Nach dem spektakulären Einbruch in die Filiale der Sparkasse in Gelsenkirchen-Buer steht nicht nur die Tätersuche im Fokus.
Auch das Verhalten des betroffenen Instituts rückt zunehmend in den Blick von Politik und Ermittlern, wie auch NRW-Minister Herbert Reul bemängelt.
Sparkasse in Gelsenkirchen sorgt für Kritik
Der Einbruch in eine Sparkassen-Filiale sorgt in Gelsenkirchen weiter für politischen Wirbel. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul übt scharfe Kritik am Verhalten des Instituts. Er bemängelt eine mangelhafte Weitergabe wichtiger Informationen an Polizei und Staatsanwaltschaft. Nach seinen Worten erschwerte das die Ermittlungen erheblich. „Fest steht: Weil die Informationen gefehlt haben und nicht zur Verfügung gestellt wurden, mussten Polizei und Staatsanwaltschaft hier tätig werden“, sagte Reul der „Rheinischen Post“.
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Deshalb durchsuchten Ermittler die Bank, um fehlende Daten zu sichern. „Es ging bei der Durchsuchung der Bank um die Sicherstellung von Datenträgern sowie notwendigen Kundendaten, die bisher noch nicht vorgelegen haben“, erklärte der Minister.
Die Sparkasse Gelsenkirchen widersprach der Darstellung gegenüber DER WESTEN. Man unterstütze die Ermittler nach Kräften und habe „alle angeforderten Daten zur Verfügung gestellt, soweit es ihr möglich war“, heißt es in einem Statement und weiter: „In einem Auskunftsersuchen hatte die Staatsanwaltschaft aber beispielsweise Videoaufnahmen und Listen angefordert, deren Zusammenstellung, Sicherung und Übermittlung mehr Zeit in Anspruch nehmen. Die Herausgabe war uns daher bislang nicht möglich. Uns ist wichtig zu betonen, dass wir uns in keiner Weise gegen die Herausgabe gesperrt haben.“
Der spektakuläre Einbruch hatte kurz nach Weihnachten weltweit Aufmerksamkeit ausgelöst. Täter gelangten über ein Parkhaus in die Filiale im Stadtteil Buer. Sie bohrten ein großes Loch in eine Wand. So erreichten sie den Tresorbereich. Dort knackten sie fast alle der rund 3250 Schließfächer. Die genaue Schadenssumme bleibt offen. Erste Schätzungen gehen von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag aus. Experten halten auch deutlich höhere Summen für möglich. Die Ermittlungen laufen weiterhin auf Hochtouren.
Hinweise auf gezieltes Vorgehen der Täter
Reul hält ein planvolles Vorgehen für wahrscheinlich. Er deutete an, dass die Täter genaue Kenntnisse gehabt haben könnten. Auf die Frage nach internen Helfern sagte er: „Die Täter wussten wahrscheinlich genau, wonach sie suchen, und wussten auch, wie sie es bekommen.“ Ob ein Insider half, prüfen die Ermittler nun intensiv. Der Innenminister zeigte sich zudem überrascht über die Dimension der Beute. „Ich hätte nicht gedacht, dass so viel Geld in Bankschließfächern schlummert, sondern dass man sein Geld sicher aufs Konto legt“, sagte Reul.
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Bislang gibt es keine Festnahmen. Konkrete Hinweise auf die Identität der Täter fehlen noch. Polizei und Staatsanwaltschaft arbeiten weiter an der Aufklärung. Der Fall wirft zugleich Fragen zur Sicherheit von Schließfächern auf. Auch das Informationsverhalten von Banken rückt stärker in den Fokus. In Gelsenkirchen bleibt der Einbruch damit nicht nur ein Kriminalfall. Er entwickelt sich zu einem politischen und institutionellen Problem mit Signalwirkung.