Bielefeld. Versteckte Glockenspiele, knuffige Tiere oder schlicht Kletterobjekte: Überall in Sennestadt stehen beeindruckende Kunstwerke unter freiem Himmel, verbunden durch einen stadtweit einzigartigen „Skulpturenpfad“. Die meisten sind einfach und kostenlos zugänglich. Jetzt hat der Sennestadtverein eine handliche Broschüre im DIN-A6-Format mit Lageplänen, Bildern und Hintergrundinfos herausgebracht, die bequem in die Jackentasche passt. Dazu werden in diesem Jahr auch Führungen angeboten.
Der „Skulpturenpfad Sennestadt“ (so auch der Titel der Broschüre) ist ein Ausflugsziel sowohl für die ganze Familie als auch für historisch Interessierte und Kunstliebhaber. Dort stehen Arbeiten von international renommierten Bildhauern wie Manfred Pernice und Anthony Cragg genauso wie bekannte aus dem heimischen Raum wie Bruno Buschmann, Nina Koch, Jutta Kirchhoff und Woldemar Winkler.
Faszinierend für große und kleine Entdecker ist die rostige Kugel vor dem Eingang der Hans-Ehrenberg-Schule (Arcanum rerum, übersetzt „Das Geheimnis der Sache“ von Jörg Bochow). Sie lässt sich bewegen, dann ertönt innen ein Glockenspiel. Anfassen ist ausdrücklich erwünscht. Etwas für Tierfreunde sind die Plastiken der Bildhauerin Inge Jaeger-Uhthoff – Eulen, Delfine, Katzen, Enten und sogar ein Eisbär. Sie stehen an vielen Stellen im Stadtbezirk.
Lesen Sie dazu: Nina Koch prägt mit ihren Skulpturen das Bielefelder Stadtbild
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Selbstmörder auf dem Hochhaus vermutet
Nur vom Ufer bestaunen lässt sich die 17-teilige Terrakottaplastik „Großes Strandstillleben“ des Oerlinghauser Künstlers Peter Sommer im Sennestadtteich. Wer nach oben schaut, kann drei täuschend echt wirkende „Menschen“ aus Aluminiumblech erkennen, die auf dem hohen Sennestadthaus balancieren. Aus der Nähe zu sehen sind sie nur vom nicht öffentlich zugänglichen Balkon der Sennestadt GmbH. Oft werden sie gar nicht wahrgenommen, allerdings: Es haben auch schon besorgte Bürger bei der Feuerwehr angerufen, um Selbstmörder auf dem Dach zu melden. Hubertus von der Goltz hat die „Artisten“ bereits 1985 erschaffen und ihnen mit „Gratwanderung“ einen passenden Titel gegeben.
2020 zerstörten Unbekannte Peter Sommers „Strandstillleben“. Der Bildhauer (links) war dabei, als es (restauriert) wieder zurück auf seine Insel gebracht wurde.
| © jonek.fotografie.de
Mehr zum Bildhauer und seinen Werken: Künstlerpaar Peter und Dorothee Sommer zieht an den Niederrhein
Auf den beiden niedrigeren Elementen von Anthony Craggs dreiteiliger Skulptur „Auf der Lichtung“ mitten auf dem Reichowplatz wiederum klettern und rutschen regelmäßig Kinder herum. Für Verblüffung sorgt Adolfo Siuranas „Figura. T.“ , von den Sennestädtern liebevoll „Der Taucher“ genannt, im nahen Parkteich: eine Edelstahl-Figur, die einen Kopfstand auf der Wasseroberfläche macht.
Kurios wirkt (zumindest aus heutiger Sicht) auch der zwischen zwei Büchern eingeklemmte steinerne Kopf mit dem bedeutungsschweren „Lust und Last des Wissens“ von Roland Zigan vor der Stadtteilbibliothek. Gleiches gilt für das witzige Cortenstahl-Trio „Doppelkopf, Binnenzickzack, Binnenspirale“ von Eg Witt über dem Eingang des Sennestadthauses.
Geheimnisvolle Mordsteine im Wäldchen
Besonders für Geschichtsfans lohnt sich ein Ausflug zu den geheimnisvollen Mordsteinen, die in einem Wäldchen nahe des Frieda-Nadig-Seniorenzentrums stehen. Die lokale Geschichte bildet dagegen etwa die Büste von Sennestadt-Architekt von Bernhard Reichow im Sennestadthaus ab, aber auch Nina Kochs Bronze-Porträt von Hans Ehrenberg im nach ihm benannten Gymnasium. Manfred Pernices „Caravane D-Day“ wenige Meter weiter erinnert an die zahlreichen Flüchtlinge und Vertriebenen aus den Ostgebieten, die in Sennestadt eine neue Heimat fanden. Auch der Schlussstein (aus der Normandie) hat eine interessante Geschichte: Er steht für die Landung der Alliierten am 4. Juni 1945, die damit das Ende des Zweiten Weltkrieges einläuteten. Auf die Dalbker Ziegeleibetriebe im 19. Jahrhundert und die Wanderziegler wiederum verweist Bruno Buschmann „Zieglerdenkmal“.
Die Mordsterne erinnern an einen grausamen Doppelmord aus dem Jahre 1660.
| © Andreas Zobe
Die spannende Geschichte hinter den Mordsteinen: Bielefelds ungewöhnlichstes Denkmal hat mit einem Doppelmord zu tun
Den „Skulpturenpfad Sennestadt“ gibt es kostenlos in der Buchhandlung Kutzner, eine Übersicht als Download auf der Internetseite des Sennestadtvereins. Zudem bietet der Verein am 18. April (Süden) und 12. September (Norden) Rundgänge an: Treffen ab 15 Uhr vor dem Hans-Ehrenberg-Gymnasium an der Elbeallee. Jeder Teilnehmer bekommt ein Exemplar der Broschüre.

