Sind die Personen im Film politisch korrekt? Das kann man bezweifeln. Dort meint jede einzelne Person, ihre Einstellung zum Thema ist der Weisheit letzter Schluss. Das interessante beim Lesen des Stücks war, dass ich mich darin immer wieder selbst gespiegelt gesehen habe – auf sehr humorvolle Art und Weise. Bei „Extrawurst“ schwebt nicht der moralische Zeigefinger drüber, sondern die Unterhaltung und das Lachen gewinnen. Wenn man den Film sieht, wie sich dieser Schwachsinn, wie sich unsere Gesellschaft teilweise bei den angesprochenen Themen verhält, dann kann man sich selbst auslachen und gemeinsam übereinander lachen. Das finde ich großartig. In diesem sehr pointierten Drehbuch von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob wird in einer Überspitztheit gezeigt, wie deppert wir oft alle sind.
Warum wohl?
Weil wir so gerne auf unseren Standpunkten beharren, auf unseren Klischees. Und uns kein bisschen verändern wollen. Darüber vergessen, wie gern wir das Gegenüber haben. Dabei ist es so wichtig, dass wir uns mehr den anderen zuwenden, besser zuhören.
„Extrawurst“ soll…?
Man kapiert sofort, was gesellschaftlich gemeint ist. Aber man kann den Film einfach als das sehen, was er ist: große Unterhaltung. Dazu ist er rasant, behandelt viele Aspekte. Damit muss er eigentlich alle ansprechen.
Sind Ihnen solche Diskussionen wie im Film bekannt?
Ja, denn er behandelt natürlich Themen, mit denen jede und jeder bei uns konfrontiert ist. Es wäre komisch, wenn jemand sagen würde: So etwas ist mir ja noch nie untergekommen!
Diskutieren Sie selbst gerne?
Am Set geht so etwas sowieso nicht, da müssen wir arbeiten, da fehlt die Zeit. Privat kommt es bei mir auf die Tagesform an. Es gibt schon Punkte, bei denen ich Diskussionsbedarf sehe. Das mag ich womöglich ausdiskutieren. Und es gibt Themen, bei denen werde ich meinen Standpunkt nur schwerlich verlassen. Wenn ich da auf jemanden träfe, der meine Meinung nicht teilt, ist natürlich eine Katastrophe programmiert, ähnlich der Diskussion im Film. Vielleicht sollte ich von der „Extrawurst“ lernen.
Mit Schauspielern wie Hape Kerkeling, Fahri Yardim oder Christoph Maria Herbst: Hatten Sie da überhaupt noch was zu tun?
Regieanweisungen brauchen natürlich alle (lacht). Aber ich musste tatsächlich nicht erklären, wie sie was zu spielen haben. Manchmal waren es Kleinigkeiten, weil ich mir im Ablauf eine Szene konkret vorgestellt habe. Meine Aufgabe war eher, darauf zu achten, dass die Energie, der Fluss und die Authentizität beim Dreh nicht abfallen. Die Schauspieler waren sehr gefordert, denn wir haben die Szenen mit jedem einzelnen Bezugspunkt mehrfach gedreht.
Braucht man Komödien, um solche Themen anzusprechen?
Die Basis einer Komödie ist Tragödie, das Drama. Ich selbst bin, was Genres betrifft, immer offen. Ich mag die Mischung, mal ein Film mit Eskapismus oder Klamauk, mal einer bewegend und dramatisch. Ich brauche die Mischung heiter und ernst.
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Zur Person
Marcus Rosenmüller wird 1973 in Tegernsee geboren. Es zieht ihn an die Münchner Hochschule für Film und Fernsehen, dort studiert er, wird Regisseur. Heute leitet er dort als Professor den Lehrstuhl Kino- und Fernsehfilm. Das legendäre „Derbleckn“ am Nockherberg wird von ihm fünf Mal, bis 2017, inszeniert. Seine Werke wurden mehrfach ausgezeichnet, ob mit dem Bayerischen oder dem Deutschen Filmpreis. Er selbst bekam den Bayerischen Verdienstorden. Sein erster großer Leinwanderfolg von 2006 „Wer früher stirbt ist länger tot“ bekommt eine Fortsetzung, erzählt er im Hallo-Gespräch: „Wir schreiben gerade an einem Drehbuch! Wir hatten eine grandiose Idee, dann kommt die Finanzierung, dann der Dreh… in zwei Jahren weiß man mehr!“
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