Von: InsideEVs.de
Erschien in Kooperation mit InsideEVs.de
Fast 600 Kilometer Reichweite und eine Ladezeit von nur zehn Minuten: Der finnisch-estnische Motorradhersteller Verge stellt ambitionierte Versprechen auf.
Festkörperbatterien gelten als die nächste große Innovation in der Elektromobilität. Nun wird erstmals ein Serienmotorrad mit dieser Technologie ausgestattet. Die Verge TS Pro soll künftig einen Festkörperakku des Herstellers Donut Lab erhalten. Dadurch verkürzt sich die Ladezeit auf lediglich zehn Minuten, während die Reichweite auf bis zu 595 Kilometer steigt. Die ersten Modelle sollen bereits in den kommenden Monaten ausgeliefert werden.
Die Vorstellung erfolgt auf der heute startenden CES in Las Vegas. Bereits bei der letztjährigen CES sorgte der finnische Hersteller Verge Motorcycles mit der Verge TS und ihrem innovativen nabenlosen Hinterrad für Aufsehen. Nun plant das Unternehmen, das Motorrad mit einer echten Festkörperbatterie (All-solid state battery, ASSB) auszustatten, wie Firmenchef Marko Lehtimäki im folgenden Video erläutert:
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Theoretisch könnten Festkörperakkus die größten Herausforderungen aktueller Lithium-Ionen-Batterien lösen, jedoch gibt es bislang kein Serienfahrzeug, das diese Technologie nutzt, erklärt Lehtimäki. Verge möchte dies ändern. Das System umfasst neben der Batterie auch die dazugehörige Elektronik, das Thermomanagement sowie die Software.
Die Energiedichte soll mit 400 Wattstunden pro Kilogramm außergewöhnlich hoch sein. Laut einer Pressemitteilung von Donut Labs bezieht sich dieser Wert sogar auf den gesamten Akku inklusive Gehäuse und Kühlung, und nicht nur auf einzelne Zellen. Die Ladezeit ist extrem kurz – die Batterie soll innerhalb von fünf Minuten vollständig geladen werden können. Zudem soll die Anzahl der Ladezyklen nahezu unbegrenzt sein: Bis zu 100.000 Zyklen seien möglich. Bei einer Reichweite von 600 Kilometern würde dies rechnerisch für 60 Millionen Kilometer ausreichen. Zum Vergleich: Aktuelle Batterien weisen Energiedichten von etwa 250 bis 300 Wh/kg auf und schaffen zwischen 1.000 und 5.000 Ladezyklen.
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Zusätzlich sollen die Kosten niedriger ausfallen – sogar günstiger als bei heutigen Flüssigelektrolyt-Batterien. Die benötigten Materialien seien weltweit verfügbar. Der Akku eigne sich für verschiedenste Anwendungen, darunter Zweiräder, Autos, stationäre Energiespeicher, Drohnen und Roboter. Besonders stolz zeigt sich Lehtimäki darüber, dass die Batterie bereits serienreif sei. Das erste Fahrzeug, das sie nutzen wird, ist die Verge TS.
Die Verge TS Pro hat bereits im Jahr 2025 bewiesen, dass sie eine Strecke von 350 Kilometern ohne Nachladen bewältigen kann. Im November präsentierte das Unternehmen auf der Mailänder Motorradmesse EICMA den Nachfolger, der insbesondere durch einen verbesserten Motor überzeugt. Ein Detail hielt Verge jedoch bis zuletzt geheim: Die Ausstattung des Motorrads mit einer ASSB von Donut Lab. Diese Neuerung betrifft alle neuen TS Pro Modelle.
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Unglaublich kurze Ladezeiten
Die Ladezeit verkürzt sich von 35 Minuten auf unter zehn Minuten. Man habe die Ladezeit sogar absichtlich verlängert, angeblich damit Nutzer Zeit für einen Cappuccino haben. Neben einer Version mit 350 Kilometern Reichweite wird nun auch eine Long-Range-Variante mit bis zu 600 Kilometern angeboten. Beide Modelle sollen über die gesamte Lebensdauer des Motorrads hinweg ihre Leistung beibehalten.
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Auch beim Laden gibt es keine Einschränkungen: Der Akku verträgt häufiges Schnellladen ebenso wie vollständiges Aufladen auf 100 Prozent. Extreme Temperaturen sollen den Zellen ebenfalls nichts anhaben können – selbst bei –30 Grad oder +100 Grad behält die Batterie angeblich 99 Prozent ihrer Speicherkapazität. Zudem besteht keine Gefahr, dass sich die Zellen bei Beschädigung entzünden.
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Und was ist mit Elektroautos? Auch diese sollen bald mit der ASSB-Technologie von Donut Lab ausgestattet werden. Zu den ersten Fahrzeugen zählen Modelle von Watt Electrics. Gemeinsam entwickelt man eine leichte Plattform, die sowohl die Donut-Batterie als auch Donut-Motoren integriert. Diese Plattform soll bereits Herstellern angeboten werden. Darüber hinaus wird der batteriegetriebene Anhänger von Cova Power (Firmenwebsite) ebenfalls mit dem neuen Akku ausgestattet.
Die neue TS Verge Pro verfügt über einen um 50 Prozent leichteren Donut-Motor, wobei Leistung und Drehmoment unverändert bleiben. Das Motorrad beschleunigt in nur 3,5 Sekunden auf 100 km/h. Mit dem neuen Batteriepaket lässt sich die Reichweite innerhalb von zehn Minuten um 300 Kilometer erhöhen.
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Die Preise bleiben stabil. Laut Konfigurator kostet die Version mit 350 Kilometern Reichweite 36 581 Euro, während die Variante mit 600 Kilometern Reichweite um 3.000 Euro teurer ist. Bestellungen sind bereits möglich; eine Anzahlung von 100 Euro ist erforderlich, der Restbetrag wird vor Produktionsbeginn fällig. Als voraussichtlicher Liefertermin wird Januar 2026 angegeben. Laut einer Pressemeldung von Donut Lab soll auch die TS Ultra (Konfigurator) mit der neuen ASSB ausgestattet werden. Für dieses Modell wird ebenfalls eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern angegeben, wobei die Auslieferung für das zweite Quartal geplant ist und der Preis bei 54 431 Euro liegt.
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Zwar hat VW auf der IAA ein Elektromotorrad mit Festkörperakku vorgestellt, doch handelte es sich dabei offenbar eher um ein Konzeptfahrzeug. Verge hingegen präsentiert ein Serienmotorrad mit dieser Technologie: die neue TS Pro. Der Akku stammt vom Schwesterunternehmen Donut Lab; Marko Lehtimäki leitet beide Firmen und hat große Erwartungen an seine Technologie.
Einige Punkte werfen jedoch Fragen auf: So fehlen Angaben zur Speicherkapazität des Akkus sowie Details zum Thermomanagement (Luft- oder Wasserkühlung) und den Zellen. Zudem wird die Batterie lediglich als Rendering gezeigt. Im Video wird beim Thema Aufladen nur eine einzelne Zelle gezeigt, nicht der komplette Akku. Es bleibt unklar, ob die Serienproduktion der Batterie bereits angelaufen ist. Angesichts dieser Unklarheiten erscheint der im Konfigurator angegebene Liefertermin Januar 2026 recht optimistisch.