Viele Autofahrer reiben sich zum Jahresbeginn verwundert die Augen: Während man den Liter Super E10 zwischen den Jahren noch für weniger als 1,60 Euro bekommen konnte – ganz vereinzelt sogar für 1,53 Euro, lagen die Preise diesen Freitag durchweg über der Marke von 1,70 Euro, zum Teil sogar über 1,80 Euro. Auch wenn diese gewaltigen Preisunterschiede vor allem mit den starken Schwankungen je nach Region und Tageszeit zusammenhängen, lässt sich eines festhalten: Die Fahrt zur Zapfsäule ist 2026 merklich teurer geworden.
„Die Preise sind binnen Wochenfrist um 1,9 Cent gestiegen“, relativiert allerdings ADAC-Sprecher Andreas Hölzel auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“. Diese Aussage beziehe sich jedoch auf Durchschnittspreise für ganz Deutschland, die regional natürlich ganz anders ausfallen könnten, gibt er zu bedenken. Am Freitag kostete Super E10 laut ADAC im bundesweiten Mittel 1,726 Euro. Vor einer Woche, am 1. Januar 2026, waren es 1,709 Euro, also 1,7 Cent weniger.
Der Diesel-Preis lag am Freitag bei 1,677 Euro, vor einer Woche bei 1,658 Euro. Der Hauptpreissprung fand allerdings schon zum Jahreswechsel statt. Ein Grund dafür: Eine höhere CO2-Abgabe hat sowohl Diesel als auch Super dauerhaft um rund drei Cent je Liter verteuert. Ab 2026 bildet sich der CO2-Preis durch die Versteigerung von Emissions-Zertifikaten – vorerst in einem Korridor zwischen 55 und 65 Euro je Tonne, ab dem Jahr 2028 dann auf dem freien Markt. „Dadurch wird Sprit immer teurer“, stellt der ADAC-Sprecher klar.
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Steuern und Abgaben betragen bis zu 64 Prozent
Neben der CO2-Abgabe machen die Steuersätze einen beträchtlichen Anteil am Spritpreis aus. Für Benzin beträgt der Energiesteuersatz laut ADAC aktuell 65,45 Cent je Liter, für Diesel 47,04 Cent. Außerdem wird auf alle Energieträger die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent fällig. Diese wird auf den Warenwert inklusive Energiesteuer erhoben. „Insgesamt ergibt das bei jeder Tankrechnung einen Steuer- und Abgabenanteil von rund 64 Prozent bei Benzin und rund 56 Prozent bei Diesel – jeweils bezogen auf den Jahresdurchschnittspreis 2025“, wie der ADAC auf Anfrage vorrechnet.
Der Rest des jeweiligen Spritpreises setzt sich zusammen aus den eigentlichen Kosten des Produkts von der Rohölquelle über den Transport nach Deutschland und die Weiterverarbeitung bis zur Zapfsäule. „Und natürlich wollen die Mineralölkonzerne einen möglichst hohen Gewinn erzielen“, sagt Hölzel.
2026 möglicherweise „ähnliche Spritpreise wie im Vorjahr“
Eine Prognose für das „Tankjahr 2026“ möchte der ADAC-Sprecher nicht abgeben. Dafür gebe es derzeit „weltpolitisch und ökonomisch viel zu viele Unwägbarkeiten“. Er sagt dann aber auch: „Sollte der Rohölpreis in etwa auf dem aktuellen Niveau bleiben, ist eine Seitwärtsbewegung – also ähnliche Spritpreise wie im Vorjahr – am wahrscheinlichsten.“
Im vergangenen Jahr war Tanken insgesamt günstiger als 2024. Im Schnitt kostete der Liter Benzin sechs Cent und der Liter Diesel vier Cent weniger als noch 2024. Trotzdem schwankten die Preise so stark wie selten zuvor. Im Schnitt ändern sich die Spritpreise an Tankstellen 22 Mal pro Tag, wie das Bundeskartellamt ermittelt hat. Sie variieren dabei im Tagesverlauf um rund 13 Cent je Liter. Besonders an Autobahntankstellen erreichten die Aufschläge 2025 ein neues Rekordniveau. Vergleichen lohnt sich also mehr denn je.
Fünf Tipps: Wie sich beim Tanken trotz allem sparen lässt
1. Abends tanken: „Autofahrer, die sparen wollen, sollten abends tanken“, rät Steffen Bock, Gründer und Geschäftsführer von „Clever Tanken“, ganz grundsätzlich. Denn laut den Beobachtungen des Vergleichsportals sind die Kraftstoffpreise vor allem zwischen 18 und 20 Uhr am günstigsten. „Tanken in den Abendstunden ist im Schnitt etwa 13 Cent je Liter günstiger als morgens“, teilt auch der ADAC mit. Tagsüber existieren zudem Zeitfenster zwischen 11 und 14 Uhr sowie zwischen 15 und 16 Uhr, in denen die Preise fallen. „Zudem kommt es immer wieder zu abrupten Erhöhungen und Senkungen – teilweise in sehr kurzen zeitlichen Abständen“, betont Bock. Die höchsten Spritpreise drohen laut ADAC morgens zwischen 7 und 8 Uhr.
2. Permanent Preise vergleichen: Grundsätzlich sollten Autofahrer die Preise an den Zapfsäulen entlang ihrer Route stets vergleichen, beispielsweise per App, Navigationsgerät oder auch im Internet. So erfahren sie, welche Tankstelle in ihrer Nähe aktuell die günstigsten Preise anbietet. Häufig kostet der Sprit bei freien Tankstellen oder an Supermarkt-Zapfsäulen merklich weniger als bei den bekannten Mineralölkonzernen.
3. Autobahn-Tankstellen meiden: Laut Experte Bock ist es zudem wichtig, Autobahn-Tankstellen möglichst zu meiden. Denn aufgrund ihrer günstigen Lage und der geringen Konkurrenz in der näheren Umgebung sind diese oft viel teurer als Tankstellen in größeren Innenstädten – im Schnitt um mehr als 40 Cent pro Liter.
4. Den richtigen Sprit tanken: Auch die Auswahl des Kraftstoffs wirkt sich auf den Geldbeutel aus. Wenn man statt zu Super (E5) zu E10 greift, sind rund sechs Cent Ersparnis pro Liter drin. Bisher tankt aber nur etwa ein Drittel der Autofahrer in Deutschland E10, obwohl es günstiger ist und es die meisten Autos (mehr als 90 Prozent) auch problemlos vertragen. Viele scheuen es aus Unsicherheit oder wegen des geringfügig höheren Verbrauchs. Der ADAC empfiehlt E10. Die meisten Autos ab Baujahr 2010 sind E10-tauglich.
5. Fahrweise optimieren: Auch durch das eigene Fahrverhalten kann man merklich sparen. Die Tipps im Einzelnen: Vorausschauend fahren, also sanft beschleunigen und früh vom Gas gehen, bevor man bremst. Frühes Hochschalten: Schon bei 2000 Umdrehungen pro Minute kann man in den nächsthöheren Gang wechseln. Motor abschalten: Bei Standzeiten von mehr als 20 Sekunden (zum Beispiel an Bahnübergängen oder Ampeln) den Motor ausmachen, wenn keine Start-Stopp-Automatik vorhanden ist. Eco-Modus nutzen, falls vorhanden, und Kurzstrecken vermeiden: Denn der Motor verbraucht besonders viel Kraftstoff, wenn er kalt ist.