Leipzig. Lebensmittelverschwendung ist ein großes Thema – bei Landwirten wie in der Gastronomie und in privaten Haushalten. Für ein gewachsenes Bewusstsein für die Nutzung von Lebensmitteln steht auch die jüngste Hilfsaktion, die mit Beteiligung von LVZ und Sächsischer Zeitung verhindern soll, dass mehrere Tausend Tonnen überschüssiger Kartoffeln verrotten.
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Weil es dank überdurchschnittlich hoher Ernte im abgelaufenen Jahr mehr Kartoffeln als Abnehmer gibt, sitzt der Landwirtschaftsbetrieb Osterland in Frohburg (Landkreis Leipzig) auf rund 4000 Tonnen Ware. Nun kann es passieren, dass das nahrhafte und gesunde Lebensmittel massenweise wieder aufs Feld gebracht und unterpflügt werden muss.
Abfallvermeidung ein großes Thema
Um das zu vermeiden und die Erdäpfel unter die Menschen zu bringen, ist eine Aktion von Landwirten mit Leipziger Volkszeitung, Sächsischer Zeitung und Berliner Morgenpost angelaufen. Denn einerseits sind Lebensmittel inflationsbedingt so teuer wie nie, andererseits wächst die Zahl der finanziell schwachen Haushalte.
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Generell sind „Foodwasting“ und Abfallvermeidung ein Thema, das die Gesellschaft umtreibt – um die Umwelt zu entlasten sowie Kosten zu sparen. Einen Beitrag dazu leistet auch das in Leipzig zunehmend gewachsene „Foodsharing“: An öffentlich zugänglichen „Fairteilern“ können überzählige, aber noch genießbare Lebensmittel hingebracht oder kostenlos mitgenommen werden.
Apps und Foodsharing helfen
Um teilzuhaben, reicht eine Anmeldung bei foodsharing.de und die Qualifikation als Foodsaver via Quiz. Die 2013 gegründete Leipziger Gruppe hat aktuell 528 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, gerettet wurden bislang 38,8 Tonnen Lebensmittel.
Das Dilemma der Restaurants: Je mehr Ware sie bei Anbietern abnehmen, desto preiswerter der Einkauf. Man muss sehr genau kalkulieren.
Mustafa Türker
Projektmanager bei Transgourmet
Eine feste Größe ist auch die Smartphone-App „Too good to go“ geworden. In Leipzig stellen zahlreiche Geschäfte von Bäckerei über Biomarkt bis Hotels Überraschungstüten mit überschüssigen Lebensmitteln zusammen, die Verbraucher zu gesenkten Preisen abholen können.
Wie Gastronomen Müll vermeiden
In der Gastronomie wird Abfallmanagement immer wichtiger. Je weniger Überschuss an nicht mehr verwertbaren Waren, desto ökonomischer der Ankauf. Außerdem verursacht auch die Entsorgung Kosten. „Ein großes Thema in der Branche“, sagt Mustafa Türker, früher Inhaber des Restaurants GreenSoul in Leipzig und inzwischen Projektmanager beim Großhandel Transgourmet.
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„Das Dilemma der Restaurants: Je mehr Ware sie bei Anbietern abnehmen, desto preiswerter der Einkauf“, so der Berater. „Man muss sehr genau kalkulieren, und einiges hängt von den Lagermöglichkeiten ab, um möglichst viel verwerten zu können.“

Mittlerweile gibt es digitale Müllroboter, die Weggeworfenes identifizieren und ausrechnen können, wie hoch pro Monat der jeweilige Warenwert ist, den man entsorgen musste. „Das unterstützt das Abfallmanagement deutlich.“ Türkers Tipp aus der Kochpraxis: Aus Schalen von Gemüse wie Möhren, Zwiebeln oder Kartoffeln lässt sich eine Gemüsebrühe ziehen und fürs Kochen verwenden.“
Francie Fichtler, die die Gaststätte „Oma Kuchinke“ leitet, lässt wissen: „Wir bestellen nicht auf Masse. Wenn die Zutaten alle sind, sind sie halt mal alle.“ Im Stötteritzer Lokal werden manche Lebensmittel vakuumiert: Der Sauerstoffentzug macht Lebensmittel länger haltbar und bewahrt Vitamine und Aromen. „Aus übrigen gekochten Kartoffeln machen wir Bratkartoffeln oder Kartoffelstampf“, so Fichtler.
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Unterstützung bei der Rettungsaktion
Womit wir wieder bei den nährstoffreichen Erdäpfeln wären, die im Landwirtschaftsbetrieb Osterland gerettet werden sollen. Unter anderem die Kundschaft der Tafeln in Sachsen und Thüringen soll davon profitieren – mehrere Ausgabestellen haben bereits ihr Interesse bekundet.
Auch weitere Abnehmer werden gesucht – Voraussetzung ist allerdings, dass mindestens eine Tonne Kartoffeln bei Anlieferung abgenommen und dann weiter verteilt wird. Eine Selbstabholung für Einzelinteressenten am Landwirtschaftsbetrieb ist nicht möglich.
Anfragen können per Mail an chefredaktion@lvz.de geschickt werden.
LVZ