Promis so wie Fans haben vor Beginn der Show alle nur eine Erwartung an das neue „Malle Olé – Das Musical … das ballert“ in Duisburg: Gute Stimmung! Für die Stimmung sorgen schon vorab einige andere Gäste. Kreisligatrainer Uwe ist mit seiner ‚Mannschaft‘ angereist, grölt „Mama Laudaaa“ am Donnerstagabend (8. Januar) über den Gang im Theater am Marientor und kippt sich zum Einklang erstmal Bier und Schnaps hinter die Binde. Erste Parallelen zum Ballermann sind also auf jeden Fall zu erkennen.
Im Saal herrscht dann striktes Alkoholverbot, na ja, genauer gesagt allgemeines Trinkverbot. Das Musical schöntrinken, wie der Notfallplan von Schauspieler und Musiker Bela Klentze lautete, funktioniert also – wenn überhaupt – nur davor, in der Pause und danach. Aber ist das überhaupt nötig und wie viel Ballermann steckt eigentlich im neuen „Malle Olé“-Musical in Duisburg?
Eine neue Form von Musical
„Das beste und schönste Musical aller Zeiten auf diesem Planeten“, so kündigte Produzent Harald Reitinger gegenüber DER WESTEN das neue Musical kurz vor Beginn groß an. Mindestens 25 große Malle-Hits, Partyfeeling und ein unvergessliches Bühnenbild sollen dafür sorgen, dass „die Leute am Schluss mit einer wahnsinnig guten Laune rausgehen“. „Vielleicht kotzt ja auch einer am Schluss“, malte sich dagegen Micaela Schäfer das Ende der Show aus. „Der Ballermann ist einfach da, um mal die Sau rauszulassen, ohne ein schlechtes Gefühl dabei zu haben!“
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Zugegeben ging ich mit ähnlich wenigen Erwartungen und dafür umso mehr Vorurteilen in den Saal, wie es viele Menschen beim Gedanken an den Ballermann wohl verspüren. Autor Sven-Oliver Müller erklärte zu Beginn erstmal die Spielregeln: „Es wird etwas anders: Hier wird es zum Grölen lustig.“ Er animierte das Publikum zum Mitsingen, Klatschen und Aufstehen. Und dem Aufruf folgte die Menge gehorsam, sodass es nach nur zehn Minuten die ersten Standing Ovations zur Interpretation von Almklausis und Specktakels „Mama Laudaaa“ gab. Es sollten während der Show 13 weitere stehende Applaus-Einlagen folgen – in anderen Musicals in der Form undenkbar. Da gibt es den gebührenden Respekt erst ganz am Ende.
Standing Ovations bereits nach zehn Minuten in Duisburg. Foto: Chaleen Goehrke/ DER WESTEN
Doch was genau reißt die Leute an diesem Abend so oft aus ihren Stühlen? Es war vor allem die Energie, die die Darsteller auf die Bühne brachten und ans Publikum weitertransportierten. „Schatzi, schenk mir ein Foto“ als Swing-Version und „Layla“ werden von Prostituierten gesungen – die Zuschauer singen, tanzen und interagieren mit.
Die Geschichte läuft mehr so nebenher. Ein Paar, das sich vor drei Jahren am Ballermann verliebte, dann trennte, um durch Zufall auf Mallorca wieder zusammenzufinden. Alex will sich mit seinen Jungs betrinken, um Laura zu vergessen, sie plant Ähnliches mit ihren zwei Freundinnen Michelle und Olivia, die ebenfalls nur an Saufen, Ficken und Partymachen denken. Dazu ein Bösewicht in Form eines reichen Schnösels namens Viktor, der den Ballermann zerstören will. Kleiner Spoiler: Am Ende siegt das Ballermann-Traumpaar und es wird eine große Party gefeiert. Ein Junggesellenabschied, Alkohol in Mengen, niedrige Hemmschwellen, derbe, flache Sprüche und simple Dialoge – viele Parallelen zum Ballermann.
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Vulgäre Szenen und Sprache, die für unter FSK 12 wohl an der ein oder anderen Stelle nicht zu empfehlen sind. Selbst das Publikum bleibt nicht verschont. „Verpisst euch in die Pause, ihr Kackbratzen“, so die liebevolle ‚Beleidigung‘ von Fiesling Viktor. Übel nimmt es ihm keiner, die Stimmung ist weiter heiter. „Ich bin hochbegeistert, es gibt so viele Geschichten, die haben wir genauso nachvollziehen können. Das ist typisch Malle“, lautet das Fazit von Jonas (28) und seinen beiden Kumpels.
Constantin, Jonas und Sebastian sind vom Malle-Musical in Duisburg begeistert. Foto: Chaleen Goehrke/ DER WESTEN
Auch die Experten wie Bierkönig-Künstler Dirk Ostermann alias ‚Der Zipfelbube‘, dessen Lied Olivia sogar einen Platz im Musical hat, können die Show vor allem für Ballermann-Unerfahrene nur empfehlen. „Jede einzelne Geschichte in dem Stück ist wirklich so, wie es auf Mallorca passiert.“
Ich habe mich zeitweise nicht mehr wie im Musical, sondern etwas wie im Zirkus oder auf einer großen Party gefühlt. Apropos Party: Ebenfalls anders als bei anderen Musicals: Im Anschluss gibt es noch eine kleine Aftershow-Party für alle mit DJ und Ballermannmusik. Die Stimmung reist auf jeden Fall mit – zumindest wenn man textsicher ist. Ballermann-Muffel werden wohl auch in Duisburg nur schwer den Charme der Partyinsel für sich entdecken, doch für alle anderen könnte die lange Wartezeit auf ihren nächsten Malle-Urlaub zumindest für zweieinhalb Stunden versüßt werden. Bis zum 21. Februar gastiert das „Malle Olé“-Musical noch in Duisburg im Theater am Marientor und es werden nahezu zweimal täglich Shows gespielt.