Ein Geschäft bis oben hin voll mit kleinen und großen Spielzeugautos, einer Kinderküche, Rutschfahrzeugen, Pikler-Dreieck, Faschingskostümen und allem, was das Spielzeugherz begehrt. Auf einem Schild am Eingang prangen die Worte: „Ausprobieren ausdrücklich erlaubt“. Und die Spielsachen können nicht nur ausprobiert, sondern von den kleinen Besucherinnen und Besuchern auch ausgeliehen und mit nach Hause genommen werden.

Was klingt, wie der wahnwitzige Fiebertraum jedes Kindes, ist am Marktplatz in Fellbach ab dem 10. Januar Realität. Denn die neue Spielzeug-Bibliothek ist nicht nur der Traum für viele Kinder, sondern auch der von Daniela Bundschuh. Den hat sich die Stuttgarterin mit der rund 100 Quadratmeter großen Spielzeug-Bibliothek nun erfüllt – und dafür ihre Karriere bei Mercedes an den Nagel gehängt.

Daniela Bundschuh Foto: Julia Schenkenhofer In die Australien-Planung flatterte das Abfindungsangebot von Mercedes herein

Dabei war Spielzeugbibliothekarin, Geschäftsgründerin und Kinder-Träume-Erfüllerin nicht immer das Berufsziel der 38-Jährigen. Nach einer Lehre zur Bankkauffrau studierte Bundschuh in Stuttgart Marketing und Werbung und arbeitete dann 12 Jahre bei Mercedes. In ihrer ersten Elternzeit machte sie noch einen Studienabschluss in Nachhaltigkeits-Management: „Ich habe mit dem Gedanken gespielt, etwas anderes zu machen“, berichtet sie. Veränderung gehört für sie zum Leben dazu.

Als sie mit den Kindern und dem Ehemann dann gerade einen mehrmonatigen Aufenthalt in Australien plante, kam das Angebot für die Abfindung. Bundschuh überlegte nicht lange. Getreu dem Motto: ‚Wenn nicht jetzt, wann dann‘ sah sie den Neuanfang als Chance, nahm das Angebot an und beendete am 31. Dezember 2024 ihre Konzernkarriere. „Das klingt alles natürlich einfach, wenn ich es so erzähle. Aber natürlich fallen einem solche Entscheidungen nie leicht und man ringt damit“, erzählt die zweifache Mutter. Die, so zunächst der Plan, „etwas mit Nachhaltigkeit“ machen wollte.

Abfindung von Mercedes: Überraschende Erkenntnisse

Und dann lernte sie beim folgenden Aufenthalt mit der Familie im australischen Perth die „toy libraries“ kennen: „Das ist so einfach und so genial. Es ist nachhaltig und fördert die Autonomie des Kindes, weil es sich selbst etwas aussuchen kann. Dort sind das richtig tolle Treffpunkte. Meine Kinder haben sich Sachen ausgesucht, die ich nie ausgewählt hätte. Aber sie haben richtig lange damit gespielt und ich hatte auf einmal Zeit, mich hinzusetzen und zu lesen,“ berichtet sie begeistert.

Es gibt klare Regeln. Foto: Julia Schenkenhofer

Neben den vielen positiven Aspekten für die Kinder würden aber auch die Eltern von dem Konzept profitieren. Algorithmen die nur Markenspielsachen vorschlagen, stundenlanges recherchieren, Spielsachen wegräumen und wieder verkaufen gehört mit dem findigen Ausleihprinzip nämlich der Vergangenheit an. „Dann darf vielleicht auch mal das blinkende Plastikspielzeug daheim einziehen, schließlich bleibt es ja nicht ewig“, so Bundschuh lachend.

Nach der Abfindung von Mercedes: Planungen für weitere Bibliotheken

Und weil das Konzept sie so überzeugte, war ihr schnell klar: „Das brauchen wir auch in Deutschland“. Nach rund einem halben Jahr Planung kam die Zusage für die Räumlichkeiten in Fellbach. In Stuttgart, wo die junge Mutter wohnt, habe sie keine Location gefunden, erzählt sie weiter. Zumindest bis jetzt nicht. Denn es soll keinesfalls bei nur einer Spielzeug-Bibliothek bleiben. Der kreativen Geschäftsfrau sieht für die Spielzeug-Bibliothek, die als gemeinnützige GmbH auch inklusive Spielsachen wie Klangmemory und stille Stunden für Kinder im Autismus-Spektrum anbietet, nämlich ein ganzes Netz von Niederlassungen in Baden-Württemberg vor. Und so eröffnet schon im März die zweite in Nürtingen.

Neben viel Euphorie und Vorfreude auf die Zukunft schweben aber natürlich auch Sorgen mit: „Alle sagen mir, sie finden das Konzept genial. Aber ob am Ende auch genug Leute kommen, die ein Abo abschließen, weiß ich natürlich nicht. Außerdem basiert das Konzept viel auf Vertrauen und Gemeinschaft, ob das hier aufgeht?“.

Rund 300 Spielsachen gibt es derzeit schon

Die ersten Besucherinnen und Besucher sind aber begeistert. Während Daniela Bundschuh vor der Eröffnung Regale aufbaut, klopfen immer wieder Menschen an die Tür und stellen neugierig Fragen zum Konzept. Auch die ersten Kinder sind beim Anblick der vielen Spielsachen ganz aus dem Häuschen. Um die 300 Spielsachen hat Bundschuh angeschafft – vom Montessori Regenbogen bis zur Plastik-Rennbahn. „Mir war wichtig, dass die Sachen langlebig sind und dass man auch, sollte mal ein Teil verloren gehen, weiter damit spielen kann. Das entstresst das Ganze für die Eltern“, erklärt Daniela Bundschuh.

Davon abgesehen habe sie aber natürlich auch einfach das gekauft, was Kindern viel Freude macht. Schließlich sind sie es, die am Ende Spaß damit haben sollen.

Mehr Infos

Spielzeug-Bibliothek
für Kinder von 0 bis 7 Jahre.

www. spielzeug-bibliothek.de