Berlin erwartet in der Nacht zu Montag die bislang kälteste Nacht des noch jungen Jahres. Bei bis zu minus zwölf Grad droht für Menschen ohne Obdach der Kältetod. Nach Angaben der Berliner Stadtmission leben etwa 6000 Menschen auf Berlins Straßen.
Zwischen 20 Uhr und zwei Uhr morgens fahren deshalb bis zu drei Kältebusse der Helfer nach Hinweisen aus der Bevölkerung durch die Stadt, um den Obdachlosen Kleidung, Essen und weitere Mittel zu liefern. Zusätzlich verkehren auch zwei sogenannte Wärmebusse des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Hauptstadt.
Wie man in Berlin helfen kann „Obdachlose sterben auch bei Plusgraden an Unterkühlung“
Die Stadtmission hat für Hilfswillige gleich mehrere Tipps. „Wenn Sie Menschen sehen, die auf der Straße liegen, sprechen Sie sie an, ob sie Hilfe brauchen. Wenn sie nicht sprechen können, schauen Sie, ob sich der Körper bewegt, das ist ein Zeichen, dass sie noch atmen“, teilt Sünje Hansen, Einrichtungsleiterin der Bahnhofsmission, dem Tagesspiegel mit.
Erst ansprechen, dann anrufen: So rufen Sie den Kältebus
Ist die Person nicht ansprechbar, sollte direkt die Feuerwehr oder die Polizei gerufen werden. Ansonsten kann auch der Kältebus der Berliner Stadtmission kontaktiert werden.
An der Hotline wird genau abgefragt, ob eine Anfahrt Sinn ergibt. Denn die betroffene Person müsse die angebotene Hilfe annehmen wollen, heißt es. Deshalb sollten Anrufer nicht die Nummer wählen, ohne vorher einen Gesprächsversuch gemacht zu haben.
Das sind die wichtigsten Nummern, um Hilfe zu leisten:
Kältehilfetelefon der GEBEWO pro gGmbH
Telefon: 030 34397140
Hilfe-Hotline für obdachlose Menschen der Obdachlosen-TaskforceX
Telefon: 0157 80597870 (Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr)
Kältebus der Berliner Stadtmission
Telefon: 030 690333690 (täglich von November bis März von 20 bis 2 Uhr)
Wärmebus des DRK-Landesverbandes Berliner Rotes Kreuz e. V.
Telefon: 030 6003001010 (täglich von November bis März von 18 bis 24 Uhr)
KARUNA Sub – Buslinie für obdachlose Menschen
Telefon: 0157 86605080 (ganzjährig Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr)
Wenn eine obdachlose Person hilflos wirkt oder nicht ansprechbar ist, sollen direkt Polizei und Feuerwehr kontaktiert werden.
Grundsätzlich brauchen Menschen bei den derzeitigen Temperaturen auf der Straße laut der Stadtmission mindestens zwei Schlafsäcke. Auch Isomatten und ein Zelt sind notwendig.
Weitere 100 Schlafplätze eingerichtet
In den vergangenen Nächten stieß die Berliner Kältehilfe bereits an ihre Grenzen. So waren die 125 Plätze in der Notübernachtung Lehrter Straße bereits voll gewesen.
Deshalb hat die Stadtmission am Bahnhof Zoologischer Garten ein Nachtcafé eingerichtet. Von Freitagabend bis Montagfrüh sind die Räume der ehrenamtlichen Helfer zu einer zusätzlichen Notunterkunft umfunktioniert worden.
Nach Angaben von Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) werden die zusätzlichen Notübernachtungsplätze für obdachlose Menschen gut angenommen. „Bisher hat alles wirklich sehr gut geklappt“, teilte Kiziltepe am Sonntag mit, nachdem sie am Samstagabend das Nachtcafé am Bahnhof Zoo besucht hatte. „Wie gut, dass wir mit Blick auf die Kälte an diesem Wochenende noch 100 zusätzliche Plätze eingerichtet haben.“
Mehr zum Thema:Ein Dach über den Kopf für die Ärmsten So läuft die Winternothilfe in Potsdam an Frank Zander im Interview „Ich sehe mich als modernen Robin Hood“ Eine Nacht im Berliner Kältebus „Vielen sieht man ihre Obdachlosigkeit nicht an“
Sie habe in Telefonaten etwa mit der Polizei, der BVG und Senatskollegen um einen besonders sensiblen Umgang gebeten. „Ich wollte verhindern, dass irgendjemand nachts in der eisigen Kälte draußen schlafen muss oder von einem warmen Ort vertrieben wird. Das wäre lebensgefährlich.“
Die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales verwies außerdem auf die Kältehilfe-App. Dort werde angezeigt, wo die nächsten Anlaufstellen in der Umgebung seien.