
AUDIO: Winter im Norden: Bahnprobleme und geschlossene Schulen (4 Min)
Stand: 11.01.2026 18:47 Uhr
Überfrierender Regen dürfte den Berufsverkehr am Morgen vielerorts im Norden zur Rutschpartie machen. Für Niedersachsen hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) sogar eine Unwetterwarnung herausgegeben. Dort fällt der Präsenzunterricht landesweit aus.
Aktuelle News aus den Nordländern:
Wer morgen früh auf den Straßen unterwegs ist, muss sich auf Glatteis gefasst machen. Das gilt insbesondere für Niedersachsen, aber auch für Hamburg und den Großteil Schleswig-Holsteins. Dem DWD zufolge zieht von Westen her Schneefall auf, der dann schnell in Regen übergeht und auf kalten Böden gefriert. Die Unwetterwarnung gilt bis auf den Nordosten und den äußersten Osten des Landes für ganz Niedersachsen. Mittags setze sich von Südwesten eine deutliche Milderung durch und die Lage entspanne sich, teilte der DWD am Sonntagabend mit.
Kälteste Nacht seit 14 Jahren
Wetter-Experte Sebastian Wache betonte im NDR Fernsehen, dass auch in der kommenden Nacht mit extremer Kälte zu rechnen sei. Unter Einfluss eines neuen Hochdruckgebiets aus Skandinavien können die Temperaturen – wie schon in der Nacht zu Sonntag – gebietsweise „runtergehen auf minus 15 bis teilweise sogar minus 20 Grad“, sagte Wache. Auch der DWD prognostizierte „arktische Kälte“. Laut dem Meteorologischen Institut der Uni Hamburg wurde mit minus 14,8 Grad die kälteste Nacht seit 14 Jahren in der Hansestadt gemessen.
Laut der NDR Wettervorhersage ist in der Nacht zu Montag mit Tiefstwerten von -2 Grad auf Sylt, -8 Grad in Bremen, -10 Grad in Schleswig und Anklam, -13 Grad an der Elbe und bis -14 Grad in Wieda im Harz zu rechnen. Dazu soll ein schwacher bis mäßiger, an der Nordsee und im Bergland frischer Süd- bis Südostwind mit starken bis stürmischen Böen wehen.
Schulen am Montag in Niedersachsen geschlossen
In Niedersachsen fällt der Präsenzunterricht landesweit aus.Teils gibt es Distanzunterricht, insbesondere an Berufsschulen. Ob Lehrkräfte ihre Klassen per Videoschalte unterrichten, entscheiden vielerorts die Schulen selbst. Für die Jahrgänge bis zur zehnten Klasse ist eine Notbetreuung vorgeschrieben.

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor Glatteis. Der Präsenzunterricht entfällt morgen landesweit – mit einer Ausnahme.
In Hamburg findet der Unterricht dagegen nach einem Tag schneefrei am Freitag am Montag wieder normal statt. Das bestätigte die Schulbehörde am Sonntag. „Aktuell liegen keine Warnhinweise vor, die eine andere Entscheidung rechtfertigen würden“, hieß es. Einzig die Sporthallen seien mindestens bis Montagabend nicht nutzbar, da sie aus Sicherheitsgründen gesperrt sind. Privatschulen sind an die Entscheidung nicht gebunden, übernehmen diese in der Regel aber.
Lage bei der Bahn entspannt sich

Evelyn Palla gab im Hauptbahnhof Hannover ein Pressestatement ab.
Rund zwei Drittel des Fernverkehrs der Deutschen Bahn im Norden fuhren am Sonntagmittag wieder stabil. „Die großen Hauptachsen sind alle freigeräumt und befahrbar“, sagte Bahnchefin Evelyn Palla am Hauptbahnhof in Hannover. Sie bedankte sich bei den Einsatzkräften, die in den letzten Tagen im Dienst waren. Zudem verteidigte sie das Krisenmanagement der Bahn. Die Sicherheit von Reisenden und Mitarbeitenden habe für ihr Unternehmen immer „oberste Priorität“, betonte Palla. Die Lage sei „sehr dynamisch“ gewesen, „weitreichende Schneeverwehungen“ hätten seit Freitag immer wieder bereits freigeräumte Streckenabschnitte blockiert.
Vor allem im Fernverkehr kommt es nach Angaben der Bahn aber weiter zu Einschränkungen. Betroffen sind unter anderem die Verbindungen Westerland – Hamburg und Binz/Stralsund/Rostock – Berlin, wie die Deutsche Bahn auf ihrer Webseite mitteilte. Auch im regionalen Bahnverkehr in Norddeutschland gibt es noch Ausfälle und Verspätungen.
Die DB bittet alle Reisenden, sich rechtzeitig vor Fahrtantritt in der App DB Navigator und auf den Internetseiten der Bahn über die aktuelle Verkehrslage zu informieren. Die Bahn hat zudem die kostenfreie Hotline 08000 – 996633 eingerichtet.
Metronom nimmt Zugverkehr wieder auf
Die niedersächsische Metronom Eisenbahngesellschaft rechnet weiter mit Störungen in ihrem Fahrplan. Zwar würden die Züge seit Sonntagmittag auf allen Strecken wieder fahren, es komme aber immer wieder zu Verspätungen und auch Ausfällen, teilte das Unternehmen mit. Auch den Enno-Zügen machten Schneewehen und Eis zu schaffen, hieß es.
Der Zugverkehr auf den Linien des Regionalbahnbetreibers erixx in Niedersachsen sei weiter eingeschränkt, teilte das Unternehmen mit. Allein die Linie Lüneburg – Dannenberg-Ost (RB32) sei nach einer Erkundungsfahrt ohne Fahrgäste wieder frei. Im Landkreis Lüchow-Dannenberg sollte der ÖPNV seit Sonntag wieder gemäß des regulären Fahrplans stattfinden. Im Regionalverkehr in Schleswig-Holstein lief der Verkehr der Nordbahn am Samstag wieder an.
Beeinträchtigungen im Nahverkehr
Der öffentliche Nahverkehr im Norden ist ebenfalls weiterhin beeinträchtigt, am stärksten in Niedersachsen. In Hannover wurde der Busverkehr nach komplettem Stillstand am Samstagnachmittag auf einigen Linien wieder aufgenommen. Welche Linien aktuell bedient werden, teilt der Betreiber Üstra auf seiner Webseite mit. Auch in Oldenburg, Braunschweig und Wolfsburg sollte der Busverkehr nach und nach wieder anrollen. In Osnabrück fuhren hingegen den ganzen Samstag über keine Busse.
Der Regelbetrieb im schleswig-holsteinischen Nahverkehr ist nach Angaben von NAH.SH langsam wieder aufgenommen worden. Auf vereinzelten Strecken komme es dennoch weiter zu Einschränkungen, geringeren Kapazitäten und möglicherweise Fahrtausfällen. Grund dafür seien Schäden an Fahrzeugen aufgrund von Glatteis- und Baumunfällen sowie Frost. Auch die Infrastruktur könne beschädigt sein. Das Wetter bleibe herausfordernd, teilte NAH.SH-Geschäftsführer Arne Beck mit.
Im Hamburger S-Bahn-Verkehr fahren der Deutschen Bahn zufolge seit Samstagmittag alle Linien mindestens wieder im 20-Minuten-Takt. Ausnahme: Zwischen Altona und Sternschanze fahren derzeit keine S-Bahnen. Die Verbindung zum Flughafen wird wieder stabil bedient. Jedoch gibt es den Angaben zufolge weiterhin Zugausfälle und Verspätungen.
Ostfriesische Inseln: Fährverkehr wieder angelaufen
Zwischen der Nordseeküste und den Ostfriesischen Inseln sind wieder Fähren unterwegs. Die Verbindungen zwischen Wangerooge und dem Festland fielen am Sonntag allerdings aus. Grund dafür sei der geringe Wasserstand und zu viel Eisbildung in der Hafenzufahrt in Harlesiel, teilten die Betreiber mit. Auch zwischen Juist und Norddeich fahren heute keine Fähren, wie ein Sprecher der Reederei Norden-Frisia sagte.
Auf der Elbe verkehrt wegen Eisgangs seit Samstag die Fähre „Tanja“ zwischen Darchau (Landkreis Lüneburg) und Neu Darchau (Landkreis Lüchow-Dannenberg) nicht mehr. Zuvor hatte bereits die kleine Auto- und Personenfähre „Amt Neuhaus“ zwischen Bleckede und Neu Bleckede (Landkreis Lüneburg) den Betrieb eingestellt. In Mecklenburg-Vorpommern ist das Stettiner Haff nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) inzwischen vollständig mit Eis bedeckt.
Warnung vor Betreten von Wäldern und Eisflächen
Die Behörden in Norddeutschland warnen weiterhin vor dem Betreten von Eisflächen. So ist es etwa verboten, den Maschsee in Hannover zu betreten. In Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sei das Eis auf den Gewässern ebenfalls noch nicht stabil, betonen die Feuerwehren. Auch in Wäldern und Parks kann es wegen der Schneelast auf den Bäumen nach wie vor gefährlich sein. Die Behörden reagierten teilweise mit vorübergehenden Sperrungen und Schließungen.

Minus-Grade und zugefrorene Gewässer locken Menschen vielerorts aufs Eis. Doch das ist meist viel zu dünn. Es besteht Lebensgefahr.

Die Feuerwehr Norderstedt wagt sich mit Spezialanzügen auf gefrorene Wasserflächen, um zu zeigen, wie schnell das Eis bricht.
Lage für Obdachlose kritisch
Angesichts der eisigen Temperaturen warnen Sozialverbände vor dem Kältetod obdachloser Menschen. „Für Menschen, die auf der Straße leben, wird es mitunter lebensgefährlich“, sagte Elke Ronneberger, Vorständin Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. Städte und Gemeinden seien aufgefordert, mehr warme Orte bereitzustellen und zu finanzieren.
In Hamburg wird die Hilfe ausgeweitet: So bleibt das Winternotprogramm fürs Erste auch tagsüber und somit ganztägig geöffnet. Auch andere Orte in Norddeutschland wollen auf die Wetterlage reagieren.

Die Diakonie erweitert die Öffnungszeiten der Treffpunkte und Beratungsstellen. Kältebusse fahren bei Bedarf zusätzliche Touren.

Schnee, Eis und Sturm: Tief „Elli“ hat für starke Verkehrseinschränkungen auf den Straßen und Schienen in Norddeutschland gesorgt.

Der Ansturm auf auf die Züge war riesig, viele Reisende bekommen keinen Platz und sind frustriert.

Auch am Freitagabend ist die Lage in einigen Regionen noch angespannt. Viele Züge stehen still, der Busverkehr in Hannover ist komplett eingestellt.

Große Hochwasserschäden wurden in SH nicht gemeldet. Die Pegelstände der Ostsee gingen am Samstagmorgen wieder zurück.

Starke Schneefälle und vereiste Gleise führen derzeit zu Zugausfällen und Verspätungen. Welche Rechte haben Bahnkunden?

Im Hamburger Hafen geht nicht mehr viel aufgrund des Wintereinbruchs. Derweil sorgen Streusalz und Schlitten für hohe Umsätze.

Skifahren geht inzwischen fast überall im Harz. Nur wenige Lifte oder Pisten sind geschlossen.