„Wuppertal kann Karneval“, dieses selbstbewusste Statement wurde am vergangenen Freitag beim Neujahrsempfang des Carneval Comitee Wuppertal (CCW) im Gemeindesaal Hottenstein schwungvoll mit Leben erfüllt. Weder Schneetreiben noch Glättegefahr hatten die Wuppertaler Narren daran gehindert, zahlreich nach Nächstebreck zu kommen und den Sessionsauftakt stimmungsvoll zu feiern.
Und dazu trug natürlich auch das vielfarbige Programm bei, das der CCW dem Publikum präsentierte. Und nachdem CCW-Präsident Wilfried Michaelis der Prinzengarde die Bühne übergeben hatte, folgte der erste Höhepunkt mit gleich zwei Premieren: Nordhild Neumeyer, die Präsidentin der Prinzengarde, hatte nämlich ein kleines Musical inszeniert und konnte sich dabei auf ihre „rechte Hand“, die tänzerisch brillante und als „Kommandantin“ der 13-köpfigen Truppe (ein Junge) einfühlsame Trainerin Melissa Peters verlassen. Die hatte die Ideen Nordhilds perfekt umgesetzt und wirbelte auch selbst temperamentvoll über die Bühne und sorgte gleich für tobende Begeisterung im Saal.
Die nächste Premiere folgte: Nordhild Neumeyer stieg nämlich in die Bütt und hielt in ihrer pointierten gereimten Rede den anwesenden Politikern mit Bürgermeister Rainer Spiecker an der Spitze, einen satirisch eingefärbten Spiegel vor, der Lacher und Beifall herausforderte. „Es hat schon lange keine Büttenrede aus Wuppertaler Produktion mehr gegeben. Deshalb habe ich das mal gewagt“, so die vielseitig begabte Karnevals-Ikone, die vor allem Schul- und Sportpolitik aufs Korn genommen und auch den Eltern-Taxis ein paar bissige Worte ins Stammbuch geschrieben hatte. „Miriam, ich setze alle Hoffnung auf Dich“ war ihre erwartungsfrohe Botschaft an das neue Stadtoberhaupt.
Spiecker verkündet eine Freudenbotschaft
Orden und Ehrungen gehören natürlich zu einer Sitzung, und so wurde unter anderem Claudia Obermeier auf die Bühne gerufen und wurde mit dem Verdienstorden des CCW in Silber ausgezeichnet. Aber auch Präsident Wilfried Michaelis durfte sich über eine Ehrung freuen: Elf (die Zahl hat in der Narretei eine magische Bedeutung) Jahre führt Michaelis den CCW, war zwischendurch auch eine Session als Karnevalsprinz mit dem Ohrwurm „Wuppdika, Wuppdika, das Prinzenpaar ist da“ singend in die Festsäle einmarschiert und führt das Comitee mit Umsicht und Elan. „Mein größter Wunsch ist, dass wir wieder einen Rosensonntagszug bekommen“, meinte er unter donnerndem Applaus.
Und da hatte Bürgermeister Rainer Spiecker eine Freudenbotschaft. „In den Haushalt 2026/27 werden 20 000 Euro für einen Rosensonntagszug eingestellt“, versprach der Kommunalpolitiker und ließ auch das Herz von Thomas Husemann höherschlagen, denn der ist im CCW-Vorstand als „Zugleiter“ nominiert. „Jetzt kriegst du wirklich mal was zu tun“, wurde Husemann geflachst.
„Jetzt gehts los. Wir sind nicht mehr aufzuhalten“ und „Eschte Frünnde stunn z‘samme“ waren ebenso wie das seit Jahrzehnten besungene „Trömmelsche“ die dazu passenden Hits. Die stimmgewaltigen Ramona und Roberto standen ebenso auf dem unterhaltsamen Programm wie die Ehrengarde und die Tanzgarde, die zeigten, was sie in den schrecklichen karnevalslosen Zeit antrainiert hatten, und natürlich wurde auch das Jugendprinzenpaar Celine I und Logan I auf die Bühne gebeten. Und beide bewiesen eindrucksvoll, dass sie dank ihrer Prinzenrolle erheblich an Statur und Selbstbewusstsein gewonnen hatten und den Wuppertaler Karneval würdig zu vertreten verstehen.
26 Veranstaltungen listet das Sessionsheft des CCW auf, von denen die Närrische Stadthalle in der Historischen Stadthalle am kommenden Freitag einer der vielen Höhepunkte sein wird. „Seltsamerweise ist die Stadthalle noch nicht ausverkauft“, wundert sich Nordhild Neumeyer.
Da der nächste Rosensonntagszug sich wohl erst 2027 über die Talsohle wälzen wird, hat Wuppertal mit der Open-Air-Party auf dem Rathausvorplatz am Karnevalssonntag (15. Februar) noch einmal ein Alleinstellungsmerkmal. Und da wird sicher erneut bewiesen: „Wuppertal kann Karneval“.