Vermüllung, Leerstände und Baustellen setzen der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg zu. Eine Bürgerinitiative will den Stadtraum nun gemeinsam mit dem Kiez neu beleben, mit Kultur-Events, Urban Gardening und Aufräumtagen. Eine besondere Herausforderung für den Kiez wird der geplante Brückenneubau.
So oder so ähnlich könnte die Revitalisierung des Hochbahnviadukts während des Umbaus der Schönhauser Allee Brücke in Prenzlauer Berg aussehen. / © Foto: IMAGO, Visualisierung: ENTWICKLUNGSSTADT / KI
Die Schönhauser Allee zählt zu den bekanntesten Magistralen des Pankower Ortsteils Prenzlauer Bergs. Cafés, Bars, kleinere Läden und die hohe Dichte an Menschen prägen bis heute das Bild der Straße.
Gleichzeitig wächst bei vielen Anwohnerinnen und Anwohnern der Eindruck, dass die Aufenthaltsqualität spürbar nachgelassen hat. Vermüllung, Leerstände, Dauerbaustellen und der Rückzug des stationären Einzelhandels verändern den Charakter der Straße und sorgen bei einigen Anwohnern für Unzufriedenheit.
Bürger werden aktiv: Die Schönhauser Allee als gemeinsamer Stadtraum
Genau an diesem Punkt setzt bürgerschaftliches Engagement an. Mit der Initiative „Meine Schönhauser Allee“ formiert sich seit einiger Zeit eine lokale Bewegung, die den Stadtraum nicht nur kritisiert, sondern aktiv gestalten will. Im Mittelpunkt steht dabei die Überzeugung, dass Stadtentwicklung nicht allein Aufgabe von Politik und Verwaltung ist, sondern auch aus der Mitte der Stadtgesellschaft heraus Impulse braucht.
Initiiert wurde das Projekt von Lillemor Mallau, die seit vielen Jahren im Prenzlauer Berg lebt. Ihr Ansatz ist bewusst niedrigschwellig: Die Straße soll wieder als gemeinsamer Stadtraum verstanden werden, als Ort des Aufenthalts, der Begegnung und der Identifikation. Dabei geht es weniger um spektakuläre Großprojekte als um viele kleine, sichtbare Veränderungen im Alltag.
Kultur-Events, Urban Gardening und weitere Aktionen sollen die Schönhauser Allee lebenswerter machen
Geplant sind unter anderem Urban-Gardening-Ansätze, temporäre Treffpunkte, öffentlich nutzbare Schachfelder oder kulturelle Aktionen. Ziel ist es, Flächen, die heute oft anonym oder vernachlässigt wirken, für die Stadtgesellschaft zurückzugewinnen.
Die Initiative versteht die Schönhauser Allee dabei ausdrücklich als einen zentralen Ort im Osten Berlins, der durch seine internationale Prägung und kreative Szene über den Kiez hinaus Bedeutung hat.
Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg: Einzelhandel, Kultur und lokale Verantwortung
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung des lokalen Einzelhandels. Gerade kleinere Geschäfte geraten durch Onlinehandel, steigende Mieten und Baustellen zunehmend unter Druck. Um gegenzusteuern, plant die Initiative unter anderem Veranstaltungen wie Modenschauen oder Aktionstage, bei denen sich Läden, Boutiquen und Kreativschaffende gemeinsam präsentieren können. Dahinter steht die Idee, Konsum wieder stärker lokal zu verankern und den wirtschaftlichen Kreislauf im Kiez zu stabilisieren.
Auch Kinder und Jugendliche sollen aktiv eingebunden werden. Müllsammelaktionen, Workshops und Kooperationen mit Schulen zielen darauf ab, frühzeitig ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit, Stadtraum und gemeinschaftliches Handeln zu schaffen. Bürgerschaftliches Engagement wird hier als Lernprozess verstanden, für alle Generationen.
Geplanter Brückenneubau wird zum Stresstest für die Anwohner in Pankow
Besonders brisant ist das Engagement vor dem Hintergrund des geplanten Brückenneubaus an der Schönhauser Allee. Die Baustelle wird die Straße über einen langen Zeitraum zusätzlich belasten und bestehende Probleme verschärfen. Gleichzeitig sieht die Initiative darin auch einen möglichen Wendepunkt: Gerade in Phasen des Umbruchs könne sich entscheiden, ob ein Stadtraum weiter an Qualität verliert, oder ob neue Perspektiven entstehen.
Um ihre Ideen umzusetzen, bewirbt sich die Initiative um Fördermittel, unter anderem aus Programmen zur wirtschaftlichen Stärkung von Geschäftsstraßen. Perspektivisch könnten auch Instrumente wie Business Improvement Districts eine Rolle spielen, bei denen Eigentümer und Akteure vor Ort gemeinsam Verantwortung für ihr Umfeld übernehmen.
Ehrenamt und persönliches Engagement: Identifikation mit dem Projekt Schönhauser Allee
Noch ist vieles im Aufbau, vieles ehrenamtlich organisiert. Doch das Beispiel der Schönhauser Allee zeigt, welches Potenzial in lokalem Engagement steckt. Wenn Anwohnerinnen, Gewerbetreibende und Kreative gemeinsam Verantwortung für ihren Stadtraum übernehmen, kann daraus mehr entstehen als punktuelle Verschönerung.
Es geht dabei vor allem um langfristige Identifikation, um soziale Stabilität und um die Frage, wie lebendige Stadt jenseits großer Masterpläne entstehen kann. Ob dies bei der Schönhauser Allee gelingen kann, bleibt abzuwarten. Doch allein der proaktive Ansatz der Initiative ist schon ein Schritt in die richtige Richtung.
Quellen: Berliner Morgenpost, Der Tagesspiegel, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
