Krimireife Szenen haben sich am Nachmittag des 5. April vergangenen Jahres in Seckenhausen abgespielt. Doch es wurde mitnichten ein Film gedreht. Zwei Männer, die mit Freunden auf einem Grundstück an der Delmenhorster Straße (B 322) standen, wurden von Schüssen aus einem vorbeifahrenden Auto an den Beinen getroffen und beide schwer verletzt. Erste Ermittlungen ließen auf zumindest einen Tötungsversuch schließen. Es sollten mehr als dreieinhalb Monate vergehen, bis die Mordkommission „Container“ der Polizeiinspektion Diepholz die mutmaßlichen Täter dingfest machen konnte. Vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Verden beginnt am Dienstag, 13. Januar, der Strafprozess gegen die Bremer.
Den 33 und 28 Jahre alten Angeklagten wird versuchter Mord in Tateinheit mit zweifacher gefährlicher Körperverletzung zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft geht vom Mordmerkmal der Heimtücke aus. Der Ältere gilt nach Auskunft von Gerichtssprecher Jörg Niemeyer als Hauptangeklagter und soll insgesamt sieben Schüsse abgegeben haben. Er soll beabsichtigt haben, einen der beiden Geschädigten (54 und 67 Jahre alt) zu töten, dabei den möglichen Tod des anderen Mannes billigend in Kauf genommen haben. Den 28-Jährigen soll er seinerzeit „überredet“ haben, als Fahrer des schwarzen VW Variant zu fungieren. Ob der wegen Mittäterschaft angeklagte Mann von vornherein wusste, welchem Zweck die Tour mit ihm als Chauffeur dienen sollte, muss wohl noch geklärt werden.
Finanzielle Streitigkeiten zwischen Opfer und Täter
Zwischen dem 33-Jährigen und einem der Opfer sollen „finanzielle Streitigkeiten“ bestanden haben. Worum es genau ging, dürfte sich im Zuge der Beweisaufnahme noch herausstellen. An jenem Sonnabend Anfang April befanden sich die Geschädigten nach damaligem Polizeibericht zusammen mit Freunden auf einem Grundstück an der Delmenhorster Straße in Seckenhausen, und zwar „an der Grundstücksgrenze am Gehweg“. Laut Niemeyer handelte es sich um das Hinterhofgelände eines Autohandels, und die Männer standen im vorderen Bereich „bei Containern“. (Was auch die Bezeichnung der bald gebildeten Mordkommission erklärt).
Das Auto mit Bremer Kennzeichen soll sich mit einem Tempo von etwa 40 Stundenkilometern aus Richtung der Bundesstraße 6 genähert haben. Während des Vorbeifahrens wurde nach den Feststellungen geschossen. Eines der Opfer erlitt Verletzungen am linken Unterschenkel sowie am rechten Oberschenkel, das andere ebenfalls eine Schussverletzung an der linken Wade. Beide wurden vor Ort von Rettungskräften versorgt und dann in ein Krankenhaus gebracht. Derweil hatten sich die Unbekannten im Kombi längst aus dem Staub gemacht. Sie waren Richtung Groß Mackenstedt und eventuell über die nahe Autobahn 1 entkommen.
Tathergang wird umfangreich rekonstruiert
Die umfangreiche Fahndung nach den flüchtigen Tätern blieb erst einmal ohne Ergebnis. Am 3. Juni 2025 rekonstruierte die Polizei am Tatort den Ablauf des Geschehens, wie er sich bis dato darstellte. Die Delmenhorster Straße wurde dafür von der Kreuzung mit der Bundesstraße 51 bis zur Einmündung Diepholzer Straße für rund eine Stunde gesperrt. Das Tatfahrzeug war zu diesem Zeitpunkt noch nicht aufgespürt worden. Es vergingen weitere sieben Wochen, bis die „Moko“ (Mordkommission) und die Staatsanwaltschaft Verden schließlich gemeinsam einen „Ermittlungserfolg“ vermeldeten.
Zwei „dringend Tatverdächtige“ seien bei einem „gezielten Zugriff“ am 22. Juli des vergangenen Jahres in Bremen und Stuhr vorläufig festgenommen worden, hieß es in einer Pressemitteilung. An den „operativen Maßnahmen“ seien Einsatzkräfte der Bremer und der Hamburger Polizei sowie der Polizeiinspektion Diepholz beteiligt gewesen. Der mutmaßliche Schütze ging den Fahndern nach Angaben Niemeyers in der nahen Hansestadt ins Netz, der Komplize in der Nähe der Delmenhorster Straße in Seckenhausen. Beide Männer befinden sich seither in Untersuchungshaft und nun wird ihnen der Prozess gemacht. Beginn ist Dienstag, 13. Januar, ab 13.30 Uhr.
Die 10. Große Strafkammer – als Schwurgericht – hat vorerst neun Fortsetzungstermine bis Mitte April anberaumt und 18 Zeuginnen und Zeugen sowie zwei Sachverständige geladen.