Die Ukraine baut ihre Angriffsdrohnen selbst. Doch im Bereich der deutlich zerstörerischen Raketen ist Kiew – trotz eigener Entwicklungen – stark auf ausländische Lieferungen angewiesen. Noch dazu reichen diese westlichen Waffen nicht besonders weit, weil die USA keine Tomahawk-Marschflugkörper geschickt haben und Deutschland keinen Taurus. Großbritannien jedoch will die ukrainische Kampfkraft im Bereich der Raketen nun steigern.
London hat angekündigt, eine neue ballistische Rakete für die Ukraine zu entwickeln. Zu diesem Zweck wurde im Rahmen des Projekts „Nightfall“ ein Wettbewerb zur schnellen Entwicklung von bodengestützten Raketen ausgeschrieben. Diese sollen einen 200 Kilogramm schweren Sprengkopf mehr als 500 Kilometer weit tragen. Zum Vergleich: Die amerikanischen HIMARS-Raketen in der Ukraine haben eine Reichweite von ungefähr 80 Kilometern, ATACMS reichen 300 Kilometer weit.
„Ein sicheres Europa braucht eine starke Ukraine“, sagte der zuständige britische Staatsminister Luke Pollard zum Nightfall-Projekt. „Diese neuen britischen Langstreckenraketen werden die Ukraine im Kampf halten und Putin einen weiteren Grund zur Sorge geben.“
Raketen und Marschflugkörper im Vergleich
- Ballistische Raketen sind in der Regel günstiger herzustellen.
- Marschflugkörper fliegen niedriger und sind damit schwieriger vom Radar zu erfassen.
- Marschflugkörper sind präziser.
- Marschflugkörper gibt es auch mit hyperschneller Geschwindigkeit.
Vereinfachter Vergleich zwischen Raketen und Marschflugkörpern.
© dpa I Tagesspiegel/Rita Boettcher
Die Nightfall-Raketen können laut offiziellen Informationen von unterschiedlichen Fahrzeugen aus gestartet werden. Die Idee: Mehrere Geschosse werden schnell hintereinander abgefeuert, anschließend wechselt das Fahrzeug seine Position. „Die ukrainischen Streitkräfte können wichtige militärische Ziele treffen, bevor die russische Armee reagieren kann“, heißt es in der offiziellen Mitteilung.
Monatlich sollen zehn der Raketen produziert werden – zu maximalen Stückkosten von umgerechnet gut 900.000 Euro. Der britische Verteidigungsminister John Healey verspricht sich davon, die ukrainischen Fähigkeiten zum Gegenangriff auf Öl-Anlagen und Militärstandorte zu steigern. Hier ist die Ukraine bisher limitiert und setzt hauptsächlich auf Drohnen.
Allerdings wird das Nightfall-Projekt, das auch den britischen Streitkräften zugutekommen soll, keine schnelle Abhilfe schaffen.
Lesermeinung zum Artikel
„Bis die Raketen tatsächlich zur Verfügung stehen, dürfte es noch mehrere Jahre dauern. Man kann nur hoffen, dass die Ukraine so lange durchält.
Interessant ist allerdings ein im Artikel nicht erwähnter Aspekt. Ursprünglich wollten die Briten zusammen mit den USA ein Nachfolgesystem für HIMARS, ATACMS und Co. entwickeln. Davon nimmt man jetzt Abstand. Vermutlich auch, um nicht von den USA abhängig zu sein, wenn es um Einsatzentscheidungen geht.“
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Bis die neuen Raketen auf Russland abgefeuert werden können, wird es noch dauern. Dem Plan nach sollen im März die Entwicklungsaufträge an Waffenfirmen vergeben werden. Dann haben drei Industrieteams jeweils zwölf Monate Zeit, die ersten Raketen für Tests zu bauen und zu liefern. Womöglich wird sich der russische Machthaber Wladimir Putin tatsächlich sorgen müssen – er hat aber trotzdem noch viel Zeit, ukrainische Zivilisten weiter bombardieren zu lassen. (mit Reuters)