Irgendwas bleibt immer. Zum Beispiel dieser Satz „Alles wird gut“, mit dem Nina Ruge verlässlich ihre „Leute heute“-Sendungen abmoderierte. Was macht die Ruge eigentlich heute? Schreibt und redet über lebensverlängernde Maßnahmen, interessant. Und passt auch zu Bushido, der seine Abschieds-Tour (die nächste Abschiedstour nach „Die letzte“-Tour 2024) „Alles wird gut“-Tour genannt hat.

Gerade im Gangsta-Rap, zumal verbandelt mit echter Clan-Kriminalität, kann ein Karriereende schon eine lebensverlängernde Maßnahme sein. Anis Ferchichi alias Bushido alias „The Dark Knight“ will sich den ganzen Stress also sparen und fortan in Dubai den „Sonnenbank Flavour“ genießen oder sich seiner Frau und den acht Kindern in der neuen Villa in Grünwald widmen. Noch einmal auf die große Bühne in der Olympiahalle, und dann „Alles wird gut“ (22. Januar).

Es ist aber lange nicht vorbei mit dem deutschen Hip-Hop. Obwohl man von den feinen Fünf Sterne Deluxe schon lange nichts mehr gehört hat, ist Das Bo wieder fleißig am Reimen.  Mirko Alexander Bogojević hat zugehört und geprägt, wie man in den Neunzigern so sprach. Jetzt geht er, der vor genau 25 Jahren „Türlich Türlich“ rappte, auf seine erste Solo-Tour, die er  „Tourlich Tourlich“ nennt. Laut neuer Single ist er „Überfordert“, macht aber munter und witzig weiter mit Sätzen wie: „Botox ist der falsche Weg, sich zu entfalten“. Am 27. Januar reimt er sich flüssig durchs Ampere des Muffatwerks.

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Nebenan, in der größeren Muffathalle, macht ein weiterer Reim-Akrobat seine Kapriolen: Der Rostocker Pöbel MC, der sich laut Selbstauskunft „von feuchten Kellergemäuern autonomer Jugendzentren in ausverkaufte Konzertsäle von stattlicher Größe“ hochgearbeitet habe. Auch er achtet auf seine Gesundheit, absolvierte „ein Höhentraining in lebensfeindlichen Felslandschaften zur weiteren Steigerung seiner einzigartigen Live-Performance“, und ist nun zurück (31. Januar).

Party, das können die deutschen Hip-Hopper. Das sieht man auch an Reezy aus der Frankfurter Schule. Viele kennen noch seinen Vater D-Flame, andere seinen Kumpel Bausa, aber spätestens seit dem Nummer-Eins-Album aus dem Jahr 2025 auch ihn, den „Natural Born Spinner“. Am 24. Januar gastiert er in der Olympiahalle.

„Uwe“, das sind Uwe und Jansen. Dazu kommen noch der Schlagzeuger von Marteria und der Basssaxofonist von  Meute, und in ihrer Straße in Hamburg gehe noch  Bonez MC manchmal mit seinem Hund spazieren.„Uwe“, das sind Uwe und Jansen. Dazu kommen noch der Schlagzeuger von Marteria und der Basssaxofonist von Meute,und in ihrer Straße in Hamburg gehe noch  Bonez MC manchmal mit seinem Hund spazieren. (Foto: Henning Rogge)

Hip-Hop, die große Sause, dafür waren auch zwei verantwortlich, die jetzt eher mit sambaesker, gesellschaftskritscher Indie-Tanzmusik  („Junge Milliardäre“) Furore machen: Uwe. Die hießen früher Nobelpenner und bestehen aus den Hamburgern Uwe und Jansen, von denen der eine Hits von Dendemann produzierte und der andere preisgekrönte Videos von Deichkind (und mehr für 2Raumwohnung, Jarvis Cocker oder Tokio Hotel). Ihre „Paradies Paradas“-Tour bringt sie am 16. Januar ins Milla.

Hip-Hop ist auch die Basis von TBS. Besser: The Butcher Sisters, eine Mannheimer Truppe, die es mit spaßigen Coverversionen von Haftbefehl bis Jan Böhmermann zu einigem Ruhm gebracht hat (24. Januar, Tonhalle), und auch als Vorgruppe von Aligatoah, der wie sie seine Metal-Leidenschaft im Hip-Hop auslebt. Metal und Deutsch-Rap, das passt durchaus zusammen, wie einst schon Romano („Klapps auf den Pop“) in seiner nicht nur ironisch zu verstehenden Hymne  „Metalkutte“ feststellte (17. März, Technikum).

Auf diese harte Tour kommt auch Kim Dracula nach München, ein wahrer tasmanischer Teufel (30. Technikum). Eine „Internetpersönlichkeit“ wurde der Metal-Rapper Samuel Wellings durch sein Cover von Lady Gagas „Paparazzi“, sein Pseudonym ist eine Hommage an den Song der Deftones (die übrigens am 3. Februar das ausverkaufte Zenith rocken).

Ist das noch „Türlich Türlich“ oder schon übernatürlich? Das Bo geht auf seine erste Solo-Reise „Tourlich Tourlich“.Ist das noch „Türlich Türlich“ oder schon übernatürlich? Das Bo geht auf seine erste Solo-Reise „Tourlich Tourlich“. (Foto: Timmo Schreiber)

Wer es brachial, aber tiefsinniger mag, wird von grandson in der Tonhalle aufs Feinste bedient. Der kanadisch-US-amerikanische Musiker kanalisiert seine Wut über Waffengesetze, Gier und alltägliche Gewalt in Soundssalven aus Heavy-Metal-Riffs, Punk und  Trap-Rap (29. Januar, Tonhalle).

Wer seinen Blutdruck lieber senken will, geht zu Dave in die Olympiahalle (2. Februar). Großbritanniens Rap-Superstar („The Boy Who Played The Harp“) gibt es zwar nicht auf Krankenschein, aber in die Lebensqualität steigernde Musik-Behandlungen kann man schon mal privat investieren. David Orobosa Omoregie, Londoner Kind einer Nigerianerin,  wurde 2015 per Youtube zum Selfmade-Star, sein Album „Psychodrama“ war 2019 Album des Jahres bei den Brit Awards. Dave kann endlose Geschichten über die Missstände über Rassismus, Armut und den geistigen Verfall rappen, und doch hat man am Ende das Gefühl: „Alles wird gut“.