Auf einem Hof in der Nähe von Leipzig lagern 4000 Tonnen Kartoffeln. Ihnen droht die Vernichtung. Gemeinsam mit den Landwirten und der grünen Suchmaschine Ecosia startete die Berliner Morgenpost vergangene Woche eine Aktion, die Kartoffeln zu retten. Die wichtigsten Fragen beantworten wir hier.

Wieso werden 4000 Tonnen einfach verschenkt?

Die Osterland Agrar GmbH ist ein mittelständisches Unternehmen in Frohburg, südlich von Leipzig. Der Landwirtschaftsbetrieb produziert Milch, Fleisch, Kartoffeln, Zwiebeln, Zuckerrüben, Weizen, Gerste, Mais und Strom. Ein Händler hatte die Kartoffeln bei Osterland bestellt. Doch als die Ernte eingefahren und gelagert war, war klar: Der Händler will die Kartoffeln nicht mehr haben. Das Angebot an Kartoffeln auf dem Markt war größer als die Nachfrage. Finanziell war alles geregelt, aber die Kartoffeln blieben liegen und wurden für den Händler zur Last. Häufig landen solche Kartoffeln in Biogasanlagen und werden verfeuert.

Warum werden Kartoffeln aus Leipzig in Berlin verteilt?

Die Osterland Agrar GmbH wandte sich Hilfe suchend an Ecosia. Eine Suchmaschine, die mit ihren Werbeeinnahmen Bäume pflanzt. Ecosia ist ein Berliner Unternehmen, über das die Berliner Morgenpost kürzlich berichtete. Finanzchef Wolfgang Oels schrieb dem Chefredakteur der Berliner Morgenpost, Peter Schink, eine E-Mail: Man habe Kontakt zu einem Hof südlich von Leipzig, der 4000 Tonnen Kartoffeln vernichten muss. „Wollen wir als Berliner Morgenpost und Ecosia daraus eine gemeinsame Aktion machen?“ „Wir können. Wir wollen. Und wir brauchen Ihre Hilfe“, schrieb Schink in einem Artikel zu der Aktion.

Wir können. Wir wollen. Und wir brauchen Ihre Hilfe.

Peter Schink, Chefredakteur der Berliner Morgenpost

Wie kommen die Kartoffeln von Leipzig nach Berlin?

In Lastwagen werden die Kartoffeln von Leipzig nach Berlin gefahren. 20 bis 22 Tonnen können die Laster transportieren. Wie viele Laster nach Berlin fahren werden, ist noch unklar.

Wo werden die Kartoffeln verteilt?

1326 Organisationen und Privatpersonen haben sich bis Montag bei uns gemeldet, nicht alle kommen aus Berlin. Auch der Tierpark hat angeboten, eine Tonne zu übernehmen. Wegen der Vielzahl der Anfragen werden wir voraussichtlich nicht alle bedienen können. Eine Karte mit den Abholstellen werden wir zeitnah veröffentlichen.

Eine Tonne pro Verteilstelle – kann man auch weniger Kartoffeln annehmen?

Die Kartoffeln werden in sogenannten Bigpacks geliefert. Zu je einer Tonne, kleinere Mengen sind nicht möglich. Zusätzlich muss der Verteil-Standort für einen Lkw erreichbar sein. Es wird aber viele Verteilstellen in der Stadt geben, wo Sie Kartoffeln retten können.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von Instagram, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und
wieder ausgeblendet werden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste
übermittelt werden. Mehr dazu in unserer

Datenschutzerklärung.

Machen die Berliner Tafeln mit?

Ja. Die Berliner Tafeln erhalten eine Lastwagenladung Kartoffeln. Also 20 Tonnen. Auf Instagram bedankte sich die Berliner Tafel bei allen Leserinnen und Lesern. „Vielen Dank, dass so viele von euch an uns denken“, schrieb die Tafel, „die 20 Tonnen Kartoffeln werden an soziale Einrichtungen und unsere Laib-und-Seele-Ausgabestellen umverteilt werden.“ 

Sind die Kartoffeln festkochend oder mehligkochend?

Wir haben noch einmal nachgefragt bei der Osterland Agrar GmbH. Es geht um die Kartoffelsorte Agria. Und an ihr scheiden sich die Geister. Tendenz: mehligkochend, so Osterland.

Die Kartoffeln aus Frohburg

Die Kartoffeln aus Frohburg.
© Osterland Agrar GmbH | Osterland Agrar GmbH

Werden die Kartoffeln auch in Leipzig verteilt?

Ja. Die Leipziger Volkszeitung (LVZ) ist auf unsere Redaktion zugekommen – und steigt mit ein. „Wir versuchen nun alles, um dabei zu helfen, wenigstens einen Teil der vielen Kartoffeln dorthin zu verteilen, wo sie gebraucht werden“, schreibt LVZ-Chefredakteurin Hannah Suppa in ihrer Zeitung. Die LVZ wird mit dem Landesverband Sächsischer Tafeln zusammenarbeiten. Auch die Sächsische Zeitung, die wie die LVZ zur Mediengruppe Madsack gehört, macht mit.

Können alle Kartoffeln gerettet werden?

In Berlin wird, Stand heute, nur ein Bruchteil der Kartoffeln verteilt werden können. 4000 Tonnen sind eine ganze Menge Kartoffeln, vier Millionen Kilogramm. Die Kartoffeln zu transportieren und zu verteilen, ist ein hoher finanzieller und logistischer Aufwand. Den die Berliner Morgenpost, Ecosia, Osterland und Co. neben dem Arbeitsalltag leisten müssen. Aber wir wollen so viele Kartoffeln wie möglich retten. Dafür sind wir auch weiter auf Ihre Hilfe angewiesen: Wir suchen noch nach größeren Abnehmern.

Und wann geht es los?

Am Mittwoch, den 14. Januar, rollen die ersten Lastwagen nach Berlin. Die Kartoffeln werden zeitnah und nach und nach an die Verteilstationen gebracht. Updates erhalten Sie bei uns und unter https://www.4000-tonnen.de/.