„Konzentriertes Vorgehen“Außenexperte geht von Eingreifen der USA im Iran aus
11.01.2026, 12:51 Uhr
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Laut dem „Wall Street Journal“ führten US-Beamte bereits erste Gespräche darüber, wie ein Angriff auf den Iran durchgeführt werden könnte. (Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire)TeilenFolgen auf:
Wegen der landesweiten Internetsperre sind die genauen Ausmaße der Proteste im Iran schwer einzuschätzen. NGOs sprechen von Dutzenden Toten. Die USA könnten eingreifen. Ein wahrscheinliches Szenario, sagt der Außenexperte der Union.
Angesichts der anhaltenden Proteste im Iran hält der Außenexperte der Union, Peter Beyer, ein Eingreifen der USA und Israels für wahrscheinlich. Beyer sagte der „Rheinischen Post“: „Entsprechende Gespräche zwischen den Führungen beider Länder finden bereits statt.“ CDU-Politiker Beyer ergänzte, „am wahrscheinlichsten erscheint mir ein konzentriertes Vorgehen“. Er rechne nicht damit, dass die Proteste alsbald abflauten.
US-Präsident Donald Trump hatte den Teilnehmern der Massenproteste gegen die autoritäre Staatsführung im Iran Unterstützung zugesichert. „Der Iran strebt nach FREIHEIT, vielleicht wie nie zuvor. Die USA sind bereit zu helfen!!!“, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social.
Peter Beyer ist Außenexperte und Vorsitzender des Unterausschusses „Krisenprävention“. (Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur)
Laut dem „Wall Street Journal“ führten US-Beamte erste Gespräche darüber, wie ein Angriff auf den Iran durchgeführt werden könnte, sollte dies nötig werden, um Trumps Drohungen umzusetzen. Dabei seien auch Optionen für mögliche Ziele diskutiert worden, etwa ein großangelegter Luftangriff auf mehrere Militäreinrichtungen im Iran, berichtete die Zeitung unter Berufung auf US-Beamte. Demnach gibt es aber noch keinen Konsens über das weitere Vorgehen. Auch sei noch keine militärische Ausrüstung und Personal in Vorbereitung auf einen Angriff verlegt worden. Die US-Beamten hätten betont, dass diese Gespräche Teil der normalen Planung seien. Es gebe keine Anzeichen für einen bevorstehenden Angriff, hieß es. Auch die „New York Times“ berichtete, Trump habe noch keine Entscheidung gefällt.
Beyer appellierte zudem an die Bundesregierung, aktiv zu werden. „Meine Erwartung an die deutsche Bundesregierung ist dabei, sich bei den aktuellen Entwicklungen deutlich zu positionieren und die politische Meinungsführerschaft in Europa zu übernehmen.“ Warme Worte alleine würden den Protestierenden in Iran nicht helfen, so der CDU-Politiker. „Die iranischen Revolutionsgarden müssen endlich auf die Terrorliste gesetzt werden, und darüber hinaus muss sichergestellt werden, dass die vorhandenen Schlupflöcher bei den Sanktionen gestopft und nicht für Umgehungen aus Profitgier genutzt werden“, sagte Beyer.
Auch die Grünen forderten von Bundesregierung mehr Druck auf iranische Regime. Die Sicherheits- und Verteidigungsexpertin der Bundestagsfraktion, Sara Nanni, sagte der „Rheinischen Post“, die Bundesregierung habe noch Hebel, die sie nutzen könne. Nanni nannte etwa Aufnahmezusagen für gefährdete Menschen aus der Zivilgesellschaft und einen Abschiebestopp in den Iran. Bisher habe man außer ein paar halbherzigen Statements nichts gehört, kritisierte Nanni weiter. „Die Bundesregierung macht sich, sollte sie weiter im Winterschlaf bleiben, in ihrer Iranpolitik unglaubwürdig.“
Die Proteste im Iran hatten Ende Dezember begonnen, ausgelöst durch eine massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der iranischen Währung Rial. In Teheran gingen zunächst wütende Händler auf die Straße. Danach weiteten sich die Proteste auf das gesamte Land aus. Das genaue Ausmaß bleibt jedoch auch wegen der weitgehenden Internetsperre weiter unklar. NGOs zufolge sind bei den Protesten bereits Dutzende Menschen gestorben. Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei hatte die Proteste scharf verurteilt. Er sprach von „Unruhestiftern“ und „dem Land schädlichen“ Menschen und signalisierte einen harten Kurs gegen die Demonstranten.