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In der Ukraine setzt Russland Panzer mit ungewöhnlichem Abwehrsystem ein. Kann dies helfen, den Krieg zu gewinnen? Ein Militärexperte klärt auf.
Frankfurt – Während sich die Ukraine, USA und Europa für Frieden starkmachen, setzt Russland immer noch Mittelstreckenraketen ein, was die Bundesregierung „aufs Schärfste“ verurteilt. Und Panzer, die aussehen wie diese eine Lampe von Ikea, die vor zehn Jahren alle in ihrem Schlafzimmer hatten. Auf den Fahrzeugen sind flexible, verstärkte Stäbe angebracht, die in verzweigten Schichten angeordnet sind und wie Pusteblumen-Schirmchen aussehen. Mit ihnen will sich die russische Armee gegen Drohnen wehren, schreibt der Datenanalyst und Ukraine-Aktivist Marjin Markus auf Linkedin. „Doch es gibt einen Haken“, schreibt er.
Auf diesem Foto aus einem Video des Pressedienstes des russischen Verteidigungsministeriums starten russische Soldaten eine Drohne für einen Einsatz an einem nicht genannten Ort in der Ukraine. (Archivbild) © picture alliance/dpa/ussian Defense Ministry Press Service via AP | Uncredited
„Je besser ein Panzer geschützt ist, desto schwieriger ist es, aus ihm zu entkommen.“ Trotzdem habe Russland das Abwehrsystem mit dem Namen „Oduvanchik“ (Löwenzahn) patentiert, schreibt er. Diese Information lässt sich nicht eindeutig verifizieren. Bisher berichten darüber nur unbekannte oder russische Medien. Ob Russland die Methode patentiert habe oder nicht, sei egal, denn „russisches Patentrecht würde die Ukrainer kaum abhalten, das nachzubauen“, sagt der Militärexperte und Politikwissenschaftler Gustav Gressel der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.
Wie bei einem Wasserstrahl: So funktioniert die Pusteblumen-Taktik
Diese Art der Panzerung, die wie eine Ikea-Lampe oder eben Pusteblume aussieht, werde in der Ukraine in der Tat eingesetzt, sagt er. Es gebe mehrere Arten von Stachelpanzern, die Drohnen abhalten sollen. „Stachelpanzer sind eine Variante der Abstandspanzerung, die es im Grunde schon seit dem Zweiten Weltkrieg gibt.“ Wie funktionieren sie? Indem sie einen Zwischenraum schaffen, in dem sich der Explosionsstrahl einer Drohne ausdehne und damit schwächer werde, wenn er auf dem tatsächlichen Panzer aufschlägt, erklärt Gressel bei der Frankfurter Rundschau.
Ähnlich wie bei einem Wasserstrahl aus einem Gartenschlauch: Dieser wird auch immer schwächer, je weiter entfernt er vor sich hinplätschert. „Je weiter weg die erste Panzerungsschicht von der zweiten ist, desto größer dieser Effekt.“ Auch sei es wichtig, dass die Panzerung zwar möglichst robust, aber auch leicht sei. In den 1990ern habe man versucht, Mannschaftstransportpanzer und Radfahrzeuge mit Abstandspanzerung gegen Granaten zu sichern, sagt der Militärexperte. Da eine durchgängige Panzerung aber zu schwer für diese Fahrzeuge war, nahm man Stahlgitter und geschlitzte Bleche.
Militärexperte: „Gibt meistens einen schwachen Punkt in der Stachelpanzerung“
„Drohnen fliegen langsamer als die Geschosse von Panzerabwehrwaffen oder Panzerabwehrlenkwaffen. Sie haben auch weit weniger Masse.“ Daher könne die Abstandspanzerung leichter sein, als wenn man sich gegen hochexplosive schützen müsse, sagt Gressel der Frankfurter Rundschau. „Mit einem Wald von Metallstäben (Spikes) erziele ich den größten Abstand bei gleichzeitig dem geringsten Gewicht. Das ist die Idee dahinter.“
Gleichzeitig erlaube es der Gitterstabwald der Besatzung, noch hindurchzusehen – wenn auch mit Einschränkungen. Wenn das Fahrzeug damit an etwas hängenbliebe, deformierten sich die Stäbe einfach oder brächen ab. „Die größten Einschränkungen bei den meisten DIY-Abstandspanzerungen sind weniger das Gewicht als die Einschränkung der Beobachtungsmöglichkeiten und der Bewegungsmöglichkeiten“, sagt Gressel. Diese Art von Panzerung mache Fahrzeuge gegen Drohnen überlebensfähiger, schränke aber auch ihre Effektivität ein. „Zudem gibt es meistens einen schwachen Punkt in der Stachelpanzerung.“
Ob Russland mit der Pusteblumen-Taktik in der Ukraine Erfolg haben wird, bezweifelt der Militärexperte. „In einem drohnenverseuchten Gefechtsfeld gepanzerte Angriffe durchzubringen, ist eine sehr schwierige Sache. Es kann gelingen, braucht aber intensive Vorbereitung, Planung, und gute Koordination zwischen den Waffengattungen (Artillerie, Infanterie, Mech-Truppe, elektronische Kampfführung und Aufklärung, Drohnentruppe)“, sagt er. „Da liegt bei den Russen meist die Schwäche. Ihre Angriffe sind taktisch schlecht geplant und schlecht koordiniert. Da hilft dann Löwenzahn auch nichts mehr.“ (Quellen: Linkedin, eigene Recherche)