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Unter dem Raschplatz in Hannover verbirgt sich ein großer Lost Place. Ein Geisterbahnhof kann hier mit einer Führung besichtigt werden. © Imago
Mitten in Hannover gibt es ein Lost Place, der seinesgleichen sucht. Denn hier verkommt inter der Erde ein alter, gruseliger Geisterbahnhof.
Verfallene, verlassene Orte – in ganz Deutschland faszinieren Lost Places und sorgen für Gänsehaut. Niedersachsen hat ebenfalls mehrere solcher vergessenen Plätze. So sorgt zum Beispiel ein großer Lost Place direkt hinter einem Deich in Niedersachsen bei vielen für eine bedrückende Atmosphäre. Dass sie manchmal nur wenige Schritte von einem unheimlichen verlassenen Ort entfernt sind, merken viele Passanten nicht. So auch in Hannover. In der niedersächsischen Landeshauptstadt passieren jeden Tag unzählige Menschen einen stillgelegten Bahnhof – direkt im Stadtzentrum.
Der von den Stadtwerken als „Geisterstation“ bezeichnete Ort liegt nur wenige Meter vom Hauptbahnhof entfernt. Konkret unter dem Raschplatz, den täglich unzählige Reisende auf dem Weg zur nördlichen Bahnhofsseite überqueren. Der stillgelegte Bahnhof befindet sich im dritten Untergeschoss und wäre theoretisch mit dem Aufzug erreichbar. Tatsächlich kommen aber nur befugte Personen mit einem besonderen Schlüssel in die unterste Etage unter dem Bahnhof.
Großer Lost Place in Niedersachsen ist unsichtbar: Das ist die Geisterstation Hannover
Der verlassene Bahnhof entstand als Teil ambitionierter Verkehrsprojekte Hannovers in den sechziger Jahren. Der Rat der Stadt fasste im Juni 1965 den Beschluss zum U-Bahn-Bau. Das geplante Netz umfasste die Strecken A, B, C und D als unterirdisches Röhrensystem quer durch die Stadt. 1975 nahmen die Strecken A, B und C ihren Betrieb auf. Die unterirdische Verbindung der Linie D blieb jedoch unvollendet. Bis zum heutigen Tag hat sich daran nichts geändert. Übrigens befindet sich einer der größten Lost Places in Niedersachsen ebenfalls in Hannover.
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Zu Beginn der siebziger Jahre bereitete die Stadtverwaltung schon zahlreiche Maßnahmen für den Start der U-Bahn-Linie D vor. Die fast vollständigen Haltestellen am Steintor und am Hauptbahnhof wurden errichtet. An der Marienstraße ermöglichte außerdem eine Säulenkonstruktion den Bau einer U-Bahn-Haltestelle unter den dortigen Schienen.
Mitten in der Innenstadt liegt der Lost Place: Heute gibt es dort Führungen
Als die Stadt 1990 die Weltausstellung für das Jahr 2000 zugesprochen bekam, lebten die Überlegungen zur Linie D wieder auf. Nach den Trassenplanungen verwarf die Stadtverwaltung das Vorhaben jedoch nach ausführlichen politischen Diskussionen wegen der Kosten und des Zeitaufwands. Den südlichen Teil der vorgesehenen Linie D schloss man stattdessen an die Linie C an. Im Süden Niedersachsens gibt es übrigens auch einen Freizeitpark, der vor langer Zeit verlassen wurde.
2012 fiel dann die endgültige Entscheidung gegen die unterirdische Linie D. Gleichzeitig beschloss man den oberirdischen Neubau und die Erweiterung der Linie D. Seit Dezember 2018 verkehren die Bahnen auf der Strecke vom Goetheplatz bis zur neuen Endstation Hauptbahnhof/ZOB. Die verlassene Station unter dem Raschplatz können Interessierte hingegen nur bei Rundgängen der Üstra und des Vereins Stattreisen Hannover e.V. besichtigen.