Der Name Ruja Ignatova ist mit einer unglaublichen Geschichte verbunden. Einer Geschichte aus der Welt der Reichen und Schönen, die von Luxusjachten und teuren Kleidern erzählt, aber auch von schweren Verbrechen auf Kosten von Anlegern, von kriminellen Machenschaften sondergleichen. Die selbsternannte „Cryptoqueen“, eine Deutsche mit bulgarischen Wurzeln, gilt als eine der größten Finanzbetrügerinnen aller Zeiten. 

Bekannt wurde sie durch OneCoin, eine vorgebliche Kryptowährung, die durch ein Schneeballsystem vertrieben wurde. 2017 untergetaucht, zählt Ignatova zu den international meistgesuchten Verbrechern. Der Stoff, aus dem True-Crime-Formate sind: Aktuell zeichnet die sechsteilige Serie „Take the Money and Run“ den Aufstieg und Fall von Dr. Ruja Ignatova nach.

In der Hauptrolle ist eine Berlinerin zu sehen: Nilam Farooq, die früher eine erfolgreiche YouTuberin war und sich längst auch als Schauspielerin einen Namen gemacht hat. Ihre Ruja-Figur bezeichnet sie als charismatisch, machtgeil und überzeugend. In deutschen Projekten gebe es nicht so viele Rollen, die böse Frauen porträtierten. Das – und das Thema Kryptowährung – sei ein ganz besonderer Reiz gewesen.

Farooq selbst ist mit ihren Investitionen eher konservativ unterwegs: „Ich habe leider damals nicht in Bitcoin investiert. Tatsächlich ist das eine kleine Narbe auf meiner Seele, weil ich wirklich sehr kurz davor war, zu einer sehr guten Zeit. Ich habe mich dann aber nicht getraut. Und jetzt sitze ich da wie Millionen andere, und denk mir, schön wäre es gewesen.“ Andererseits, wer weiß ob Nilam Farooq als Bitcoin-Milliardärin noch unseren Berlin-Fragebogen ausgefüllt hätte. Es hat eben alles auch sein Gutes …

1. Frau Farooq, Sie sind ja gebürtige Berlinerin und nur wenige Wochen vor dem Fall der Mauer zur Welt gekommen. Beschäftigt Sie diese Ost-West-Sache irgendwie in Ihrem Leben?

Ost-West beschäftigt mich eigentlich nicht. Ich bin auch ehrlich gesagt ganz froh, dass ich die Teilung haarscharf verpasst habe. Meine erste Erinnerung an den Ostteil habe ich mit ungefähr 14 Jahren: Bei einem Schulausflug habe ich zum ersten Mal U-Bahnen gesehen, die auf der Straße gefahren sind – Straßenbahnen fand ich als West-Berlinerin total absurd (lacht).

2. In welchen Berliner Stadtteilen haben Sie schon gewohnt – und wo sind Sie inzwischen gelandet?

Ich bin in Wilmersdorf aufgewachsen. Dann hat es mich eine lange Zeit nach Friedrichshain und Kreuzberg verschlagen. Wilmersdorf ist ja sehr anders als Friedrichshain und Kreuzberg. Zu der Zeit, in der ich dort gelebt habe, mochte ich dieses, ich sage mal, Abgerockte und habe es sehr genossen. Gerade auch kulinarisch sind Friedrichshain und Kreuzberg sehr stark, damit habe ich beide in sehr guter Erinnerung. Wo ich jetzt gelandet bin, behalte ich gerne für mich, aber diese drei Stadtteile sind auf jeden Fall diejenigen, die ich am besten kenne.

3. Wie haben Sie Ihre Kindheit und Jugend in Wilmersdorf in Erinnerung – einem Teil der Stadt, der ja eher als gediegen und wohlhabend gilt?

Ich habe erst spät gelernt, dass Wilmersdorf als wohlhabend und gediegen ansehen wird. Ich musste mich dann oft erklären, dass ich nicht in einem Einfamilienhaus, sondern in einem Plattenbau aufgewachsen bin. Ich hatte dort aber eine richtig schöne Kindheit, mit kurzen Wegen zu Grundschule und dann auch Gymnasium, zu Sportvereinen und allem, was dazugehört. Wie es eigentlich immer in Berlin so ist, hat sich alles innerhalb des Bezirkes abspielt. Deswegen, so groß ist Berlin gar nicht.

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Mathias Bothor/Serviceplan/ZDF

Zur Person

Nilam Farooq ist die Tochter eines pakistanischen Vaters und einer polnischen Mutter. Mit 14 begann sie zu schauspielern, hatte bald erste Rollen und machte sich zudem als YouTuberin einen Namen. Von 2013 bis 2019 war sie in der TV-Serie „SOKO Leipzig“ zu sehen. Für ihre Darstellung der Betty in „Heilstätten“ gewann sie 2019 den Jupiter Award, für die Hauptrolle in Sönke Wortmanns „Contra“ im Jahr darauf den Bayerischen Filmpreis sowie 2022 den Ernst-Lubitsch-Preis. „Take the Money and Run“ (Foto) läuft im ZDF-Streaming und ab 11. Januar wöchentlich auf ZDFneo.

4. Nach 36 Jahren in Berlin, denken Sie manchmal daran, die Stadt zu verlassen? 

Früher hätte ich das nie gedacht, Berlin war immer die einzige Stadt für mich, das Nonplusultra. Ich hatte es mit Anfang 20 auch mal versucht und bin ausgewandert, nach New York. Nach drei Monaten habe ich mein Berlin zu sehr vermisst und war zurück. Heute kann ich mir aber durchaus ein Leben woanders gut vorstellen. Wenn ich diesen großen Schritt gehe würde, dann wäre das wahrscheinlich ein Leben außerhalb von Deutschland, irgendwo mit viel Sonne. Da gibt es noch keinen festen Ort, zu dem es mich hinzieht, aber vielleicht werde ich eines Tages doch noch ein Landkind.

5. Ein gravierendes Problem, das auch in unseren Fragebögen oft angesprochen wird, ist der angespannte Wohnungsmarkt in Berlin. Wie erleben Sie das in Ihrem Umfeld?

Ich bin in der absolut privilegierten Lage, dass ich mich bereits durch einen Wohnungskauf absichern konnte. Auch in meinem Umfeld ist das ähnlich. Aber ich interessiere mich generell für den Immobilienmarkt und verfolge da schon immer noch die Preise. Und wenn ich mir die Mietpreise angucke und die wiederum mit Gehältern, die man so hört und kennt, vergleiche, dann ist mir auch ganz schnell klar, was das für ein riesiges Problem ist.

6. Welcher ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten, die Orte sind ja auch immer geprägt von den Erlebnissen und den Menschen, mit denen man dort Zeit verbracht hat. Viele Jahre habe ich den Freischwimmer in Kreuzberg in der Nähe des Schlesis sehr geliebt. Ich mochte auch immer die Admiralbrücke oder das Paul-Lincke- und Maybachufer. Das sind so spontan die Orte, die mir als erstes einfallen.

7. Ihre persönliche No-go-Area?

Die gibt’s zum Glück nicht ganz klar und deutlich in Berlin. Allerdings muss ich schon sagen, dass der Kotti mir, gerade wenn es dunkel wird, sehr suspekt ist. Und leider auch Ausläufer vom Görlitzer Park, da muss ich mich nicht unbedingt aufhalten.

8. Ein Abend mit Freunden – in welchem Restaurant wird reserviert?

Ich gehe so gerne essen und probiere immer wieder neue Restaurants aus. Es gibt ganz wenige, zu denen ich immer wieder zurückkehre, weil die Auswahl in Berlin einfach so, so groß ist. Deswegen kann ich mich nicht auf ein Lieblingsrestaurant festlegen. Ich entdecke lieber immer wieder neue.

9. Einkaufen in der Stadt – wo kennt ihre Kreditkarte kein Limit?

Ehrlich gesagt bei tollen Lebensmitteln. Ich denke da an Orte wie „Mitte Meer“, „Das Frischeparadies“ oder die sechste Etage im KaDeWe. Ansonsten, wenn ich bummeln und flanieren will, dann war es schon immer und wird es auch immer der Kudamm bleiben. Er hat sich auch mit der Zeit immer mehr gemacht und ich bin dort aufgewachsen.

10. Der beste Stadtteil Berlins?

Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht, weil ich finde, dass alle so unterschiedlich sind, mit besonderen Charaktereigenschaften. Aber wenn ich mich festlegen muss, dann Schöneberg – auch wenn ich dort noch nie selbst gewohnt habe. Ich finde alles rund um den Winterfeldtplatz und den Akazienkiez, das ist so eine gute Mischung aus allem. Und ich glaube, die Lebensqualität in Schöneberg ist sehr hoch.

11. Was nervt Sie am meisten an der Stadt?

Manchmal doch die Mentalität der Menschen hier. Es ist in Berlin eher schwer, ob das nun an der Berliner Mentalität oder der Masse an Menschen liegt, einfach mal kurz nett ins Gespräch zu kommen. Das ist mir zum Beispiel in Köln ständig passiert. Da stand ich vor dem Drogerieregal und wurde einfach angesprochen und irgendetwas gefragt. Das war ein kurzes, einfaches, nicht verpflichtendes Gespräch. Diese Berliner Schnauze, auch wenn wirklich ein weicher Kern dahinter ist, ist schon auch ein bisschen Hindernis und manchmal sehr nervig, um gute Laune und einen guten Tag zu haben.